Siedlungsspuren kommen ans Licht

Archäologen finden 2.000 Jahre alte Scherben in Martfelder Neubaugebiet

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Olivia Knof untersucht eine Vier-Pfosten-Stellung. Wo sie hockt, stand vielleicht einmal ein kleiner Speicher.

Martfeld - Von Katharina Schmidt. Archäologen haben in Martfeld (Br.-Vilsen) Keramik-Scherben ausgegraben, die vermutlich um die 2.000 Jahre alt sind. Außerdem entdeckten sie unter der Erdoberfläche Hinweise auf Bauten und Gruben aus längst vergangenen Tagen.

Ein dreiköpfiges Team des in Vechta ansässigen Fachbüros „Denkmal 3D“ geht derzeit in Martfeld auf Spurensuche. Die Archäologen erforschen den Boden eines geplanten Baugebiets, das nördlich des Friedhofes an der Straße „Alter Kamp“ liegt. Ihre Funde lassen keine Zweifel: Die künftigen Bauherren werden nicht die Ersten sein, die auf dieser Fläche siedeln.

Momentan ist das Gelände geprägt von Sandhügeln und ausgekoffertem Boden. Wo die Experten Reste einer historischen Siedlung sehen, erblicken Laien dunkle Flecken auf dem gelblichen Boden, der sich unter der obersten Erdschicht verbirgt. Bei einem Gang über den Grund des künftigen Neubaugebiets zeigt Olivia Knof vom „Denkmal 3D“-Team auf vier größere Flecken, die quadratisch angeordnet sind. Kleine Schilder markieren die Stelle. „Das ist die dritte Vier-Pfosten-Stellung, die wir in diesem Gebiet gefunden haben“, erklärt sie.

Auf Brunnen und ehemalige Gruben gestoßen

Vier-Pfosten-Stellung bedeutet: Dort steckten vor langer Zeit mit hoher Wahrscheinlichkeit vier Pfosten in der Erde. „Da hat vielleicht mal ein kleiner Speicher gestanden“, erzählt Knof. Die dunkle Färbung erklärt sie wie folgt: „Entweder sind die Pfosten verkohlt, oder sie wurden gezogen und mit der umliegenden Erde verfüllt.“ Andere der Flecken deuten zum Beispiel auf Tunnel hin, die Tiere gegraben haben.

Bei ihren Arbeiten sind die Archäologen darüber hinaus auf Brunnen und ehemalige Gruben gestoßen. In welcher Zeit Letztere gegraben wurden, ist unklar.

Anders ist es bei den Keramikscherben. Die Art, wie sie gebrannt sind sowie Wölbungen am Rand deuten laut Knof darauf, dass sie bestimmt 2000 Jahre alt sind. Manche der Fundstücke sind gerade mal so groß wie ein Fingernagel.

Bisher haben die Forscher 22 Befunde (besondere Strukturen im Boden) und 27 Funde (einzelne, bewegliche Fundstücke wie zum Beispiel die Keramikscherben) verzeichnet. Das mag für Fachfremde nach einer ganzen Menge klingen. Laut Knof ist es allerdings kein spektakuläres Ergebnis. „So etwas ist nicht selten hier in Norddeutschland“, sagt sie. Es gebe deutlich ältere Spuren, die zum Teil von der Zeit um 4000 vor Christus erzählen würden.

„Ich hatte mir ein bisschen mehr erhofft“

Die Archäologin gibt zudem zu bedenken, dass längst nicht alle Funde aus Martfeld mehrere Jahrhunderte alt seien. „Ich hatte mir ein bisschen mehr erhofft.“

Doch wieso nehmen die Experten gerade dieses Neubaugebiet so genau unter die Lupe? Das ist nicht zuletzt einem Hobbyarchäologen zu verdanken, der im vergangenen Jahr in Martfeld eine erste Keramikscherbe gefunden hat. Dieser Fund sorgte mit dafür, dass das Gebiet nahe dem Friedhof nun untersucht wird, bevor mögliche archäologische Schätze unter neuen Häusern vergraben werden.

Die Mitarbeiter von „3D Denkmal“ sind schon zum dritten Mal vor Ort. Der erste Besuch war im August, der zweite Anfang November. Alles was sie finden, dokumentieren und fotografieren sie. Später kommt wieder Erde oben drauf. „Und dann waren das mal Ausgrabungsspuren“, so Olivia Knof.

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