„Wir dürfen nicht weggucken!“

Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ eröffnet

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Die Band „1922“

Br.-Vilsen - 18, 28, 88 – auf den ersten Blick sind das einfach nur Ziffern. Dass es sich dabei jedoch um Zahlencodes von Rechtsextremisten handelt, machte Martin Göske am Mittwochabend bei der Eröffnung der Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ deutlich.

18: Der Code steht für die Buchstaben A und H im Alphabet und somit für Adolf Hitler. 88: Die 8 steht für den Buchstaben H im Alphabet und somit für „Heil Hitler“. 28: Seit dem Verbot der rechtsextremen Organisation „Blood & Honour“ wird die 28 als Synonym für „B&H“ verwendet.

Den „typischen Nazi“ gebe es nicht mehr. Früher zeichneten sie sich durch Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln und eine Lonsdale-Jacke aus, heute tragen sie Kleidung anderer Marken, Tattoos, Piercings, Aufnäher oder Jutebeutel. Und nutzen eben auch die oben genannten Codes
Bei seinem Vortrag definiert Martin Göske von der „mobilen Beratung Niedersachsen gegen Rechtsextremismus für Demokratie“ nicht nur den Begriff Rechtsextremismus, sondern gibt Einblicke in Mode, Musik und Verbindungen innerhalb verschiedener Gruppierungen. Besonders hebt er dabei die Band „Kategorie C“ aus Bremen hervor. „Deren Fußball-bleibt-Fußball-Attitüde ist nur Maskerade“, sagt Göske.

„Ignorieren ist vollkommener Quatsch."

Zudem gibt er den Anwesenden mit auf den Weg, wie sie auf Rechtsextremismus reagieren sollten: „Ignorieren ist vollkommener Quatsch. Sucht euch Unterstützung im eigenen Umfeld. Es ist wichtig, dass ihr der Ideologie widersprecht.“ Daneben macht Göske klar: „Seit 2015 ist ein starker Anstieg an Straftaten politisch motivierter Kriminalität zu beobachten“ Und weiter: „Das macht Prävention so notwendig.“

Sophia Michaelis

Daran knüpft auch Sophia Michaelis vom Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung, die die Ausstellung zur Verfügung stellt, an: Das Engagement der Schule sei sehr groß. „Besonders in Zeiten, wo man das Gefühl hat, dass das rechtsextreme Gedankengut in der Gesellschaft angekommen ist“, sei die politische Bildungsarbeit enorm wichtig – auch in der Schule. Denn: Die rechtsextremen Gruppierungen suchen ihren Nachwuchs bei den Jüngeren. „Die bieten tolle Sachen an – vegane Kochveranstaltungen, Familienfeste mit Hüpfburgen, schicke CDs“, mahnt sie und appelliert, sich für eine bunte Gesellschaft und die Demokratie einzusetzen.

Ausstellung soll ein Zeichen setzen

Navid

„Die tagtäglichen Meldungen über Fremdenfeindlichkeit bestärken uns in dieser Themenwahl“, sagt Schulleiter Reinhard Heinrichs mit Blick auf das Motto des heutigen Frühlingsfests: „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“. Auch zeige das große Interesse an der Eröffnungsveranstaltung die Bedeutung des Themas. „Wir dürfen nicht weggucken!“

Der Meinung ist auch Landtagsabgeordnete Luzia Moldenhauer (SPD). „Wenn sich in unserer Demokratie eine solche Fremdenfeindlichkeit entwickeln kann, müssen wir dagegen wirken.“ Sie spricht von einer Spaltung in der Gesellschaft. „Auf einer Seite ist Wut, Hass, Aggression; auf der anderen Seite Ratlosigkeit.“ Bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus müsse ein Schwerpunkt auch auf der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liegen. „Ich habe das Gefühl, dass hier in Bruchhausen-Vilsen keine Ratlosigkeit herrscht.“

Martin Göske

Den Stein ins Rollen gebracht hat die Arbeitsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus“, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung ausspricht – und mit der Ausstellung am Gymnasium ein Zeichen setzt. 

vik

Zu sehen ist die Ausstellung montags bis freitags in der Schulzeit. Interessierte melden sich an bei Tim Schöning unter Telefon 04252/9090120 oder per E-Mail an tim.schoening@gym-brui.wwschool.de

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