Experten beleuchten bei Vortrag die Geschichte des Klosters

Auch am Heiligenberg ging die Reformation nicht vorüber

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Der Hasseler Maler Henning Diers stellte sein Projekt „Bilder95Thesen“ vor.

Heiligenberg - Von Karin Neukirchen-Stratmann. Nur wenige Relikte aus den Zeiten des Prämonstratenserklosters am Heiligenberg sind erhalten. Die Erforschung der Geschichte ist entsprechend schwierig. Forsthaus-Chefin Adelheid Brüning freute sich am Mittwochabend im Forsthaus Heiligenberg in Bruchhausen-Vilsen, mit Hartmut Bösche und Professor Dr. Bernd Hucker gleich zwei Kenner der Historie begrüßen zu können.

„Wir wussten immer, dass dies ein geschichtsträchtiger Ort ist, aber die Zusammenhänge sind unbekannt“, sagte Brüning. Im Rahmen der Erforschung der Heimatgeschichte sei auch das Lutherjahr 2017 in den Fokus gerückt. „Nach der Reformation wurde ja alles abgerissen. Und so hatten wir die Idee, auch das Thema Reformation und die Bedeutung für den Heiligenberg näher zu beleuchten.“

So kam es zu dem Vortrag „Die Bedeutung der Reformation in der Grafschaft Hoya und für den Heiligenberg“ am Mittwoch. Nach viel Geschichte und vielen Zahlen war allerdings noch nicht Schluss: Der Künstler Henning Diers aus Hassel bereicherte den Abend mit seinem Projekt „Bilder95Thesen“.

Hartmut Bösche, der unlängst ein umfassendes Werk zur Reformation in Hoya und umzu veröffentlicht hat, beleuchtete die neuen Erkenntnisse zur ehemaligen Bibliothek des 1218 erstmals urkundlich erwähnten Klosters Heiligenberg. „Heute erinnern nur noch zwei Wassermühlen und ein Stein an das Kloster“, bedauerte Bösche. Bibliotheken („das Waffenarsenal der Geistlichen“) seien Quellen, aus denen man auch heute noch schöpfen könne, sofern sie denn erhalten sind. Genau da liegt das Problem, denn vom ehemaligen Kloster am Heiligenberg ist auch die Bibliothek, die es nach Aussage von Bösche dort gegeben hat, nicht mehr vorhanden. Es war eine kleine Hausbibliothek, fand er bei seinen umfangreichen Recherchen heraus.

Der Zufall kam Bösche dabei zu Hilfe. Er entdeckte bei seinen Nachforschungen im Hauptstaatsarchiv Hannover eine Pergamentseite, „die als Einband diente“. Es war, wie sich herausstellte, „ein Verzeichnis der Einkünfte des Klosters“. Weitere Recherchen brachten ein zweites Verzeichnis ans Tageslicht, einen Katalog der Bibliothek. Doch was geschah mit den Büchern?

Da kommt die Reformation ins Spiel. Denn das Kloster wurde durch den Hoyaer Grafen Jobst im Jahr 1543 zum Vorwerk des Amts Altbruchhausen. Einige Jahre später wurden die Reste des Klosters, auf Veranlassung des Grafen von Hoya, abgerissen, wie Hucker später erläuterte. „Im Hoyaer Schloss landeten die Bücher des Klosters bei Pastor Adrian Buchschott“, berichtete Bösche. Dieser teilte die Werke auf, „der Martfelder Pastor Heinrich Fehling bekam auch einige“.

Schrift zu Büchern der Bibliothek geplant

Detailliert ging Bösche auf einige der Bücher ein. Mehr dazu wird er im kommenden Jahr veröffentlichen, denn er plant die Herausgabe einer Schrift, um darin die Bücher der Bibliothek vorzustellen. „Damit lebt die alte Klosterwelt wieder auf“, sagte der Historiker.

Bernd Hucker von der Uni Vechta beleuchtete die Zeit der Reformation und erzählte dabei nicht nur aus dem Leben Luthers, sondern auch von der Situation in der Region. „Die weltlichen Herrscher hatten permanente Geldnöte, so auch Graf Jobst II.“ Für die Landesherren sei es daher reizvoll gewesen, die kirchlichen Einrichtungen zu säkularisieren. „1530 hat der letzte Abt, von dem Bussche, das Kloster Heiligenberg verlassen“, sagte Hucker. Von den Gebäuden war wenig später schon nichts mehr zu sehen, alle waren abgerissen worden.

Die Kirchenkunstaktion „Bilder95Thesen“ stellte anschließend der Hasseler Künstler Henning Diers vor. Wöchentlich erschafft er ein Kunstwerk zu je einer der 95 Thesen von Martin Luther, begonnen hat er Anfang 2016, mittlerweile ist er bei These 72. Der Künstler bezeichnete sich selber als „gläubigen Christen. Aber ich kannte die 95 Thesen nicht, genauso wie Theologen in meinem Umfeld.“ So entstand die Idee, zum Jubiläumsjahr der Reformation die Thesen visuell darzustellen. Am 29. Oktober sollen alle 95 Bilder in der Wecholder Kirche zu einem großen Gesamtkunstwerk zusammengesetzt werden. Vier Einzelbilder hatte Diers ins Forsthaus mitgebracht, er verlas dazu die Thesen.

Am Ende dankte Adelheid Brüning den Referenten und erklärte, dass die Einnahmen aus den Vorträgen zum Thema „Kloster Heiligenberg“ gesammelt und für ein Buchprojekt zur Geschichte des Heiligenbergs zur Verfügung gestellt werden sollen. Nicht ohne Anlass, denn im nächsten Jahr soll die 800-Jahr-Feier zur Gründung des Klosters begangen werden.

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