Das Archiv der Samtgemeinde dokumentiert deren Entwicklung

Von 1718 bis heute: Geschichte in 12.000 Akten

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Karl Sandvoß (links) und Elisabeth Meyer im Magazin des Archives.

Br.-Vilsen - Von Charlotte Reinhard. Was sollen die folgenden Generationen von uns wissen? Welche Dokumente müssen dafür aufbewahrt werden?

Auch angesichts von Unmengen an Ordnern, Tonnen von Papier und Kolonnen von Zahlen dürfen Elisabeth Meyer und Karl Sandvoß diese Fragen niemals aus den Augen verlieren. Sie entscheiden, was davon ins Bruchhausen-Vilser Archiv neben dem Rathaus aufgenommen wird.

„Wir haben den gesetzlichen Auftrag, archivwürdige Schriften der Samtgemeinde und deren Vorgänger zu verwahren“, erklärt Archivar Karl Sandvoß. Dieses Gesetz gibt es seit dem 25. Mai 1993. Zwar archivierten die Gemeinden Dokumente auch schon früher, „doch damals machte das jeder nach eigenem Gutdünken“, sagt Sandvoß. So wurden sehr unterschiedliche Informationen aufbewahrt.

Oft ist die Dokumentation auch lückenhaft, aber das liegt nicht nur an den Archivaren. Zu manchen Zeiten hatten die Menschen einfach andere Probleme. „Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit sind beispielsweise sehr schlecht belichtet“, sagt Sandvoß. „Teilweise wurden auch Seiten herausgerissen. Den Grund dafür kann man sich denken.“

Auch in Friedenszeiten hängt bei der Aufbewahrung von Dokumenten viel von dem Archivar ab, sagt Karl Sandvoß. „Was als archivwürdig gilt, beantwortet jeder anders. Schlussendlich entscheidet der Archivar.“ Aber das tut er immer unter bestimmten Gesichtspunkten. Wichtig ist dabei vor allem die Frage, ob ein Dokument für die Geschichte der Samtgemeinde von Bedeutung ist. Meistens ist dies der Fall, wenn es auf den in ihm beschriebenen Sachverhalt ein „Echo in der Öffentlichkeit gegeben hat“, wie Meyer und Sandvoß sagen – beispielsweise also bei Dokumenten zu Prozessen, die bis vors Landesgericht gingen oder Berichten zu Baugebieten. Es ginge vor allem darum, Entwicklungen zu dokumentieren, sagen Meyer und Sandvoß. Dazu bekommt das Archiv Akten und Schriftstücke aller Institutionen in der Samtgemeinde – von Kindergärten, Feuerwehren und Ämtern. „Alles andere wird auf freiwilliger Basis bei uns abgegeben“, sagt Sandvoß. „Wir erklären den Leuten aber immer, dass wir nicht jedes Papier aufbewahren.“

Bei etwa 11898 Akten, 1272 Büchern und mehr als 3500 Fotos ist das verständlich. Andernfalls würden die zwei Büroräume, der Besucherraum und das Magazin, in dem die aufbewahrten Dokumente stehen, bald nicht mehr ausreichen. Das Archiv von Bruchhausen-Vilsen hat auch erst seit 2006 dermaßen viel Platz. Davor war es in der Heimatstube in der Vilser Schulstraße zu finden und „platzte aus allen Nähten“. Erst der jetzige Standort bietet beste Voraussetzungen – nicht nur wegen des Platzes.

Bei der Aufbewahrung von historischen Dokumenten reicht es nämlich nicht, einfach ein paar Akten in ein Regal zu stellen. Die Raumtemperatur muss zwischen 16 und 20 Grad gehalten werden und die Luftfeuchtigkeit bei etwa 50 Prozent, damit das Papier die Jahrzehnte und Jahrhunderte übersteht. Immerhin datiert das älteste Dokument im Bestand Bruchhausen-Vilsen von 1718. Doch damit nicht genug: Alle Papiere müssen in spezielle, säurefreie Ordner geheftet werden. Außerdem müssen die Archivare jede Büro- und Heftklammer entfernen. „Das Metall rostet, der Rost zerstört das Papier“, erklärt Sandvoß.

Trotz aller Maßnahmen kommt es vor, dass Dokumente zerfallen. Eine Digitalisierung der Materialien sehen beide Archivare allerdings nicht als Lösung. „So schnell, wie sich die Technik entwickelt, wären die Daten nicht zuverlässig abrufbar“, meint Elisabeth Meyer. „Als Ergänzung ist das aber sicher eine feine Sache.“ Das bedeutet aber nicht, dass das Archiv digital nichts zu bieten hat – im Gegenteil. Die Namen aller Dokumente und eine kleine Inhaltsangabe sind digital erfasst und online abrufbar. Das heißt, dass jeder die Bestände des Archivs von zuhause aus durchforsten kann. Hat er gefunden, was er sucht, muss er sich nur die Nummer des Papiers notieren. Im Archiv können ihm die Archivare den Karton mit der entsprechenden Akte schnell aushändigen.

„Wir arbeiten nicht für uns“, betont Meyer. „Die Nutzbarkeit des Archivs steht im Vordergrund.“ Karl Sandvoß fügt hinzu: „Wir stellen Material für Leute bereit, die sich für Geschichte interessieren, ihre Wurzeln suchen oder eine Chronik schreiben.“

www.archivportal.niedersachsen.de

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