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Kein Ärztehaus am Bahnhof in Bruchhausen-Vilsen

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Von: Anne-Katrin Schwarze

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Zwei Männer mit Bauplan vor Wiese
„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, verkündeten Flecken-Bürgermeister Lars Bierfischer (links) und Gemeindedirektor Bernd Bormann Ende August 2021. © Anne-Katrin Schwarze

Br.-Vilsen – „Ja, das Ärztehaus ist gestorben“, bestätigt Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann eine Anfrage der Kreiszeitung. Jedenfalls in der geplanten Form am geplanten Standort. „Das ist ärgerlich. Sehr ärgerlich“, kommentiert er eine Entwicklung, die für ihn nicht abzusehen gewesen sei. Unerwartet stehe das Grundstück an der Straße „Am Gaswerk“ nicht mehr zur Verfügung.

„Ich war davon ausgegangen, dass wir uns mit dem Verkäufer verbindlich auf einen Preis geeinigt hatten. Nach diesen, aus unserer Sicht abschließenden Verhandlungen, hat er den Preis aber um 25 Prozent erhöht“, nennt er die Ursache für eine Kettenreaktion, die mit dem Ärztehaus auch die Pläne für künftige ärztliche Versorgung in der Samtgemeinde ins Wanken bringt.

Der Investor nämlich trägt diese neuen Forderungen nicht mit. „Der Preis war ohnehin schon hoch“, sagt Gehde Meyer, Geschäftsführer der Kuhlmann-Unternehmensgruppe aus Wiefelstede. Aufgrund der Umstände habe die ortansansässige Augenarztpraxis entschieden, dauerhaft in ihren Räumen in Broksen zu bleiben und das Interesse an einem Umzug zurückgezogen, so Bormann.

Die Umstände. Das seien auch Corona und der Krieg, so Meyer. Ausführen möchte er ausdrücklich nicht, welche Folgen diese Stichworte für ihn haben. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Bedingungen für den Investor jetzt erschwert sind“, sagt Bormann zur Entscheidung der Unternehmensgruppe.

Den Begriff „Investor“ will Gehde Meyer in Bezug auf Bruchhausen-Vilsen nicht stehen lassen, richtig sei „vorläufiger Interessent“. Interesse am Bau eines Ärztehauses habe das Unternehmen auch weiterhin. Allerdings in der Konzeption mit mehr als einem Arzt, mit Apotheke und Hörakustiker. Wenn die Verwaltung „die richtigen Akteure“ beisammen habe, „sind wir wieder da“, meint Meyer. Er kritisiert, dass das Projekt zu früh zu viel Öffentlichkeit hatte. „Das hat es kaputt gemacht“, meint er. Dass sich „mit einer neuen Generation an Ärzten“ wieder etwas entwickeln könne, schließe er nicht aus. „Das köchelt noch“, so seine Wahrnehmung.

Diesen Optimismus teilt Bernd Bormann nicht. Mit Dr. Nils Teucher und seiner Frau Anke hatte so eine „neue Generation“ in Bruchhausen-Vilsen gerade Fuß gefasst. Die Praxisgemeinschaft, zu der auch Thomas Luley und der frühere Eigentümer Dr. Frank Pellmann gehören, gibt sich als potenzieller Hauptmieter eines Ärztehauses zu erkennen. Die vier wollen die hausärztliche Versorgung in der Samtgemeinde wesentlich und langfristig sicherstellen. In Bruchhausen-Vilsen eine solche Perspektive zu haben, sei ein wesentlicher Grund für die vorher in Göttingen tätigen Teuchers gewesen, sich im Flecken niederzulassen.

„Es ist schade, dass das nicht klappt“, sagt Nils Teucher zur Entwickung. Das Ärzthaus in zentraler Lage, gebaut von einem Investor, wäre aus seiner Sicht „eine leichte Lösung“ gewesen. An seinen Plänen ändere sich dadurch aber grundsätzlich nichts. „Wir sind optimistisch, dass sich für uns eine Lösung findet“, sagt er. Er stehe mit Bernd Bormann in regelmäßigem Kontakt darüber. Denn am Standort Bruchhausen-Vilsen gebe es für ihn nichts zu rütteln.

Die jetzigen Räume an der Feldstraße seien für eine Entwicklung, wie sie ihm vorschwebe, jedoch zu klein. Unter ganz anderen Voraussetzungen in den 80er-Jahren für einen Arzt konzipiert, komme die neue Berufsausübungsgemeinschaft heute vor allem an räumliche Grenzen. Dass im nahen Umkreis drei Hausärzte in den Ruhestand gegangen sind, ohne ihre Praxis an einen Nachfolger übergeben zu können, vergrößere den Patientenstamm ebenso wie der wachsende Ort. Auch die in der Samtgemeinde untergebrachten Flüchtlinge konsultieren die Ärzte an der Feldstraße, die sich zudem frühzeitig bereiterklärt hatten, Menschen gegen das Corona-Virus zu impfen. Gemeinsam mit Thomas Luley und Frank Pellmann sind Teuchers personell zwar gut aufgestellt, parallel können die vier Ärzte in der Praxis jedoch nicht arbeiten. Neue, vor allem größere Räume sollen einen modernen Praxisbetrieb gewährleisten, wünschen sich Teuchers.

„Das Ärztehaus wäre ein Leuchtturmprojekt gewesen“, so Bormann. Kaum eine Rats- oder Ausschusssitzung vergeht, ohne dass die Sprache auf die ärztliche Versorgung kommt. Bernd Bormann ließ bisher keine Gelegenheit aus, das geplante Ärztehaus als wesentlichen Schritt der Daseinsvorsorge zu bezeichnen. „Wir werden ausreichend Hausärzte für die bald 18000 Einwohner der Samtgemeinde haben“, gibt er sich weiter zuversichtlich, erinnert jedoch daran, dass es nicht Aufgabe der Kommune sei, dies zu gewährleisten, denn „dafür ist die Kässenärztliche Vereinigung zuständig“. „Das Thema ist uns aber wichtig, wir sind dran“, versichert er. „Wo sich weitere Ärzte niederlassen, ist dabei zweitranging“, ergänzt er jetzt deutlicher als bisher.

In Bruchhausen-Vilsen sollten auf der Brache zwischen dem Netto- und dem Raiffeisen-Markt in der Nähe zum Busbahnhof ein dreigeschossiges Praxisgebäude mit einer Nutzfläche von 1 500 Quadratmetern sowie zwei Wohnblocks mit je sechs Einheiten entstehen. Als Baubeginn hielt Bürgermeister Lars Bierfischer (SPD) bei der Vorstellung der Pläne im vergangenen August das Frühjahr 2022 für realistisch. Die Inbetriebnahme hätte etwa ein Jahr später erfolgen können.

Jetzt aber bleibt die Wiese eine Wiese. „Das ist sehr bedauerlich. Für alle“, sagt Bernd Bormann.

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