Asendorfer Rat will Jugendliche mit Schildern vertreiben / Kameras am Bahnhof?

Hitzige Diskussion über Zustände auf Spielplätzen

Asendorf - Von Mareike Hahn. Auf den drei Spielplätzen in Asendorf sollen Schilder in Zukunft verhindern, dass sich dort abends Jugendliche treffen, Alkohol trinken und randalieren. Das hat der Gemeinderat am Dienstagabend entschieden. Nur Joachim Dornbusch (Grüne) stimmte gegen den entsprechenden Antrag der SPD-Fraktion, seine Parteikollegin Sabine Voß enthielt sich. Dem Beschluss vorangegangen war eine hitzige Debatte über die Zustände auf den Spielplätzen und im Bahnhofsbereich.

„Mit Schildern die Nutzungszeit und das Alter der Nutzer einzugrenzen bedeutet wenig Aufwand“, sagte Nicole Uhde (SPD) zu Beginn der Diskussion. Das sei sicher nicht das Nonplusultra, aber ein Schritt in die richtige Richtung. „Die Kinder können derzeit nicht auf den Spielplätzen spielen, weil überall Scherben sind – die Jugendlichen schmeißen ihre Flaschen einfach weg. Da liegen Zigarettenkippen, die sich die Kinder in den Mund stecken können. Und es gibt Beschmierungen bis zum Hakenkreuz“, monierte Uhde.

Am Bahnhof bestünden ähnliche Probleme mit „fast den gleichen Jugendlichen“, fuhr sie fort. „Sie randalieren, schmeißen ihren Müll und Glasflaschen weg und zerkratzen frisch gestrichene Bänke. Und sie holen sich einfach Gartenstühle aus den umliegenden Gärten.“ Nicole Uhde schlug vor, am Bahnhof Kameras zu installieren, um die Mädchen und Jungen abzuschrecken. „Die Anwohner haben Angst. Wir sollten Geld in die Hand nehmen.“ Bei der Abstimmung war dieser Vorschlag indes kein Thema.

CDU-Politiker Rudolf von Tiepermann stimmte Uhde zu. Auch im Park hinter der alten Schule gebe es immer mehr Randale. Man habe es nicht geschafft, bestimmte Jugendliche von der Straße zu holen.

Joachim Dornbusch schüttelte angesichts der Äußerungen seiner Ratskollegen den Kopf. Er teile ihre Einschätzung nicht. „Es ist erschreckend, was für ein Bild ihr von den Jugendlichen habt.“ Dornbusch gehört zu den Streetwatchern der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, die unter dem Motto „Kümmern statt Kontrolle“ Jugendliche an öffentlichen Treffpunkten aufsuchen und mit ihnen reden. Eine der drei Gruppen, die in Asendorf unterwegs seien, sei relativ aggressiv, die anderen aber nicht, betonte er.

Bürgermeister Heinfried Kabbert (Wählergemeinschaft) sprach von einem „Spagat zwischen dem Schutz der Kleinen und dem Umgang mit jenen Jugendlichen, die nicht in Vereine oder ins Jugendhaus wollen oder passen“. Bei Straftaten sei die Polizei gefragt, fügte er hinzu.

Erschüttert zeigte sich Sabine Voß: „Das kann nicht euer Ernst sein! Wir reden nicht von Berlin-Kreuzberg, sondern von Asendorf“, sagte sie. „Bevor wir Kameras aufstellen und ab der Dämmerung die Polizei kommt, sollten wir erst mal Kontakt zu den Jugendlichen suchen und versuchen, durch Gespräche etwas zu ändern.“

„Müssen Dialog suchen“: Sabine Voß wird aktiv

Auch Eyck Steimke (CDU) meldete sich zu Wort: „Die Streetwatcher haben es nicht geschafft, die Jugendlichen zu überzeugen, sich anders zu benehmen. Und das werden sie auch in den nächsten zwei Jahren nicht tun. Wenn wir durch die Schilder der Polizei eine Handhabe geben, ist das der sinnvollste Weg.“

In der Einwohnerfragestunde kritisierten mehrere Bürger das Verhalten einiger Jugendlicher scharf. „Wenn man sie anspricht, bessert es sich kurz, dann ist wieder alles wie vorher“, sagte ein Mann. Ein Feuerwehr-Mitglied erklärte, dass die Regenschutzhütte immer wieder beschädigt würde: „Das Maß war voll, als handgroße Steine gegen die Feuerwehrtore geschmissen wurden.“

Nachdem Sabine Voß den Schild-Befürwortern mehrfach widersprochen hatte, wandte sich Eyck Steimke an sie: „Ich schlage vor, dass du künftig alle Beschwerden entgegennimmst.“ Voß versprach daraufhin, aktiv zu werden – und hielt schon gestern Vormittag Wort: Sie besuchte die Jugendhilfeeinrichtung „Die Überflieger“, deren Schützlinge ein Asendorfer am Dienstag unter Generalverdacht gestellt hatte. „Wir können nicht zulassen, dass ,Die Überflieger‘ verleumdet werden. Ich habe mit dem Leiter gesprochen. Ich war die Erste: Kein Bürger und kein Ratsmitglied war vorher schon mal da“, sagte Voß gestern Mittag. „,Die Überflieger‘ haben ein gutes Kontrollsystem. Wir werden trotzdem ein Treffen vereinbaren, um die Situation zu deeskalieren.“ Zudem plane sie, die Jugendlichen auf den Spielplätzen direkt anzusprechen: „Wir müssen den Dialog suchen.“

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