Ex-Schwarmerin berichtet

Wie aufregend, die „Rallye Dresden-Dakar-Banjul“

Birgit Bartsch ist 7 000 Kilometer durch die Wüste gefahren. Einen Vortrag über ihre Erlebnisse hält sie am Sonntag in Schwarme.

Schwarme - Birgit Bartsch hat eine aufregende Zeit hinter sich. 7 000 Kilometer fuhr sie im März durch die afrikanische Wüste, über Stock und Stein, durch tiefe Sandfurchen und über Huckelpisten. Dabei mussten sie und ihre Begleiterin Svea Gustafsen auch schon mal auf Dusche und Toilette verzichten.

„Dafür hatten wir einen wunderbaren Sternenhimmel und eine super Gemeinschaft“, erzählt die ehemalige Schwarmerin Birgit Bartsch. Am Sonntag, 19. November, hält sie in Schwarme einen Vortrag über ihre abenteuerlichen Erlebnisse bei der dreiwöchigen „Charity-Rallye Dresden-Dakar-Banjul“. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr in Robberts Huus, Hoyaer Straße 2.

Warum fährt jemand freiwillig so weit durch die Wüste? Diese Frage zu beantworten, fällt Bartsch leicht: „Um anderen Menschen zu helfen.“

Aber von vorn: Die Vorbereitungen begannen ein Jahr vor der vom Dresdner Verein „Breitengrad“ organisierten Rallye, im März 2016. Bartschs spätere Teamkollegin Svea Gustafsen wurde auf die Tour aufmerksam. „Da sie nicht allein fahren wollte und eine Abenteurerin suchte, fragte sie über eine gemeinsame Freundin bei mir an“, erzählt Bartsch, die in Schwarme aufgewachsen ist und heute im schleswig-holsteinischen Tornesch (Kreis Pinneberg) lebt. „Da waren dann einige Überlegungen nötig. Als selbst mein 82-jähriger Vater sagte ,Wenn nicht jetzt, wann dann?‘ und ich die freien Tage von meinem Chef genehmigt bekam, ging es los.“

Am Anfang stand die Fahrzeugsuche

Zuerst suchten die beiden Frauen nach einem Fahrzeug. „Wir hatten Glück. Die Stadtwerke aus Barmstedt wollten einen Wagen ausgliedern, und den konnten wir umsonst bekommen“, sagt Bartsch. „Liebevoll haben wir ihn ,Silberpfeil‘ genannt. Dieser Wagen wurde am Ende der Rallye in Gambia versteigert.“

Doch vorher war noch viel zu tun. Die Abenteuerinnen mussten das Fahrzeug ausbauen, um darin übernachten zu können. Außerdem galt es, Sponsorengelder zu sammeln, um Visa, Benzin und Impfungen finanzieren und in Gambia etwas spenden zu können.

Dann war es so weit: Die beiden machten sich auf den Weg, um in Südmarokko die anderen Teilnehmer zu treffen. Die Anreiseroute konnten alle Teams frei wählen. Bartsch und Gustafsen fuhren zunächst durch Deutschland Richtung Frankreich. „Leider wollte unser ,Silberpfeil‘ nicht gleich an die Atlantikküste“, berichtet Bartsch. „Er ließ uns 60 Kilometer hinter Paris im Stich. Die Wasserpumpe und die Servolenkung waren kaputt. Das hat uns fünf Tage gekostet. Die folgenden Tage mussten wir mindestens immer 700 Kilometer fahren. Unsere Mitfahrer bei der Rallye waren schon längst über alle Berge, nämlich in Afrika.“

Eingetaucht in eine andere Welt

Die Frauen gelangten schließlich per Auto durch Spanien und mit der Fähre nach Marokko. „Wir haben die Meute noch vor der Einfahrt nach Mauretanien eingeholt“, sagt Bartsch. „Allein wären wir dort nicht ins Land gekommen.“ Mauretanien bezeichnet sie als eine „andere Welt, ein armes Land mit traurigen Menschen und Dreck“.

Zwei Tage später ging es für die gut 100 Teilnehmer der Rallye in die Wüste. „Vier Tage haben wir dort ohne Annehmlichkeiten gelebt. Aber auch die Zeit ging vorbei“, erzählt die Ex-Schwarmerin.

Nach der Fahrt durch die Wüste gab es einen „Verschnauftag“, bevor der Senegal die nächste Station war. „Dafür musste aber erst der Damm, eine Straße wie ein Waschbrett, bewältigt werden. Das hat so manchem Fahrzeug das Genick gebrochen“, sagt Bartsch. „Aber dank der reperaturfreudigen Männer kam jedes Fahrzeug wieder in Schwung.“ Im Senegal hatten die Abenteurer auch einen freien Tag – zum Einkaufen, Waschen oder um die Stadt St. Louis anzuschauen.

Autos für den guten Zweck versteigert

Dann kam das Rallye-Ende in Sicht, die Teilnehmer fuhren nach Banjul in Gambia. Am Ziel warteten Mitarbeiter der „Dresden-Banjul-Organisation“ (DBO) auf die Teams. An den folgenden Tagen wurden die Wagen ausgepackt, umgebaut und gesäubert, denn die schon lange ersehnte Versteigerung sollte bald stattfinden, erklärt Bartsch. Jedes Auto wurde für den guten Zweck versteigert. 

Die diesjährige Rallye hat laut Bartsch den höchsten Betrag seit elf Jahren erzielt: 100.000 Euro. Das Geld verwendet die DBO, um von ihr in Gambia aufgebaute Krankenhäuser, Schulen und Integrations-Kindergärten zu erneuern. Außerdem hat die Organisation bereits eine Tischlerei, eine Kfz-Werkstatt und eine Bäckerei gebaut, und sie organisiert die Müllabfuhr. Die Rallye findet zweimal im Jahr statt.

Bartsch bereut die aufregende Zeit nicht: „Es wird einem sooo viel zurückgegeben.“ Mehr erfahren ihre Zuhörer am Sonntag. Es gibt Kaffee und Kuchen.

mah

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