Weder Räume noch Personal

Apotheken in Bruchhausen-Vilsen bieten keine kostenlosen Schnelltests

Corona-Schnelltest liegt auf einem Blatt Papier.
+
Einmal pro Woche soll sich jeder Bürger kostenlos auf das Corona-Virus testen lassen können, beschließt das Corona-Kabinett. Vor Ort ist die Logistik dafür aber noch nicht vorhanden.

Einmal pro Woche soll sich jeder Bürger kostenlos auf das Corona-Virus testen lassen können, beschließt das Corona-Kabinett. Vor Ort ist die Logistik dafür aber noch nicht vorhanden.

Br.-Vilsen - Zu Risiken oder Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker, heißt eine einschlägige Empfehlung. In diesen Tagen werden diese ausgewiesenen Experten aber auch mit Fragen konfrontiert, auf die sie mit „ich weiß nicht“ oder „ich kann nicht“ antworten müssen. In Sachen Corona-Schnelltests herrscht Verwirrung.

„Nein, hier nicht“, hören Menschen, die in den fünf Apotheken der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen nach „ihrem“ kostenlosen Antigen-Schnelltest fragen, den die Regierung ihnen seit dieser Woche zusagt. Sie könnten weder die räumlichen noch die personellen Vorgaben für die Tests erfüllen, sagen die Apotheker übereinstimmend. Und selbst der, der einen Selbsttest kaufen möchte, wird in diesen Apotheken derzeit sein Geld nicht los. „Ich warte seit Wochen auf die Lieferung“, sagt Esther Suhr, Inhaberin der Stern-Apotheke in Martfeld.

Apotheken testen nicht

Ebenfalls seit Wochen mache sie sich Gedanken, Schnelltests durchzuführen. „Ich halte sie für wichtig“, sagt die Apothekerin. Doch die Räume an der Alten Bremer Straße in Martfeld eigneten sich nicht. Separater Eingang und Wartebereich, „welche Apotheke hat das schon“, meint sie. Ein Zelt oder einen Container zu mieten, diese Möglichkeit habe sie gedanklich durchgespielt. „Der Raum müsste beheizt werden, denn man muss die Test bei 15 bis 25 Grad durchführen. Und er müsste hygienisch zu reinigen sein“, führt sie weiter aus.

Zweiter wesentlicher Knackpunkt sei das Personal. Mindestens zwei Kräfte bräuchte es, so ein lokales Testzentrum zu betreiben. Eigenes Personal abstellen könne sie nicht, denn „der Betrieb in der Apotheke läuft ja weiter. Und er läuft am Limit.“ Kurzfristig qualifiziertes Personal einzustellen, sei nahezu unmöglich. „Der Markt ist leer“, gibt sie Einblick in die Branche. Außerdem halte sie es für unzumutbar, ihr Personal für sechs bis acht Stunden pro Tag in der erforderlichen Schutzausrüstung arbeiten zu lassen, sagt Esther Suhr.

Landkreis könnte Soldaten anfordern

Aus logistischer Sicht sehe sie den Landkreis in der Pflicht. „Er kann Soldaten als Personal anfordern und Tests in großen Mengen beziehen“, sagt sie. „Für uns Apotheker ist das Angebot der Regierung für kostenlose Tests sehr übers Knie gebrochen.“ Sie ziehe den Hut vor den Kollegen, die jetzt schon Testungen anbieten.

Apotheker Günter Manke wünscht sich aus denselben Gründen ein kommunales Testzentrum. Er und seine Kollegen verfügten nicht über die Räume, nicht über ausreichend Personal, nicht einmal über die Tests selbst.

„Ich kann leider nicht zaubern“, sagt Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann zu dieser „an sich guten Idee“ und fragt „woher soll ich die Tests nehmen, wenn nicht mal Apotheken beliefert werden“. „Ich scheue nicht die Arbeit, solch ein Zentrum aufzubauen“, meint er im Gespräch mit der Kreiszeitung. Wenn es gut laufe, sei das innerhalb einer Woche möglich, vermute er. „Aber die Entwicklungen überholen sich doch gerade gegenseitig“, sagt er. In einer Woche gebe es womöglich genug Selbsttests zu kaufen, dann bestehe vielleicht kein Interesse oder Bedarf mehr an einem Testzentrum.

