Nach Corona-Ausbruch im Seniorenhaus Martfeld

Bisher ausschließlich leichte Verläufe bei den 26 Patienten

Im Seniorenhaus Martfeld kam es in der vergangenen Woche zu einem Mehrfach-Ausbruch des Corona-Virus. 20 Bewohner und sechs Mitarbeiter sind erkrankt. Am Mittwoch sollen weitere Tests durchgeführt werden.
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Im Seniorenhaus Martfeld kam es in der vergangenen Woche zu einem Mehrfach-Ausbruch des Corona-Virus. 20 Bewohner und sechs Mitarbeiter sind erkrankt. Am Mittwoch sollen weitere Tests durchgeführt werden.

Martfeld – „Unseren erkrankten Bewohnern geht es recht gut. Sie zeigen keine oder nur leichte Symptome, leichten Husten und vor allem Müdigkeit.“ So schilderte Jörn Beneke am Montag die Situation im Seniorenhaus Martfeld. In der vergangenen Woche waren dort, wie berichtet, 20 Bewohner und sechs Mitarbeiterinnen positiv auf das Corona-Virus getestet worden. An der Anzahl der Erkrankten habe sich bis gestern nichts verändert, erklärt der Geschäftsführer auf Anfrage der Kreiszeitung.

Eine Bewohnerin sei ins Krankenhaus gekommen, hatte der Landkreis am Freitag mitgeteilt. „Meines Wissens nach lag das an einem verletzten Fuß und nicht an Corona“, meint der Geschäftsführer dazu.

Auch die erkrankten Mitarbeiter zeigten nur leichte Symptome, führt er aus. „Wir waren chancenlos“, sagt Jörn Beneke zum Ausbruch der Infektionskrankheit in seinem Haus. Zwei Quellen seien mittlerweile ausgemacht, wie das Virus trotz Hygienekonzept in die Einrichtung gelangt sei. Eine Mitarbeiterin und ein Angehöriger.

Der Ehemann einer Pflegekraft hatte Kontakt zu einem corona-infizierten Kollegen. „Wir haben sie sofort freigestellt, als sie davon wusste“, schildert Jörn Beneke die Situation in der vorvergangenen Woche. Obwohl ohne Anzeichen einer Erkrankung, hatte sie sich da offenbar bereits zu Hause angesteckt. Er wurde ebenso positiv getestet wie später auch sie.

Seitdem Angehörige das Haus nach dem ersten Lockdown wieder betreten durften, habe es in einem Nebengebäude ein Besucherzimmer gegeben, um unnötige Kontakte von Besuchern zu Bewohnern möglichst zu verhindern, berichtet der Geschäftsführer eine weitere corona-bedingte Gepflogenheit. „Nach jedem Besuch desinfizieren wir diesen Raum“, sichert er zu, dennoch habe er sich als Schleuse für das Virus herausgestellt. „Jetzt ist das Haus komplett für Besucher geschlossen“, erzählt er. Das sei Teil der Infektionsschutzmaßnahmen, die das Gesundheitsamt des Landkreises angeordnet habe.

Jeder, der die Einrichtung betreten muss, mache vorher einen Corona-Schnelltest, berichtet Jörn Beneke vom Alltag. „Und das nicht erst seit Ausbruch der Krankheit“, teilt er mit. Nach dem ersten Hinweis auf einen Kontakt zu einem möglichen Patienten durch die Mitarbeiterin hätten bereits fast eine Woche vor dem Mehrfach-Ausbruch alle einen Schnelltest gemacht, die ein- und ausgegangen seien. „Auch aus den Bereichen Tagespflege und Hauswirtschaft, die räumlich komplett von der Seniorenanlage getrennt sind“, so Beneke. An den Bewohnern würden ein Schnelltest dagegen nur bei auftretenden Symptomen gemacht.

Unter den Bewohnern habe es bis zu diesem Ausbruch den üblichen Kontakt gegeben. „Wer konnte, hat seine Mahlzeiten im Speisesaal eingenommen“, schildert Jörn Beneke den Ablauf. Jetzt werde das Essen ausschließlich in den Zimmern eingenommen. Auch erinnert er an den Laufdrang, den vor allem an Demenz Erkrankte hätten. „Sie sind normalerweise auf allen Etagen unterwegs.“

In Absprache mit dem Gesundheitsamt seien seit vergangenem Mittwoch alle Erkrankten auf die Räume im Obergeschoss verteilt worden, die Gesunden bewohnten seitdem ausschließlich Räume im Erdgeschoss. Auch das Personal werde nur jeweils auf einer Etage eingesetzt. „Nur in einem besonderen medizinischen Bedarfsfall müssen einige Mitarbeiter die Etage wechseln. Dann kleiden sie sich vollständig um“, berichtet Jörn Beneke.

Der Aufwand für die verbliebenen Mitarbeiter sei jetzt hoch. Dankbar sei er für personelle Unterstützung sowohl vom DRK, von der Tagespflege als auch von den drei Kliniken im Landkreis. Pro Schicht könne er auf durchschnittlich einen externen Unterstützer zurückgreifen, in den ersten Tagen seien es auch zwei gewesen. „Wir brauchen jetzt ja auch zwei Nachtwachen, für jede Etage eine“, erläutert er den besonderen Bedarf.

Beneke wolle daher so schnell wie möglich von einer Sonderregelung Gebrauch machen. Demnach dürfte positiv-getestetes Personal auf der Station der Erkrankten arbeiten, sollte der Gesundheitszustand das zulassen. „Ich werde diese Sonderregel beantragen“, sagt der Geschäftsführer. „Die zusätzlichen Fachkräfte, die uns jetzt helfen, werden andernorts ja auch gebraucht“, meint er. Daher wolle er sie so schnell wie möglich entlasten. „Meinen Mitarbeitern geht es gut“, habe er sich telefonisch bei den in Quarantäne befindlichen Angestellten versichert.

Nötig sei dieser Schritt, weil sich einige Mitarbeiter mit Rücksicht auf Risikopatienten im eigenen familiären Umfeld freistellen ließen. „Menschlich kann ich das verstehen, aber der Betrieb muss dennoch weitergehen“, erklärt er, warum er auf sein positiv-getestetes Personal setzten müsse.

Nicht nur wegen der Sorge um den Gesundheitszustand sei die Situation für Bewohner und Angehörige jetzt belastend. Erst hieß es, die gesunden Bewohner sollen nach Bruchhausen-Vilsen umziehen, Taschen wurden gepackt, die Situation erklärt. Dann hat das Gesundheitsamt diese Möglichkeit verworfen. „Alle Angehörigen sind froh, dass es nicht zum Umzug kam, dennoch ist das Hin und Her belastend“, gibt Beneke aus Gesprächen wieder.

„Es wird rege telefoniert zwischen Bewohnern und Angehörigen“, gibt er Einblicke an das zur Außenwelt abgeschottete Seniorenhaus. Dafür stehe auch ein Tablet-Computer zur Verfügung. „Damit kann man sich beim Sprechen auch sehen“, versuche er, Kontakte zumindest virtuell zu ermöglichen. Weiterhin im Dienst sei auch das Betreuungspersonal. Wenn auch keine Gruppenangebote stattfinden, besuchen diese Kräfte die einzelnen Bewohner. „Sie führen Gespräche und nehmen sich Zeit.“

Für Mittwoch habe das Gesundheitsamt einen weiteren Reihentest im Seniorenhaus angekündigt. „Wir hoffen alle sehr, dass es bei den leichten Verläufen bleibt und keine Patienten dazukommen“, sagt Jörn Beneke.

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