Alternativen in der Krise

Ansturm im Baumarkt: Privatpersonen nutzen Außer-Haus-Verkauf

Verkäuferin übergibt Kunden, beide mit Mundschutz, Baumarkt-Ware auf dem Parkplatz
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Die Übergabe der Bestellungen erfolgt an der Tür oder auf dem Parkplatz. Besonders beliebt sind aktuell Materialien wie Tapeten und Farben.

Br.-Vilsen – „Wir mussten auf unsere geplante große Urlaubsreise verzichten, dafür renovieren wir jetzt zu Hause“, erzählt Katja Stein, die Tapeten, Kleister, Pinsel und Farbe im Kofferraum verstaut. Sie war gerade einkaufen. Einsammeln, die etwas ungelenke Übersetzung des englischen Begriffs „collect“, trifft es besser. Denn als Privatperson steht sie im Baumarkt jetzt ebenso vor verschlossenen Türen wie all die anderen, die ihre corona-bedingte Freizeit daheim fürs Heimwerken nutzen möchten. „Click & Collect“, online bestellen und möglichst kontaktarm abholen, ist eine Möglichkeit, die der Gesetzgeber mitten im Lockdown zulässt.

  • Durch den Lockdown stehen Privatpersonen im Baumarkt vor verschlossenen Türen.
  • Viele Baumärkte haben ein System entwickelt, um Hobby-Heimwerker trotzdem bedienen zu können.
  • Der Baumarkt Bruchhausen-Vilsen bietet Privatpersonen das „Click & Collect“-System an.

Etwa 50 Privatkunden nutzen diese Hintertür Tag für Tag, im übertragenen wie im wörtlichen Sinn, denn der Baumarkt in Bruchhausen-Vilsen bedient seine Kunden nur durch einen Seiteneingang. Zutritt haben neben Mitarbeitern nur Gewerbekunden, die sich als solche auch ausweisen können, schildert Geschäftsführer Nils Ulrich das vorgeschriebene Prozedere.

Damit greift er auf eine Idee zurück, die sich bereits im ersten Lockdown vor bald einem Jahr bewährt hatte. Weil der Außer-Haus-Verkauf so rege angenommen wurde, habe er seine Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit schicken müssen, nennt er einen wesentlichen Vorteil aus seiner Perspektive als Arbeitgeber. Die Krise macht auch die Branche erfinderisch, denn „natürlich haben wir mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen“, so Ulrich. Das „Click & Collect“-Konzept könne die nicht wettmachen.

„Im Vergleich zum Frühling nehmen jetzt sogar noch mehr Kunden unser Angebot in Anspruch“, beobachte er. Während des ersten Lockdowns sei vielen kontaktloses Einkaufen noch fremd gewesen.

Außer-Haus-Verkauf im Baumarkt: Beratung über das Telefon - Mitarbeiter stellen Material zusammen

Mittlerweile nutzten die meisten Kunden das Bestellformular im Internet, sagt er. Für diejenigen, die mit Online-Bestellungen weniger vertraut sind, sind die Mitarbeiter am Telefon zu erreichen. „Hier im Markt lassen sich die Leute ja auch beraten, welches Material für ihr Vorhaben geeignet ist. Diese Unterstützung versuchen wir, auch am Telefon zu leisten“, beschreibt Ulrich die ungewohnte Art des Einkaufens. Wenn Worte gar nicht weiterhelfen, lassen sich die Mitarbeiter auch schon einmal ein Foto vom Projekt des Kunden schicken. „Die meisten haben ja ein Smartphone, das macht die Sache einfach“, meint Nils Ulrich.

Ist die Bestellung eingegangen, schlüpfen die Baumarkt-Mitarbeiter in die Rolle des Kunden und schieben einen Einkaufswagen durchs große Haus. Gefüllt mit dem, was das Heimwerkerherz beglückt, wartet der Wagen am Ausgang, bis der Kunde die Ware zum verabredeten Zeitpunkt an der Tür abholt.

„Das sind sowohl große als auch kleine Bestellungen. Manchmal geht es auch nur um Klebeband“, berichtet der Geschäftsführer. Die größte Nachfrage gebe es aber nach Wandfarben. Die Bezahlung erfolgt dann ebenfalls draußen vor der Tür: Dafür gibt es ein mobiles Kartenlesegerät.

Außer-Haus-Verkauf im Baumarkt: Transporter oder Lkw bringt Bestellung bis vor die Haustür

Trotz Umsatzeinbußen habe er mitten in der Krise investiert, führt Ulrich aus. Einen Lieferservice habe er immer schon angeboten, aber niemand sei bisher auf den Gedanken gekommen, sich drei Eimer Farbe nach Hause bringen zu lassen. Jetzt aber sei auch das möglich. Um dafür nicht den hauseigenen Lkw losschicken zu müssen, gebe es nun einen Transporter, der kleinere Lieferungen bis zur Haustür bringen könne.

„Wenn ich mehr als die paar Kleinigkeiten gebraucht hätte, hätte ich mir das mit der Lieferung auch überlegt“, sagt Kundin Katja Stein. Sie sei froh, dass ihre Renovierung nicht daran scheitere, weil etwas Wandfarbe fehle. Wenn alles wieder „normal“ sei, würde sie den Einkauf im Baumarkt der Online-Bestellung jedoch vorziehen.

„Ich gucke immer auch bei den Blumen und nehme meistens einige Pflanzen mit. Die würde ich nicht im Katalog aussuchen wollen“, sagt sie. Und steht mit dieser Ansicht nicht allein da. „Dekoartikel oder Produkte aus dem Bereich ,Kreatives‘ werden derzeit nicht gekauft“, sagt Nils Ulrich.

Der Lieferservice werde weiterhin zum Service seiner Firma gehören, das Außer-Haus-System aber werde nach der Pandemie „in dieser Form wohl nicht weiter bestehen“, sagt Nils Ulrich über die Zeit nach Corona. Wann immer das sein mag.

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