Neues Testament beeinflusst die Künstlerin Karin Rosenbaum

„Bauweise der deutschen Kirchen hat mir imponiert“

Karin Rosenbaum verarbeitet in ihren Objekten oft Geschichten aus dem Neuen Testament. Hier zeigt sie ihr neuestes Werk „Abendmahl“. - Foto: Dagmar Voss

Br.-Vilsen - Von Dagmar Voss. Vom heißen Brasilien verschlug es Karin Rosenbaum vor 17 Jahren ins kühle Norddeutschland. Was jedoch ihrem Schaffen als Bildhauerin und Grafikerin keinen Abbruch tat, ganz im Gegenteil, so kam sie ihrem großen Vorbild etwas näher. Denn in ihrer Arbeit haben die Werke großer Ägypter, die von Michelangelo und Auguste Rodin, von Camille Claudel und Tilmann Riemenschneider sie zwar fasziniert. „Aber“, so erklärt die Kunstschaffende, „einer hat mich besonders tief beeindruckt, ein etwas trockener hölzerner Norddeutscher: Ernst Barlach – denn er hatte etwas zu sagen, was die Zeit überdauert und immer aktuell ist.“

Seine Formensprache, seine aufs Wesentliche reduzierte, ästhetisch interessante Symbolsprache fand sie einzigartig.

Zunächst jedoch – vor etwa 40 Jahren – schloss Rosenbaum in Novo Hamburgo in ihrer südamerikanischen Heimat ihr Kunststudium ab und machte sich als freischaffende Bildhauerin und Grafikerin einen Namen. Zu ihrem Kunststudium gesellte sich bald der Abschluss als Kunstpädagogin; danach arbeitete sie lange in einem brasilianischen Sozialprojekt.

Nach ihrem Umzug mit Familie nach Bassum-Nordwohlde arbeitete sie in ihrem dortigen Atelier und nahm an verschiedenen Ausstellungen teil. Immer ist dabei ihr bevorzugter Werkstoff der brasilianische Seifenstein, den sie mit Holzwerkzeugen bearbeiten kann. „Das ist tolle Teamarbeit“, sagt sie, denn sie kann beim Schlagen genau hören, wohin es gehen soll.

Schöpfungen von ihr finden sich unter anderem im Erinnerungsgarten des Kinderhospizes Löwenherz in Syke und an der Altarwand der Nordwohlder Kirche. Dort befindet sich eine beeindruckend große Skulptur des Auferstandenen. „Mir hat die Bauweise der deutschen Kirchen sehr imponiert mit ihrer Ausrichtung nach Osten, zum Sonnenaufgang – da ist der Auferstandene doch viel richtiger als der Gekreuzigte“, sagt sie. Von der Symbolsprache des Neuen Testaments ist sie durchaus beeinflusst, in ihren meisten Objekten kehren Geschichten daraus wieder. So in dem neuesten Werk, „Abendmahl“, bei dem ihr vor allem die Sprache der Gesichter wichtig ist.

Seit Februar 2015 lebt und arbeitet Rosenbaum in Bruchhausen-Vilsen. Hier hat sie mit ihrem Mann eines der ältesten Häuser jahrelang renoviert und restauriert, und hier verbindet sie wieder Profession und Passion in ihrem neuen Atelier oder wahlweise im Garten.

Dahin lädt sie auch Kunst-interessierte ein, bei ihren beiden Teilen der Sommerakademie mitzumachen: „Es soll vom Ton zum Stein gearbeitet werden – im weichen Ton findet man erstmal die eigene Ausdruckskraft und Kreativität, das Auge übt die Dreidimensionalität.“ Das gilt für den ersten Part, der vom 30. Juni bis 5. August immer donnerstags von 16 bis 18.15 Uhr stattfindet. Der zweite Teil mit Steinbearbeitung schließt sich an vom 1. September bis 27. Oktober; Werkstoff und Werkzeug sind vorhanden. Interessierte können sich unter Telefon 04252/7689105 anmelden.

www.kunstundkirche-kr.de

Unsere Serie

In unserer Serie porträtieren wir einheimische Kunstschaffende. Dazu gehören neben Malern auch einige Bildhauer und Fotografen. Wir fragen die Künstler, was sie bewegt und wie sich ihr Leben mit der Kunst gestaltet.

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