Familienbetrieb seit 1538

47 Cent für den Liter: Milchpreis für Bioland-Hof in Hollen gerade kostendeckend

Jörn Stubbemann belegt seine Tiere mit Fleischrassen wie Fleckvieh, Angus oder Limousin oder auch Jerseys.
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Jörn Stubbemann belegt seine Tiere mit Fleischrassen wie Fleckvieh, Angus oder Limousin oder auch Jerseys.

Trockenheit zwingt Landwirte zum Umdenken, das sagt Jörn Stubbemann. Ein Blick auf seinen Bioland-Hof in Holle.

Hollen – „Wir hatten bei uns im Haus damals schon viele Allergien“, begründet Lieselotte Stubbemann, warum es nahelag, sich 1995 ganz auf ökologisch erzeugte Lebensmittel zu verlegen. „Da standen wir alle voll dahinter“, sagt Jörn Stubbemann, der den landwirtschaftlichen Familienbetrieb führt.

Die 70 Kühe des Bioland-Hofes in Hollen liefern Milch für die Molkerei Söbbeke. Pro Liter Milch erhält die Familie aktuell 47 Cent. Das mag im Verhältnis zu den Preisen, die für konventionelle Milch gezahlt werden, nach viel Geld klingen, sei aber dennoch auch gerade so kostendeckend. „Denn der Arbeitsaufwand bei Bio-Milch ist einfach viel größer“, weiß die 68-jährige Lieselotte Stubbemann, die zwar in Rente ist, aber immer noch gerne auf dem Hof aushilft. Den leitet ihr Sohn. Das Melken übernehmen zwei Teilzeitkräfte und eine Aushilfe, die alle aus der Nähe stammen. „Sie können alle mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen“, erzählt Jörn Stubbemann.

Bioland-Hof: Konzentration ganz auf Kühe

Der 43-jährige Landwirt machte zunächst eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker, dann schloss er eine landwirtschaftliche Lehre auf zwei viehlosen Bio-Betrieben und die einjährige Fachschule in Sulingen an. Schon bald stellte sich der Familie die Frage, wie sich der Betrieb umgestalten lassen könnte. Früher gab es auch noch eine kleine Anzahl von Schweinen auf dem Hof. Dann konzentrierten sich Stubbemanns ganz auf Kühe.

Die stehen von April bis November auf der Weide. Auch für das Jungvieh gehört der Weidegang zum Pflichtprogramm. „Die Rinder und Trockensteher sind immer noch draußen“, sagt Jörn Stubbemann, der zusammen mit seiner Mutter, seiner Frau Daniela und den beiden Söhnen Marlon und Jonah auf dem traditionsreichen Bauernhof in Hollen lebt.

Immer wieder versucht er, die Fütterung zu optimieren und die Fruchtfolge auf den 192 Hektar, die er bewirtschaftet, den aktuellen Gegebenheiten anzupassen.

Neue Wege in der Zucht

Auch in der Zucht geht er neue Wege und belegt seine Tiere mit Fleischrassen wie Fleckvieh, Angus oder Limousin oder auch Jerseys. Besonders die zuletzt genannten können dabei helfen, den Eiweißgehalt der Milch insgesamt zu steigern, sagt Jörn Stubbemann. Das Gros des Futters, das die Kühe und ihre weibliche Nachzucht benötigen, produziert der bereits seit dem Jahr 1538 bestehende Betrieb selbst. Die Tiere werden mit einer Kleegras- und Luzernemischung, Maissilage und Heu oder Stroh als Strukturkomponente gefüttert. Hinzu kommen Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen und Sojabohnen. Letztere baute Jörn Stubbemann in diesem Jahr erstmals auf fünfeinhalb Hektar an.

Das Getreide, das für die Fütterung gedacht ist, wächst im Gemenge: Lupine mit Hafer und Gerste zum Beispiel oder Erbsen mit Gerste. „Wir mischen selbst, säen beides zusammen aus und ernten es dann gleichzeitig, auch wenn nicht unbedingt beides ganz zusammen reif ist“, erläutert Jörn Stubbemann.

Auf seinen Flächen, von denen 15 Hektar Grünland sind, baut er seit zwei Jahren auch Speisewaren an: Dinkel, Weizen, Hafer und Roggen. Außerdem widmet er sich der Grassamen- und Sommerwickenvermehrung. „Wir haben auch schon Senf vermehrt“, sagt Jörn Stubbemann und unterstreicht, wie wandlungsfähig sein Betrieb ist: „Wir sind breit aufgestellt.“ Denn das unbeständige Wetter und besonders die in den vergangenen Sommern immer wieder vorherrschende Trockenheit zwingen auch den Landwirt zum Umdenken und zum Suchen neuer Kulturen, die in der Fruchtfolge mit weniger Wasser auskommen könnten. „Wir haben nur wenig beregnungsfähige Flächen“, sagt der 43-Jährige, der deshalb die Aussaattermine anpasst. „Wenn wir jetzt schon Winterackerbohnen und Winterhafer aussäen, sind die Kulturen schon weiter, falls die große Trockenheit kommt.“

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