Sperrung statt „Anlieger frei“

Anwohner der Heidstraße in Martfeld fordern Politik zum Handeln auf / Gemeinderat gesprächsbereit

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Martfeld – Die Durchfahrt ist nur für Anwohner und nur mit Tempo 30 gestattet. Und doch: Immer wieder fahren Fahrzeuge durch die Martfelder Heidstraße, die diese als Abkürzung nutzen, um auf die Holzmaase zu gelangen. Das zeigte auch eine Verkehrsauswertung, die Gemeindedirektor Bernd Bormann während der jüngsten Martfelder Ratssitzung vorstellte. Doch damit nicht genug: Zudem komme es oft vor, dass sich Autos Überholmanöver auf dieser Straße lieferten und mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs seien. Anwohner fordern deshalb seit Längerem ein, dass sich die Politik ernsthaft mit der Verkehrssituation in der Martfelder Heide beschäftigt. Dazu haben sie im Herbst des vergangenen Jahres sogar eine Fragebogen-Aktion gestartet.

„Ich musste einmal mit meinem Kind in den Graben springen, um mich in Sicherheit zu bringen“, berichtet eine junge Mutter, die namentlich nicht genannt werden will. „Das sind Erlebnisse, mit denen wir alle konfrontiert werden“, meinen mehrere Anwohner, die aus Angst vor Repressalien ihrer Mitbürger, die die Heidstraße nur zu gerne als Abkürzung nutzen, ebenfalls namentlich nicht erwähnt werden möchten (die Namen sind der Redaktion bekannt). Denn immer wieder hätten sie mit Anfeindungen der Durchfahrenden zu kämpfen.

Martfelds Bürgermeisterin Marlies Plate zeigt auf Nachfrage der Kreiszeitung Verständnis für die Situation der Anwohner: „Niemand möchte direkt vor seinem Haus an seiner Straße viel Verkehr haben.“ Sie ergänzt: „Der Rat ist und bleibt gesprächsbereit.“ Allerdings gebe es vonseiten der Politik und der Verwaltung einen öffentlich bekannten Plan über das weitere Vorgehen. „Und das haben wir auch immer so kommuniziert“, sagt die Bürgermeisterin.

107 Antworten bei Fragebogen-Aktion

Bei der Fragebogen-Aktion haben die Initiatoren 83 Bögen persönlich an der Haustür an andere Anwohner der Heidstraße und anliegender Straßen übergeben, 54 kamen am Ende zurück. Da jeder in einem Haushalt lebende Bewohner seine Meinung äußern konnte, haben letztlich 107 Menschen geantwortet. „Wir sind der Meinung, dass das ein repräsentatives Ergebnis ist“, sagt einer der Initiatoren. In der Heidstraße selbst gibt es aufgrund der Umfrage ein recht eindeutiges Bild: Demnach wünschen sich 74 Prozent derer, die geantwortet haben, eine Sperrung. In den Straßen „In der Heide“ sowie in den Nebenstraßen sind es knapp 48 beziehungsweise 44 Prozent, die eine Sperrung befürworten. Gar keine Maßnahmen wollen 18 Prozent (Heidstraße), 46 Prozent (In der Heide) und 28 Prozent in den Nebenstraßen. Eine Reduzierung des Verkehrs wünschen sich über alle Straßen hinweg gut acht Prozent derer, die geantwortet haben.

„Ich kann gut verstehen, dass eine weiter eingeschränkte Nutzung als das bisherige ,Anlieger frei‘ gewünscht wird“, kommentiert Marlies Plate. Mit diesem Wunsch seien die Bürgerinnen und Bürger der Heidstraße nicht allein. Es gebe mehrere Straßen in Martfeld, wo ebenfalls seitens der Einwohner der Wunsch bestehe, die Straße für den Durchgangsverkehr zu sperren, erklärt sie. Bei einer Sperrung der Heidstraße müsse allerdings das ganze Gebiet „Heide“ betrachtet werden, um sinnvolle Lösungen zu finden.

„Unser Leidensdruck ist hoch“, sagt ein weiterer Initiator. Die Ergebnisse der Umfrage hätten sie daher dem Gemeinderat in einer nicht-öffentlichen Sitzung vorgestellt. „Wir wollen gemeinsam mit dem Gemeinderat eine Lösung erarbeiten, damit sich die Situation verändert. Es muss einfach unattraktiver werden, hier bei uns durch die Straße zu fahren“, findet einer der Anwohner. Eine Abordnung der Anlieger wolle sich daher mit dem Gemeinderat treffen, um gemeinsam Vorschläge zu erarbeiten, wie man der Lage Herr werden könnte. Das von beiden Seiten angestrebte Gespräch habe aber zunächst wegen des Corona-Virus verschoben werden müssen. „Wir hatten ein Gespräch zwischen dem Verwaltungsausschuss und vier Anliegern für November geplant“, sagt Marlies Plate. Aufgrund der neuen Verordnungen, die seit Monatsbeginn gelten, könne dies vorerst nicht stattfinden. „Wir werden das Gespräch so schnell wie möglich nachholen“, verspricht die Gemeindebürgermeisterin.

Sperrung der Heidstraße

Die nächste Veränderung steht nämlich bereits vor der Tür: Wenn das Neubaugebiet „Heide II“ in unmittelbarer Nähe erschlossen werde, werde sich das Verkehrsaufkommen in der Bauphase und auch danach durch die neuen Anwohner noch weiter erhöhen. Deswegen wünschen sich die offenkundig gebeutelten Anlieger, dass der Verkehr in der Bauphase des Gebiets „Heide II“ ausschließlich über die Holzmaase geführt werde. Diesem Wunsch wolle die Politik nachkommen. „Mit den Erkenntnissen aus der Bauphase und der Verkehrsauswertung wird dann geprüft, welche Maßnahmen daraus folgen könnten“, sagt Marlies Plate. Dass während der jüngsten Ratssitzung noch keine möglichen Maßnahmen präsentiert wurden, liege auch an zeitlichen Verzögerungen. „Wir waren davon ausgegangen, dass ,Heide II‘ spätestens im September startet, sodass die baubedingte Sperrung schon erfolgt wäre“, erklärt sie.

Die Anlieger hoffen auf eine baldige Lösung, „denn wir haben hier eine erhebliche Minderung der Lebensqualität“, unterstreichen die Initiatoren der Fragebogen-Aktion. Marlies Plate meint abschließend im Gespräch mit der Kreiszeitung: „Ich wünsche mir eine möglichst einvernehmliche Lösung, die von allen mitgetragen werden kann.“

Von Regine Suling-williges Und Jannick Ripking

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