Claus Deters liest

Betrunkene Hühner und Mäuse in Taschen: Humorvolle Geschichten im Forsthaus Heiligenberg

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Claus Deters setzt sich mit seiner gut ausgebildete Stimme gegen die laute Geräuschkulisse durch.

Der spannenden Frage, „Watt hett Oma Carmencita in ehre Handtasch?“ aus einer niederdeutschen Kurzgeschichte von Krischan Holschen, ging Claus Deters während einer Lesung am Mittwochnachmittag im Forsthaus Heiligenberg nach.

Br.-Vilsen – Eine Maus, eine kleine graue und langschwänzige Maus war es, die nicht ganz freiwillig in die krokodillederne Handtasche der feinen und auf ihr Äußeres bedachten Großmutter Carmencita gelangt war. Nachdem sie sich schließlich daraus befreit hatte, sorgte der Nager für ergötzliche Turbulenzen – sehr zur Freude des fünfjährigen Enkels Christian, aber auch dessen ebenfalls Christian heißenden Vaters. Dies verriet der 69-jährige Volksschauspieler aus Bremen der kleinen Schar von Zuhörern, die sich in behaglicher Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen um den Kamin des Hauses versammelt hatte.

Zuvor hatte Deters, der schon auf etlichen Bühnen im norddeutschen Raum stand und in vielen Ensembles, etwa dem des Waldau-Theaters in Bremen-Walle, mitgewirkt hat, auf Hochdeutsch ein Kapitel aus dem Roman „Memoiren eines mittelmäßigen Schülers“ von Alexander Spoerl vorgelesen. Die darin wiedergegebenen Schülerstreiche und deren Folgen, die fast sogar zu einem Gefängnisaufenthalt geführt hätten, haben später Vater Heinrich Spoerl als Vorlage für dessen „Feuerzangenbowle“ gedient.

Es folgten weitere humorvolle und durchaus auch hintersinnige plattdeutsche Anekdoten und Kurzgeschichten. In „Kakelbeern“ (Schwarze Johannisbeeren) des Oldenburgers Karl Bruns zeigten Hühner absonderliche Verhaltensweisen, nachdem sie zuvor in Genever eingelegte Beeren verzehrt hatten. Auch in den beiden Geschichten „Brikett“ und „Wer den Pfennig nicht ehrt“ des Wahlhamburgers Gerd Spiekermann gab es zum Schluss überraschende Wendungen. Ähnlich verhielt es sich mit der von Eleonore Meyer ins Niederdeutsche übertragene „Hasenjagd zu Wasser“ und „De Klingelbüddel“, in der die kleine Annemarie ihre verdutzte Mutter nach ihrem ersten Kirchenbesuch voller Stolz fragte, wie viel sie sich denn aus dem herumgereichten Klingelbeutel genommen hätte, bei ihr wären es zwei Groschen gewesen.

Die kurzweilige „Kaminstunde“ schloss Deters mit einigen niederdeutschen Limericks ab, von denen es immerhin auch ein ganzes Buch voll gibt. Dass der Vortragende über eine gut ausgebildete Stimme verfügt, erwies sich als vorteilhaft, versetzte sie ihn doch in die Lage, sich trotz der besonders zu Beginn der Lesung als etwas störend empfundenen Geräuschkulisse des Gastronomiebetriebs des Forsthauses Gehör zu verschaffen.

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