Corona sorgt für mehr Müll

AWG beobachtet illegale Entsorgung / Mehr Betrieb beim Mini-Wertstoffhof

Parkstreifen für Lkw mit Abfalltonne
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Dank neuem Entsorgungskonzept picobello sauber: Der Parkstreifen an der Bundesstraße.

Samtgemeinde – In den meisten Haushalten dürften seit Wochen schon mehr Päckchen und Pakete angeliefert werden als vor dem Lockdown üblich. Dass beim Aus- und anschließenden Wegpacken etwas vom Füllmaterial zurückbleibt, kann vorkommen. Ein Stückchen Styropor, ein Fitzelchen Plastik im Altpapier gehören dort nicht hin, stören die Idee des Wiederverwertens aber nicht grundsätzlich.

Eine Hängerladung Styroporplatten im öffentlichen Altpapiercontainer aber kann wohl kein Versehen sein. „Das ist eine Frechheit den Vereinen gegenüber“, kommentiert Matthias Kühnling von der Abfallwirtschaftgesellschaft (AWG) das, was am Samstag in Asendorf vorgefallen ist (wir berichteten).

Störstoffe nennt der Fachmann alles, was in der falschen Tonne landet und beim Recycling mühsam gefiltert werden muss, um den eigentlichen Rohstoff erneut zu verwerten.

„Will man neues Papier aus altem herstellen, sollte das möglichst rein sein“, erklärt er. Sonst würden zusätzliche Arbeitsschritte nötig, denn die störenden Materialien müssen entfernt werden. „Das erhöht dann die Kosten“, macht er eine einfache Rechnung auf.

Und zwar nicht nur für Papier. Der Inhalt gebrauchter Windeln mag mit Bio im Entferntesten etwas zu tun haben, in die Biotonne gehören sie aber nicht. „Nicht einmal kompostierbare Tüten sollen in die braune Tonne“, klärt der Pressesprecher der AWG auf. Die Sortenreinheit der Rohstoffe sei für deren erneute Verwertung entscheidend, sagt Matthias Kühnling.

Dass jemand seinen Müll loswerden will, ohne Aufwand und Kosten zu haben, ist für den AWG-Mitarbeiter nichts Neues. Gedanklich muss er vom Asendorfer Papiercontainer nur ein paar Kilometer weiter reisen, um von Problemen vor der sprichwörtlich eigenen Haustür berichten zu können. In Bruchhausen-Vilsen betreibt die AWG einen Mini-Wertstoffhof. Zweimal pro Woche ist dort geöffnet.

Einigen reichen die Zeiten offenbar nicht aus. Mehrmals die Woche steht Müll ans verschlossene Tor gelehnt. Vieles davon gehört nicht einmal in die Container dieser Sammelstelle. „Das ist ein absolutes Ärgernis“, kommentiert Kühnling. Die Mitarbeiter müssten es vom Zaun wegschaffen, der AWG entstünde Aufwand, den Sperrmüll oder Metallschrott nach Bassum zu schaffen. „Unverantwortlich gegenüber Mensch und Umwelt“, bewertet Matthias Kühnling dieses Verhalten, das er „rücksichtslos“ nennt.

An allen Standorten entferne die AWG solche Hinterlassenschaften umgehend. „Sonst kommt es zu einem Folge-Effekt“, weiß der Experte: Innerhalb kürzester Zeit sammele sich weiterer Müll an solchen unerlaubten Ablageplätzen.

Ein trauriges Paradebeispiel dafür lieferten lange die Lkw-Parkplätze zwischen Kreuzkrug und Puvogel an der B 6. Zu einem vollen Müllbehälter gesellte sich ruckzuck Hausmüll aller Art. Die zuständige Straßenverwaltung tauschte die großen Behälter gegen vergleichsweise kleine aus und lässt diese oft leeren – Verschmutzungen im größeren Umfang sind dort Geschichte.

„Irgendwer holt das schon ab“, müssten die Verschmutzer sich wohl denken, so Kühnling. Auch Altglas-Container seien Orte, an denen sich vieles finde, was mit Glas nichts zu tun habe. Dort setze die AWG ähnlich wie beim Altpapier auf die Unterstützung der Vereine. Für ein Entgelt kontrollieren diese regelmäßig, dass sich dort kein Unrat sammelt.

„Das läuft ganz gut“, sagt Stefan Frey, Vorsitzender des Schützenvereins Bruchhausen-Vilsen. Sein Verein hat die Patenschaft für drei Altglasbehälter übernommen. Unzulässiger Müll drumherum halte sich in Grenzen, meint er. Die Altpapiersammlungen, die der Verein alle drei Monate durchführe, seien mit mehr Ärger verbunden. „Da landen Sachen, die nicht im Entferntesten etwas mit Altpapier zu tun haben“, weiß er zu berichten. Welche Summe der Verein für die Sammlung erhalte, wolle er nicht nennen. Sie reiche aber, um den Ärger runterzuschlucken. „Wir sammeln weiter, auch wenn wir gerade wieder drei Säcke voll Müll aussortieren mussten. Wir brauchen dieses Geld.“

Doch zurück zur Abfallwirtschaft. „Seit der Pandemie werden die Wertstoffhöfe mehr genutzt als im Jahr davor“, sagt Matthias Kühnling zum Verhalten der Bürger.

Der Abfallentsorger bemerke deutlich, dass die Menschen mehr Zeit daheim verbringen. In den Haushalten falle jetzt mehr Abfall an. „Die privaten Behälter sind seit Corona voller“, meint er. Die Menschen renovieren, misten aus, essen Fastfood, stellen die Entsorger fest.

Ja, sie gucken sich den Dreck ihrer Kunden durchaus näher an. Die Fahrzeuge seien mit Kameras ausgestattet, die beim Entleeren der Tonne einen Blick auf deren Inhalt möglich macht. „Wir kontrollieren stichprobenartig“, sagt Kühnling. Die Fahrer würden Tonnen mit allzu falschem Inhalt auch stehenlassen. „Die Kollegen in den Fahrzeugen wissen, wo es wiederholt Auffälligkeiten gibt.“

Im Winter würden vor allem die Biotonnen zweckentfremdet. Es fallen weniger Gartenabfälle an, in der Tonne ist vermeintlich Platz. „Der Fremdstoffanteil ist deutlich höher und visuell wahrnehmbar“, so Kühnling.

Im eigenen Interesse, aus gegebenem Anlass aber auch im Namen der Vereine, appelliert Matthias Kühnling in Sachen Abfallentsorgung an das Verantwortungsgefühl der Menschen. Bei groben Verstößen werde durchaus versucht, den Verursacher ausfindig zu machen. „Das melden wir dann den Ordnungsbehörden“, kündigt er an.

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