Ein großer Hammer richtet das Gröbste

Beim Stockcar-Rennen legen Teilnehmer sich gegenseitig aufs Dach

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Dreckig, laut, spaßig: Das Stockcar-Rennen begeisterte Fahrer und Zuschauer.

Martfeld - Von Nala Harries. Motoren heulen auf, Dreck wirbelt durch die Luft, Reifen quietschen, und Autos kommen ramponiert und dampfend zum Stehen. Die Zuschauer jubeln, wenn sich wieder ein Wagen überschlägt. Beim Stockcar-Rennen in Martfeld geht es richtig zur Sache.

Am Samstag und Sonntag trafen sich rund 50 Fahrer der Interessengemeinschaft Nordwest (IGNW) auf einem Feld am Tuschendorfer Weg, um sich gegenseitig aufs Dach zu legen. Sie kamen unter anderem aus Paderborn, Kassel, Minden und Nienburg zu dem ungewöhnlichen Rennen. Auf der rund 500 Meter langen Strecke rasten die Stockcars (alte, umgebaute Autos) durch den Dreck.

Wichtigstes Werkzeug: ein großer Hammer

Für Laien mögen solche Rennen gefährlich anmuten, für Mathias Banehr hingegen bedeuten sie Freude pur. Er gehört zum „Outsider’s“-Team, das die Veranstaltung ausgerichtet hat. Erstmalig fand sie am Wochenende in Martfeld statt, in den vergangenen Jahren war Sittensen Schauplatz des zweiten Laufs zur nordwestdeutschen Meisterschaft gewesen.

„Stockcar-Fahren ist ein Taktiksport“, erklärte Banehr am Sonntag. Es gibt fünf Punkte für eine gefahrene Runde. Wenn man ein anderes Auto zu einer 90-Grad-Drehung bringt, kassiert man dafür zehn Punkte; und die höchste Punktzahl (30) wird erreicht, wenn man jemanden aufs Dach legt. Zusätzlich müssen die Fahrer aufpassen, dass ihr Stockcar heil genug bleibt, um damit weiter fahren zu können.

Wenn es zu einer Kollision mit Schaden kommt, werden die umgebauten Gebrauchtwagen in den Innenkreis der ovalen Rennstrecke gebracht und dort so schnell wie möglich von den anderen Mitgliedern des Fahrer-Teams wieder instand gesetzt. „Das Wichtigste ist ein großer Hammer, damit bekommt man eigentlich immer das Gröbste hin“, sagte Stockcar-Fan Banehr lachend.

Oftmals werden bei einem Lauf Reifen und Antriebswellen durch die Angriffe der Konkurrenz beschädigt, deshalb sind auch immer viele Ersatzteile nötig. „Daher ist es sinnvoll, sich einen Gebrauchtwagen auszusuchen, den man an jeder Ecke bekommt, wie einen Opel Astra, einen VW Golf oder einen Opel Tigra“, erklärte Banehr.

Oft werden die Autos bei den Rennen beschädigt und gleich vor Ort repariert.

Der 43-Jährige nimmt seit 2008 an Stockcar-Rennen teil. Zuvor war er oft als Helfer dabei gewesen. Irgendwann bot ihm dann jemand günstig ein Auto an. „Mein Stiefsohn hatte eh schon Blut geleckt, und ab dem Zeitpunkt ging es dann auch für mich auf die Rennstrecke“, sagte Banehr.

Er fährt auch in diesem Jahr in der dritten Klasse der IGNW-Meisterschaft mit. Am Sonntagmorgen erwischte es den Motor seines Autos. „Das ist eben das Risiko, dann sind einfach mal 1 500 Euro weg“, sagte er.

Das Rennen in Martfeld war in vier Klassen eingeteilt. Drei davon waren für Erwachsene ausgelegt, in der Juniorenklasse durften Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren – ohne Führerschein, aber mit Erlaubnis der Eltern – mitfahren. Dabei waren rund zehn Mädchen und Jungen.

Spannender Rennsport für 400 Gäste

Die „Outsider’s“ hatten rund 800 Besucher am Wochenende erwartet. Vermutlich aufgrund des schlechten Wetters kamen jedoch nur um die 400 Gäste. Ihnen wurde neben dem spannenden Rennsport noch einiges mehr geboten. Sowohl ein Festzelt als auch ein Bierwagen, ein Süßigkeitenstand, ein Eiswagen und eine Pommesbude standen bereit. Sogar „Stockcar-Taxis“ gab es: Die Zuschauer hatten die Möglichkeit, einmal selbst mitzufahren. Dafür wurde in einige Rennwagen extra ein zweiter Sitz eingebaut.

Stock-Car-Rennen in Martfeld

Rund um die Rennstrecke hatten die Teams ihre Lager aufgeschlagen. Da die meisten von ihnen einen weiten Anfahrtsweg hatten, übernachteten sie in Zelten und Wohnmobilen. In der Mittagspause grillten viele, um sich für den nächsten Durchgang zu stärken. Nebenbei reparierten die Teams ihre Stockcars und tauschten kaputte Teile aus.

Zu den Teilnehmern gehörte auch Olaf Riechmann. Er ist „der alte Hase“ in der Szene. „1984 habe ich mit 17 Jahren angefangen“, erklärte der 50-Jährige. Neben Riechmanns Zelt stand sein umgebauter Ford Canada. Ein Jahr Arbeit und eine Summe im vierstelligen Bereich stecken in dem Wagen. Als Riechmann mit dem Motorsport anfing, war es nach seinen Angaben noch nicht so aufwendig, ein Auto für ein Rennen herzurichten. Heute gebe es ein strenges Sicherheitsreglement. So sei ein stabiles Käfigrohr einzubauen, damit dem Fahrer bei einem Überschlag nichts passieren könne. „Stockcar ist einfach nur purer Spaß“, sagte Riechmann. „Der Zusammenhalt ist enorm. Wenn man zum Beispiel gerade nicht das passende Ersatzteil dabei hat, geht man einfach zu den anderen, und die helfen einem garantiert.“

Die Sieger

Bei der Siegerehrung am Sonntagabend erhielten die drei besten Fahrer aus jeder Klasse jeweils einen Pokal: 

  • Erste Klasse (bis 1 500 ccm Hubraum): 1. Platz: Hubert Popp 2. Platz: Patrick Dey 3. Platz: Jan-Ole Asch 
  • Zweite Klasse (bis 2 000 ccm Hubraum): 1. Platz: Maik Hormann 2. Platz: Frank Rothermund 3. Platz: Tobias Lisstenheiden 
  • Dritte Klasse (keine Hubraumbegrenzung): 1. Platz: Sebastian Lüter 2. Platz: Tizian Hildebrand 3. Platz: Olaf Riechmann 
  • Vierte Klasse (Junioren, bis 1 500 ccm Hubraum): 1. Platz: Marvin Kuhlmann 2. Platz: Justin Heckert 3. Platz: Hause Plumhoff

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