Arbeitskreis will bis 2018 Lösung erarbeiten / „Neubau kann sich keiner leisten“

„Kindergarten und Schule bleiben in Martfeld“

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Symbolbild

Martfeld - Von Mareike Hahn. Der Kindergarten Martfeld darf noch bis 2018 zwei seiner vier Gruppen im örtlichen Seniorenheim unterbringen: „Wir können den Mietvertrag um zwei Jahre verlängern“, sagte Gemeindedirektor Horst Wiesch bei der Sitzung des Gemeinderats im Gasthaus Dunekack in Kleinenborstel. Dadurch gewinne die Samtgemeinde Zeit, um das Raumproblem des Kindergartens an der Schulstraße zu lösen. Eine von vielen Bürgern befürchtete Schließung der benachbarten Grundschule war am Mittwochabend kein Thema mehr: „Kindergarten und Schule bleiben in Martfeld“, versicherte Bürgermeisterin Marlies Plate (Grüne).

Wiesch informierte den Rat und die rund 50 anwesenden Einwohner über das Ergebnis der jüngsten Sitzung eines Arbeitskreises der Samtgemeinde, in dem sich Politiker sowie Schul-, Kindergarten-, Eltern- und Verwaltungsvertreter mit der Zukunft des Kindergartens befassen. „Unsere Empfehlung ist, die Mietdauer zu verlängern und die Zeit zu nutzen, um eine Entscheidung für die dauerhafte Unterbringung aller Kinder möglichst am jetzigen Standort vorzubereiten“, sagte Wiesch und ergänzte: „Bis 2018 ist die Kinderbetreuung wie bisher gesichert.“ Er betonte, dass der Arbeitskreis selbst keinen Beschluss fassen könne, sondern die Samtgemeinde-Politiker dafür zuständig seien. Über das Thema werde der Sozialausschuss – mit dem Martfelder Michael Albers (SPD) als Vorsitzendem – bald öffentlich beraten.

Der Arbeitskreis habe sich umfassend über die Möglichkeit eines Anbaus am Kindergarten-Gebäude informiert. „Das wäre am Mehrzweckraum der Schule in Richtung Süden möglich, wir würden dann einen Teil des Schulgeländes überbauen“, erläuterte Wiesch. „Das würde aber bedeuten, dass wir nur eine weitere Gruppe an der Schulstraße unterbringen könnten. Die benachbarten Grundstücke sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu haben.“ Der Arbeitskreis sei sich einig gewesen, langfristig jedoch alle Gruppen am selben Ort einrichten zu wollen.

Der Zeitgewinn für die Planung bringt laut Wiesch Vorteile mit sich: So sei derzeit ein neues Kindertagesstätten-Gesetz in Arbeit, nach dem sich der Raumbedarf der Martfelder Einrichtung ändern könnte. „In zwei Jahren haben wir da sicher mehr Klarheit“, sagte Wiesch. „Und dann können wir auch die Geburtenentwicklung besser beurteilen.“ Gleichwohl sei der Arbeitskreis der Meinung, dass schon 2015 erste Renovierungen im Kindergarten-Gebäude erfolgen sollten – und zwar für rund 70000 Euro.

Mehreren anwesenden Bürgern reichten die Informationen nicht. „Seit drei Monaten tagt der Arbeitskreis, und er hat nur festgestellt, dass ein weiterer Raum keine Alternative ist und dass man den Mietvertrag verlängern sollte?“, wunderte sich Wilfried Nordbruch – und hakte nach: „Gibt es eine Tendenz zum Neubau eines Kindergartens oder nicht?“ Wieschs Antwort: „Einen Neubau des Kindergartens wird es nicht geben. Das kann sich keiner leisten.“

In der Schule wird

vielleicht ein Raum frei

Horst Wortmann meldete sich ebenfalls zu Wort: „Wie soll das gehen, wenn man Schule und Kindergarten erhalten, aber nicht bauen will?“ „Ein Bau wird erforderlich sein, wenn 2018 das Mietverhältnis endet“, entgegnete Wiesch. „Ob dann ein Anbau und die Nutzung eines möglicherweise frei werdenden Raums der Schule reichen, das wissen wir jetzt noch nicht. Aber wir vermuten es. Außerdem hoffen wir, dass sich das Thema Grundstück vielleicht noch lösen lässt.“ Es gebe also einige Unbekannte. Wichtig sei, eine wirtschaftliche, zukunftssichere Entscheidung zu treffen.

Kritik an Wieschs Informationspolitik hagelte es sowohl aus dem Rat als auch aus den Zuschauerreihen. „Ich hatte erwartet, dass Sie hier, wie im Arbeitskreis, Zahlen und einen Plan an die Wand werfen“, monierte Politiker Heinrich Lackmann (Unabhängige Liste). Wiesch konterte: „Dass wir das Thema hier in der Öffentlichkeit so umfassend darstellen, ist schon gut – denn zuständig ist die Samtgemeinde.“ Der künftige Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann trat Wiesch zur Seite: „Die Zahlen sind schon jetzt nicht mehr aktuell, deshalb haben wir sie nicht mitgebracht.“

Bürger Herbert Wulf forderte, Hallenbad, Turnhalle, Kindergarten und Schule als „Bildungs- und Dienstleistungszentrum“ zu sehen. „Es gibt einen erheblichen Sanierungsrückstau an Kindergarten und Schule“, sagte er und bat, sich dringend um Zuschüsse zu bemühen. „Die aktuelle Förderperiode ist beendet, derzeit gibt es keine Mittel mehr“, erklärte Wiesch. Man habe die neue Periode aber voll im Blick. „Wenn ihr Hilfe braucht, sind alle Bürger bereit zu unterstützen“, sagte Wulf.

Mit einem anderen Thema räumte Bormann auf: „In letzter Zeit hat es ein bisschen Irritationen gegeben, weil die Grundschulen Martfeld und Schwarme zusammengelegt wurden. Die Landesschulbehörde hat nicht, wie erhofft, eine Schule mit zwei Standorten daraus gemacht, sondern führt Martfeld als Außenstelle“, sagte er. „Aber wir sehen beide Schulen als gleichberechtigt an und wollen sie dauerhaft erhalten.“

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