Anwohnerinitiative will Einspruch einlegen

Nachbarn kämpfen gegen Hähnchenmast-Genehmigung

Asendorf - Von Mareike Hahn. Kaum ist die Genehmigung da, regt sich neuer Widerstand: Mehrere Nachbarn wollen Einspruch einlegen gegen die Erlaubnis für den Bau eines Hähnchenmaststalls an der Adresse Hardenbostel 20 in Asendorf, die der Landkreis einer Landwirtin aus dem Ort gegeben hat. Ein Anwohner machte seinem Ärger in der Einwohnerfragestunde am Ende der Sitzung des Gemeinderats am Dienstagabend Luft.

Wie berichtet, hat der Kreis Diepholz als zuständige Behörde am Montag die Baugenehmigung für das Vorhaben erteilt. Antragstellerin Iris Flentje darf demnach einen Stall mit Abluftreinigung, zwei Futtersilos und Dungplatte errichten, der bis zu 39.900 Hähnchen Platz bieten soll. Ihre Schweinehaltung an derselben Adresse will die Landwirtin aufgeben.

„Die Genehmigung hat uns Nachbarn nicht zur Freude verlockt“, sagt der Anwohner und fragt bei der Sitzung: „Ist die Sache damit für den Rat erledigt?“ Offenbar schon. „Die Genehmigung wird nicht von der Gemeinde Asendorf ausgesprochen“, entgegnet Bürgermeister Heinfried Kabbert (Unabhängige Wählergemeinschaft). „Die Gemeinde hat dazu Anmerkungen gemacht – inwieweit die berücksichtigt wurden, ist Sache des Landkreises.“

Einzig eine Erschließungsvereinbarung mit der Landwirtin ist laut Kabbert Sache der Gemeinde, Asendorf habe sich darum gekümmert. „Aber auch sie ist nicht ausschlaggebend bei der Genehmigung“, sagt er.

Einwände „lasch vom Tisch gewischt“

Die Nachbarn haben nach eigenen Angaben im Zuge des neunmonatigen Genehmigungsverfahrens ihre Einwände gegen das Bauvorhaben beim Kreis vorgebracht. „Sie wurden relativ lasch vom Tisch gewischt“, sagt der Anlieger. Nun werde man weitere Schritte prüfen, gegebenenfalls auch rechtliche.

Die Genehmigung erfolgte nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz, heißt es in der Begründung des Landkreises. Demnach seien „erhebliche nachteilige Umweltauswirkungen nicht zu erwarten“.

Das sehen die vier Familien aus der unmittelbaren Nachbarschaft anders. In ihren Einwendungen sprechen sie auch die von ihnen befürchteten Geruchsbelästigungen und Gesundheitsgefahren an. „Der Landkreis ist vollständig der Argumentation der Antragstellerin gefolgt“, kritisiert ein Mitglied der Anwohnerinitiative im Gespräch mit der Kreiszeitung.

Gutachten macht Nachbarn stutzig

In den Stall muss eine zertifizierte Abluftfilteranlage eingebaut werden, schreibt der Kreis vor. Der Abstand von diesem Filter zu den nächsten beiden Häusern betrage nur 200 beziehungsweise 220 Meter, sagt der Anwohner. Ziemlich nah dran. „Aber wenn ein Gutachten sagt, die zulässige Zahl der Geruchsstunden – in diesem Fall 20 pro Jahr – wird nicht überschritten, dann gelten die Abstandsvorschriften nicht. Es macht mich stutzig, dass im Gutachten der Antragstellerin maximal genau 20 Stunden angegeben sind“, sagt der Nachbar.

Eine Geruchsstunde ist laut Internetenzyklopädie Wikipedia eine Maßeinheit zur Beurteilung von Geruchsimmissionen: „Falls innerhalb einer Stunde in einem bestimmten Teilzeitraum (allgemein einem Zehntel der Stunde) erkennbare Gerüche festgestellt werden, liegt eine Geruchsstunde vor, das heißt die gesamte Stunde wird gezählt.“

Landwirtin teilt Bedenken nicht

Der Landkreis geht nicht von einer Geruchsbelästigung der Nachbarn aus: „Der Hähnchenmaststall wird mit einer Abluftreinigungsanlage errichtet, danach sind nach 100 Metern keine spezifischen Gerüche mehr wahrnehmbar“, schreibt er in seiner Begründung. Und weiter: Laut den Landesministerien für Umwelt, Landwirtschaft und Soziales könne davon ausgegangen werden, dass Systeme, die ihre Wirksamkeit in Bezug auf eine Partikel- beziehungsweise Staubabschneidung bewiesen hätten, auch geeignet seien, Bioaerosole abzuschneiden. Das gelte auch für die hier vorgesehene Filteranlage.

Bioaerosole sind Luftpartikel, die nach Expertenansicht in und in der Nähe von Tierställen vermehrt auftreten und bei Menschen zu Erkrankungen führen können.

Die Anwohnerinitiative bezweifelt, dass der Abluftfilter auch bei Bioaerosolen, Keimen und Geruch so wirksam ist wie von der Antragstellerin dargestellt: „Der Hersteller macht zur Filterung von Bioaerosolen und Geruch keine Angaben.“

"Kein Deut mehr Belastung"

Für Landwirtin Flentje ist es indes „logisch“, dass der Filter auch Geruch beseitigt: „Wenn Staub abgefiltert wird, kann ja auch kein Geruch mehr dran kleben“, sagt sie. „Die Zertifizierung des Filters auch für Geruch ist am Laufen. Das abschließende Urteil fehlt noch, aber es wird kommen.“

In Flentjes Schweinestall sind aktuell rund 750 Tiere untergebracht. Die Landwirtin ist sicher, dass die 39.900 Masthähnchen „keinen Deut mehr Belastung bedeuten werden“. Sie habe selbst früher in einem Geflügelbetrieb gearbeitet und wohne auch nur rund 200 Meter vom Stallgelände entfernt. „Ich würde mir doch vor die eigene Haustür keinen Stall setzen, wenn ich Bedenken hätte“, sagt sie. Dass die Nachbarschaft nicht glücklich über ihr Vorhaben sei, könne sie verstehen. Aber die beiden nächsten Anwohner hätten doch schon beim Einzug um den Flentje-Betrieb gewusst. Einst habe er 200 Rinder und 200 Mastschweine gehabt, seit 2006 ausschließlich Schweine.

Der Geruch von Geflügel werde erheblich stärker wahrgenommen als der von Schweinen, kontert die Anwohnerinitiative. Außerdem gingen Fachleute bei einem Geflügelstall von einem erhöhten Gesundheitsrisiko für in der Nähe lebende Manschen aus.

Rubriklistenbild: © Archivfoto: dpa

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