Berufsorientierungsprojekt der Oberschule vorgestellt / „Auch Mädels bohren“

BoDo eröffnet Perspektiven

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Julia Krause arbeitet in der Holzwerkstatt an einem Küchenrollenhalter.

Br.-Vilsen - Von Regine Suling. BoDo macht Spaß: „Das ist besser als normaler Unterricht“, sagte eine Schülerin. BoDo weckt Berufswünsche – oder lässt Jugendliche feststellen, was ihnen so gar nicht liegt. Seit einem Jahr wird die „Berufsorientierung am Donnerstag“, kurz BoDo, an der Oberschule Bruchhausen-Vilsen gelebt. Am Donnerstagabend zogen Teilnehmer, Lehrer und Eltern Bilanz, präsentierten ihr Tun – und gaben einen Ausblick auf die BoDo-Runde im nächsten Schuljahr.

„Die Betriebe finden das gut, die Rückmeldungen sind positiv“, sagte Schulsozialarbeiterin Andrea Sordon. Aktuell hätten 15 Betriebe aus der Region mitgemacht. Im kommenden Schuljahr werden es mehr: „Wir haben Anfragen von weiteren Firmen“, ergänzte Lehrerin Kristina Kalus.

BoDo ersetzt das Betriebspraktikum im neunten Jahrgang und funktioniert so: Jeweils an sechs aufeinander folgenden Donnerstagen schnuppern die Schüler in einen bestimmten Bereich hinein. Wer nicht in einen Betrieb geht, lernt in der Schule verschiedene Tätigkeitsbereiche kennen: Elektrotechnik, Farb- und Raumgestaltung, Holztechnik, Metalltechnik, Gastronomie und Schneiderei. Nach sechs Wochen wird dann wieder gewechselt. „Am besten hat mir Farb- und Raumgestaltung gefallen. Da haben wir tapeziert“, erzählte Kim Johanna Kämena. Zudem war sie unter anderem im Gastronomie-Bereich und im Altersheim eingesetzt. „Mein Berufswunsch ist aber Hebamme“, berichtete sie.

Ihre Mitschülerin Laura Mandelt schaute sich die Arbeit im Bauhof, in der Schneiderei, in der Metallwerkstatt, in der Gastronomie und im Autohaus Witschke an. „Ich fand es in der Schneiderei ganz okay“, bilanzierte Laura. „Mir macht das hier Spaß. Und die Schüler können zum Beispiel ihre Mathekenntnisse in der Praxis anwenden“, sagte Heiko Heidmann. Er ist Lehrer an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Syke und übernimmt den Unterricht in Metalltechnik für die Bruchhausen-Vilser: „Da müssen auch die Mädels bohren. Und eine Schraubzwinge herzustellen, das ist unsere Königsdisziplin.“

Akribisch wurde auch in der Holzwerkstatt nebenan bei BBS-Lehrer Uwe Wolf gearbeitet. Einen Garderobenhalter haben die Schüler dort schon gebaut. „Jetzt machen wir einen Küchenrollenhalter“, erzählte Julia Krause und machte sich am Donnerstagabend gleich wieder an die Arbeit. „Die Jugendlichen arbeiten nur mit Handwerkzeugen wie Hobel, Feile und Stecheisen“, berichtete Lehrer Uwe Wolf. Wichtig: „Alle Arbeitsschritte müssen in einem Protokoll dokumentiert werden.“

BoDo eröffnet viele neue Perspektiven – hat aber auch Kehrseiten. „Wenn jemand in einen Betrieb kommt, sollte er schon Interesse an der Tätigkeit dort haben“, fand Ulrike Krause, die bei der Firma Vilsa-Brunnen für die Ausbildung der Fachkräfte für Lebensmitteltechnik zuständig ist. Sie wünscht sich, dass die Schüler aufgrund ihrer persönlichen Interessen in die Unternehmen vermittelt und nicht zugeteilt werden. Dem pflichtete Andrea Sordon bei. „Je mehr Betriebe mitmachen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Schüler sich einen Betrieb ihrer Wahl aussuchen können“, sagte die Schulsozialarbeiterin.

Im Vordergrund stehe bei BoDo das Kennenlernen der Arbeitswelt. Einig waren sich alle: BoDo hat die ersten Gehversuche erfolgreich gemacht, rund 120 Schülern aus vier Klassen einen Einblick ins Berufsleben gegeben. Während einige Jungs ganz selbstverständlich in der Schneiderei arbeiteten, scheuten sich viele Mädchen nicht davor, in der Metallwerkstatt Hand anzulegen. Und legten dabei mitunter mehr Akribie an den Tag als ihre männlichen Kollegen.

Im kommenden Schuljahr geht das Projekt weiter. Nicht nur mit weiteren Betrieben, sondern auch mit einem zusätzlichen Tätigkeitsfeld in der Schule: „Dann nehmen wir Mediengestaltung als siebten Bereich dazu und machen eine Webseite über das BoDo-Projekt“, berichtete Lehrerin Kristina Kalus.

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