50 Bürger lassen sich testen

Asendorfer Bürgerinitiative will MRSA-Gefahr greifbar machen

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Tut nicht weh, kitzelt nur ein wenig – MRSA-Screening am Samstag in Scholen.

Scholen - Von Ulf Kaack. Die Asendorfer „Initiative für gesunde Luft – für uns und unsere Kinder“ positioniert sich klar gegen Massentierhaltung und deren Folgen – nicht nur im Sinne des Tierwohls, sondern auch mit Blick auf deren Konsequenzen für Mensch, Gesellschaft und Umwelt. Am Samstag initiierten die Mitglieder ein MRSA-Screening zur langfristigen Dokumentation von multiresistenten Keimen.

Brechend voll war der Schankraum im Gasthaus Hüttenwirt in Scholen. Rund 50 Bürger nahmen an einem Screening teil, bei dem sie sich auf MRSA-Keime, auch bekannt als Krankenhausbakterien, testen ließen. Durchgeführt wurde die Aktion von dem Nienburger Nierenfacharzt Gerd-Ludwig Meyer, der die Initiative „Ärzte gegen Massentierhaltung“ ins Leben gerufen hat und die Ergebnisse in einer Studie verwerten will. Seine Arzthelferinnen nahmen mit sterilen Stäbchen Abstriche aus Mund und Nase. Es ging um aus Ställen freigesetzte Keime, die nicht auf Antibiotika reagieren.

Hintergrund ist der Kampf der Initiative gegen einen geplanten Stall samt Abluftreinigung und zwei Futtersilos für bis zu 39 900 Masthähnchen im Asendorfer Ortsteil Hardenbostel. Der Bau ist vom Landkreis bereits genehmigt. Zurzeit werden Einsprüche dagegen geprüft. Sollte denen nicht stattgegeben werden, will die Bürgerinitiative Juristen in diesem Konflikt bemühen.

Doch was hat das jetzt mit dem Screening zu tun? „Bei der Massentierhaltung werden zur Verhinderung von Krankheiten dem Futter Antibiotika zugesetzt, die der Mensch später beim Verzehr des Fleischs zu sich nimmt oder sogar durch die Atmosphäre bei der Stallentlüftung einatmet“, sagt Christine Rohlfs von der Initiative. „Wir wollen den Status quo, den Istzustand, der hier lebenden Menschen dokumentieren und daraus eine analysefähige Langzeitbetrachtung erstellen. Sollte der Maststall hier wirklich in Betrieb gehen, haben wir zumindest eine hieb- und stichfeste Datenbasis, um unsere Argumente später faktisch zu untermauern.“ Soll heißen: Die Initiatoren können dann später vergleichen, wie viele der Probanden vor dem Stallbau durch MRSA-Keime belastet waren – und wie viele es danach sind.

Kein Affront gegen Landwirtin

Rohlfs betont, dass es bei der Aktion nicht um einen persönlichen Affront gegen die bauwillige Landwirtin geht: „Es ist wissenschaftlich belegt, dass von den MRSA-Bakterien eine ernsthafte Gefahr ausgeht. Das wird aus Sicht unserer Initiative von den Verantwortlichen nicht mit der gebotenen Dringlichkeit verfolgt. Nicht nur hier in Asendorf. Das gilt für Niedersachsen, das gilt fürs ganze Land. Unser Ziel ist es, auf diese stark unterschätzte Gefahr aufmerksam zu machen.“

Die große Resonanz an diesem Vormittag mag ein Beleg dafür sein, dass viele Menschen die massiven Bedenken der Bürgerinitiative teilen. Dazu gehört auch Arzt Gerd-Ludwig Meyer, der in einem Kurzvortrag Fakten nannte.

Das Ergebnis des Screenings wird in Kürze vom analysierenden Labor ermittelt sein und dann erst einmal im Raume stehen. Erst durch die Folge-Screenings werden verwertbare Erkenntnisse entstehen.

Die Initiative „Ärzte gegen Massentierhaltung“

Die Initiative „Ärzte gegen Massentierhaltung“ sieht in antibiotikaresistenten Keimen eine große Gefahr. „Viele tausend Todesfälle besonders von in ihrem Immunsystem geschwächten Patienten sind auf sie zurückzuführen“, steht auf der Webseite www.aerzte-gegen-massentierhaltung.de. „Ein Teil dieser Keime stammt nachweisbar und mit zunehmender Tendenz aus der Landwirtschaft.“ Die Initiative will Verbraucher und Patienten informieren, damit ihnen die Folgen der Massentierhaltung stärker bewusst werden.

Hintergrund: MRSA

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) ist eine Bakterienart, die gegen alle sogenannten Beta-Lactam-Antibiotika resistent ist, also gegen Antibiotika, die in ihrer Struktur auf Penicillin zurückgehen. Dazu kommt oft auch eine Resistenz gegen weitere Antibiotika. Je häufiger Antibiotika verabreicht werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich MRSA-Keime vermehren und verbreiten und eben diese Antibiotika wirkungslos machen.

Laut Bundesgesundheitsministerium sterben jährlich bis zu 15.000 Deutsche, weil sie sich mit antibiotikaresistenten Keimen infiziert haben; einige Experten gehen von wesentlich höheren Zahlen aus. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch nicht um Keime aus der Tierhaltung: Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung sind nur wenige Prozent aller nachgewiesenen MRSA vom Typ „Livestock associated“, also Nutztier-assoziiert. Allerdings komme der Anteil der Keime aus der Tierhaltung in Regionen mit hoher Tierdichte inzwischen auf mehr als zehn Prozent. In Betrieben mit ökologischer Tierhaltung werde MRSA seltener nachgewiesen als in konventionellen.

Das Bundesinstitut geht davon aus, dass „etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung Träger von MRSA sind. Höhere Besiedlungsraten finden sich bei Tierärzten und Landwirten, die beruflichen Kontakt zu landwirtschaftlichen Nutztieren, insbesondere Schweinen, haben. In einer Studie in Niedersachsen waren etwa 25 Prozent der Personen, die Nutztierkontakt hatten, mit MRSA besiedelt.“

Der Keim sitzt auf der Haut oder in der Nase. Zum Problem kann das werden, wenn er ins Körperinnere gelangt und sich dort explosionsartig vermehrt.

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