Abgesehen von der Logistik „bin ich nicht der Meinung, dass Corona-Tests der Job von Apotheken und ihrem Personal sein soll“, argumentiert Jens Hülsebus von der Alten Vilser Apotheke. Er und seine Mitarbeiter seien Fachkräfte für Arzneien. „Bei einem Test muss man eine Aussage treffen über ein positives oder negatives Ergebnis, das würde mich belasten“, sagt er und sehe die Tests daher in Arztpraxen oder Testzentren angesiedelt.

Kein Testzentrum

Michael Schmitz von der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) sieht jedoch ausdrücklich auch die Apotheker sowie „Drittanbieter“ mit im Boot. 2000 der etwa 13.000 Praxen in Niedersachsen haben sich bis Donnerstag auf einer Liste registrieren lassen, die Testwillige unter www.arztauskunft-niedersachen.de finden. „Das werden stündlich mehr“, erwartet der Geschäftsführer der Bezirksstelle Verden.

Für die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen erscheint dort unter dem Suchbegriff „Besonderheiten: Corona-Schnelltest“ einzig die Hausarztpraxis von Dr. Frank Pellmann und Thomas Luley. „In der Annahme, eine von vielen Anlaufstellen zu sein, haben wir uns solidarisch bereiterklärt, die für die Bürger kostenlosen Schnelltest anzubieten“, sagt Thomas Luley. „Wir können es aber natürlich nicht leisten, das Testzentrum für Bruchhausen-Vilsen zu sein“, betont er. Lasse es der eigentliche Praxisbetrieb zu, würde die Gemeinschaftspraxis den schnellen Antigen-Test durchführen, aus logistischen Gründen allerdings zunächst bei den eigenen Patienten. „Aber noch haben wir keine Tests im Haus“, führt Thomas Luley weiter aus. Auch die Frage der Abrechnung sei noch völlig offen. „Darüber gibt es noch keinerlei Informationen“, schildert der Mediziner.

Selbsttests nicht lieferbar

Bei den Preisen für die Selbsttests erwartet Apotheker Günter Manke eine ähnliche Entwicklung wie bei den Mund-Nase-Masken: Die ersten werden teuer sein. „Ich kann die Tests heute für sechs oder sieben Euro plus Mehrwertsteuer einkaufen“, sagt der Inhaber der Lindenberg-Apotheke in Bruchhausen-Vilsen und der Asendorfer Rübezahl-Apotheke zum Kurs am Donnerstag. Ein Verkaufspreis von fünf Euro, den erste Discounter anbieten konnten, sei für ihn derzeit nicht darstellbar.

Geordert habe er die Tests dennoch gleich „massenhaft“, so Manke. „Ich erwarte sie aber frühestens nächste Woche“, muss sein Team den Kunden allerdings mitteilen. Und die Kundennachfrage sei groß, berichtet er. Ich habe vor zwei Wochen Test bestellt und warte noch immer auf die Lieferung“, schildert auch Daniel Strassner, Inhaber der Schwarmer Apotheke.

Dies sind die Unterschiede zwischen Schnelltest, Selbsttest und PCR.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Meistgelesene Artikel

Maskenpflicht gilt ab Samstag in Sulingen

Maskenpflicht gilt ab Samstag in Sulingen

Maskenpflicht gilt ab Samstag in Sulingen
Erwischt: Landwirt kippt Müll in den Wald

Erwischt: Landwirt kippt Müll in den Wald

Erwischt: Landwirt kippt Müll in den Wald
Landkreis Diepholz aktuell nicht von Corona-Notbremse betroffen

Landkreis Diepholz aktuell nicht von Corona-Notbremse betroffen

Landkreis Diepholz aktuell nicht von Corona-Notbremse betroffen
Waldbauern verdienen nichts, Holzpreise explodieren

Waldbauern verdienen nichts, Holzpreise explodieren

Waldbauern verdienen nichts, Holzpreise explodieren

Kommentare