Bilder und Gedichte als Anker

Künstlerin Katharina Potreck stellt im Rathaus in Bruchhausen-Vilsen aus

In ihrem Element: Die Spezialität von Künstlerin Katharina Potreck sind Porträts.
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In ihrem Element: Die Spezialität von Künstlerin Katharina Potreck sind Porträts.

Die Eystruper Malerin und Dichterin Katharina Potreck ist eine Spezialistin im Anfertigen von Porträts. Die gebürtige Dortmunderin, die erst spät in ihrem Leben zur Malerei fand, zeigt jetzt eine sehenswerte Auswahl ihrer Arbeiten im Rathaus in Bruchhausen-Vilsen. 

Br.-Vilsen/Eystrup – Porträts sind die eigentliche Spezialität von Katharina Potreck aus Eystrup, die aus Anlass der ab Montag dieser Woche im Rathaus von Bruchhausen-Vilsen zu sehenden Ausstellung in unserer Serie „Künstler in ihrem Refugium“ näher vorgestellt werden soll.

Mehr als 50 in unterschiedlichen Formaten und Maltechniken angefertigte Bilder zeigen auf den drei Ebenen des Rathauses eine sehenswerte Auswahl ihrer in den vergangenen Jahren entstandenen Arbeiten. Während sich in der untersten Ebene schwerpunktmäßig Frauenporträts und abstrakte Arbeiten finden, sind auf den beiden weiteren Ebenen vorwiegend Tiere zu sehen, in deren Mittelpunkt Pferde und Hunde stehen. Die liebevoll gestalteten Bilder lassen erkennen, dass die Malerin zu diesen Vierbeinern sowohl als einstige passionierte Reiterin als auch Rettungshunde-Ausbilderin einen besonders engen Bezug hat. Zudem kann sich der Betrachter in detailgetreuen Bildern von weiteren Säugetieren und von Vögeln verlieren. Eine Besonderheit der sorgfältig arrangierten Ausstellung stellen die die Bilder begleitenden, von Katharina Potreck verfassten Texte und Gedichte dar, die Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt geben und die Hintergründe der jeweiligen Arbeiten beleuchten. Mittels eines Barcodes besteht sogar die Möglichkeit, sich die Texte auf dem Smartphone anzuhören. Das gleich im Eingangsbereich befindliche Werk „Augenblick“ gibt gewissermaßen das Leitmotiv der gesamten Ausstellung vor, heißt es doch darin: „Der Augenblick, den ich in deine Augen schau, lässt mich die Welt vergessen“.

Wie die gebürtige Dortmunderin, die mit ihrem Ehemann und den beiden Hunden Xenia und Taylor seit dem Jahr 2000 in einem von einem Garten umgebenen Haus am Rande von Eystrup lebt, in einem Gespräch mit der Kreiszeitung erklärte, ist sie, obwohl sie schon als Kind gern gezeichnet hat, erst spät zur Malerei gekommen.

Der Grund ist eine seit 2014 auftretende und extrem seltene Myasthenie-Erkrankung, deren Diagnose erst nach einer sechsjährigen Odyssee 2020 in der Berliner Charité gesichtet werden konnte. Sie macht es der gelernten Damenschneiderin, Mode-Designerin und Industriekauffrau, die zuletzt in einem Hoyaer Mineralölgeschäft tätig war, unmöglich, weiterhin ihren Beruf auszuüben.

Die Serie

Die Kreiszeitung stellt in unregelmäßigen Abständen Künstler aus der Samtgemeinde Grafschaft Hoya vor. Es sind bereits mehrere Teile der Serie„Künstler in ihrem Refugium“ veröffentlicht worden.

Bereits erschienen sind unter anderem Texte über den Bildhauer Hermann Bischoff, die Fotografinnen Maren und Wenke Wollschläger, den Holzschnitzer Herbert Harms, den Musiker Horst Hahlbohm sowie die Malerin Han Jin Yu aus Bücken.

Nach ihrer Erkrankung begann sie im Jahr 2015 mit der Malerei. „Ich habe mich damals schrecklich gelangweilt, dann aber mit der Malerei einen Ausweg aus diesem Dilemma gefunden“. Die jeweiligen Maltechniken hat sie sich nach und nach selbst beigebracht. Waren es zunächst eher abstrakte Werke in Acryl, hat sie sich im Laufe der Zeit Schritt für Schritt an die Porträtmalerei herangetastet. Heute verwendet sie – oft abhängig von dem sich täglich ändernden Krankheitsverlauf – am liebsten Buntstifte, vereinzelt malt sie auch in Tusche. „Das ist weniger anstrengend. Eine besondere Inspiration habe ich dabei übrigens nicht nötig. Die Ideen kommen von selbst und sprudeln nur so aus mir heraus“, so die Künstlerin.

Aber nicht nur über die Malerei, auch durch selbst verfasste Lyrik setzt sich Katharina Potreck mit ihrer Situation auseinander. Bilder und Gedichte fließen regelmäßig in sogenannte Art Journals ein. Mit einem dieser Werke überzeugte sie 2018 auf einer Ausstellung der „Galerie N“ in Nienburg die Jury, die ihr zu ihrer großen Überraschung den ersten Preis zusprach.

Der jetzt in Bruchhausen-Vilsen zu sehenden Präsentation sind Überlegungen vorausgegangen, welche Werke überhaupt gezeigt, wie diese zusammengestellt und aufgehängt werden sollen. Allerdings hat sie auf diesem Gebiet bereits Erfahrungen sammeln können, etwa bei einer Ausstellung anlässlich des Frühlingsfestes im Eystruper Güterschuppen oder auch auf Dauerausstellungen in einer Tierarztpraxis sowie einem Kosmetikgeschäft in Verden. Das Rathaus des Luftkurortes bot sich nach ihren Worten aufgrund seiner geeigneten Räume an. „Ich habe dort einfach angefragt und bin auf offene Ohren gestoßen, nicht zuletzt, weil ich mittlerweile über eine ausreichende Anzahl von Bildern verfüge, um die Wände hinlänglich bestücken zu können. Dass die Ausstellung aufgrund der Pandemie ohne eine Vernissage auskommen muss, ist zwar ein kleiner Wermutstropfen für mich, aber vielleicht ergibt sich ja noch die Möglichkeit, eine Finissage zu veranstalten“.

Weitere Pläne lassen die gegenwärtigen Umstände nicht zu, jedoch hofft die Künstlerin, die sich in Entschlossenheit mit ihrer Erkrankung und der daraus resultierenden Situation auseinandersetzt, auf die baldige Freigabe eines neu entwickelten Medikaments, das vielleicht eine Linderung ihres Krankheitsbildes zulassen wird. „Ich versuche, von Tag zu Tag das Beste aus meiner Lage zu machen“, stellt sie fest.

Den therapeutischen Wert von Maler- und Schreiberei fasst sie mit den Worten zusammen: „Wenn ich male, vergesse ich alles um mich herum, dann tauche ich in eine andere Welt ein, die mir eine fröhliche, leidenschaftliche, bunte und schmerzfreie kleine Zeit beschert, dann ist mir die Kunst gleichermaßen Rückzugsort, Anker und Ruheinsel“.

Informationen

Die Ausstellung ist bis zum 18. Februar zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses Bruchhausen-Vilsen zu sehen. Informationen über die Künstlerin gibt es auch im Internet unter www.kp-portrait-art.com.

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