Antworten auf alle Fragen rund ums Alter

Seniorenservicebüro/Senioren- und Pflegestützpunkt stellt Arbeit vor

Br.-Vilsen - „Das ,Seniorenservicebüro/Senioren- und Pflegestützpunkt‘ in Bruchhausen-Vilsen leistet wertvolle Arbeit für die Samtgemeinde.“ Dieses Kompliment machte Kommunalpolitiker Michael Albers (SPD) der Leiterin des Büros, Kirsten Wegner-Drefs, bei der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses. Dass er recht hat, verdeutlichte ihr Bericht einmal mehr.

Wegner-Drefs erzählte dem Gremium im Rathaus, was die Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) am Marktplatz anbietet und leistet. Die Diplom-Religionspädagogin, Diakonin und Pflegeberaterin ist dort seit 2005 tätig und weiß: „Die Arbeit wird immer wieder gut angenommen.“

Aus einer 2002 gegründeten Fachberatungsstelle für Menschen mit Demenz habe sich schließlich das Büro mit dem „Namensungetüm“ entwickelt. „Wir beraten zu Pflege, barrierefreiem Wohnen, Demenz und alternativen Wohnformen“, sagte Wegner-Drefs. Die Demenz sei bis heute ein Schwerpunktthema geblieben, häufig kämen Angehörige von Betroffenen vorbei.

Neue Freiwillige stets willkommen

Wegner-Drefs ist neben einer Bürokraft die einzige festangestellte Mitarbeiterin des „Seniorenservicebüros/Senioren- und Pflegestützpunkts“. Zusätzlich sind 60 Ehrenamtliche regelmäßig im Einsatz. „Insgesamt stehen sogar 95 auf meiner Liste“, sagte die Leiterin. Im Jahr registriere die Einrichtung etwa 350 Erstkontakte und 2 500 Folgekontakte zu Ratsuchenden. „Wir betreuen im Durchschnitt 70 Pflegebedürftige monatlich“, sagte Wegner-Drefs. „Meine Ehrenamtlichen haben im vergangenen Jahr 12 000 Stunden geleistet.“ Neue Freiwillige seien stets willkommen.

Zudem erwähnte Kirsten Wegner-Drefs rund 1.500 jährliche Kontakte zu Netzwerkpartnern. Das Bruchhausen-Vilser Büro kooperiert im „Arbeitskreis soziale Versorgung“ der Samtgemeinde beispielsweise mit Pflegeheimen und -diensten, Vereinen und der Samtgemeinde. „So eine trägerübergreifende Zusammenarbeit hat sonst keiner“, sagte Wegner-Drefs. „Eine tolle Sache, vor allem für Pflegebedürftige, die so nur eine Anlaufstelle haben.“ Weitere Netzwerkpartner seien unter anderem der Palliativstützpunkt des Landkreises, die Schuldnerberatung, das „Netzwerk Sexualität in der Pflege“ und der Integrationsfachdienst.

Neben Hausbesuchen, Wohnberatung sowie Tipps rund um Alltagsbewältigung, Pflege und Hilfen gehört auch die Unterstützung bei Antragstellungen zum Aufgabenfeld. Des Weiteren bietet das Büro auch Gesprächsgruppen, Vorträge und Seminare. Wegner-Drefs vermittelt ehrenamtliche Seniorenbegleiter und sogenannte Gesellschafter für Menschen mit Demenz. Und: „Wir machen auch Fallkonferenzen, laden Familien und Pflegedienste ein, um in komplizierten Fällen gemeinsam ein Konzept zu erarbeiten.“ Kurzum: Die Einrichtung verspricht Hilfe bei allen Fragen rund ums Alter.

„Durch die Änderung des Pflegestärkungsgesetzes haben wir dieses Jahr sehr viele Nachfragen, da ist eine Verunsicherung spürbar“, fuhr die Büroleiterin fort.

Kritik an Novellierung des Betreuungsrechts

Das „Seniorenservicebüro/Senioren- und Pflegestützpunkt“ ist ferner beteiligt am „Wegweiser für Seniorinnen und Senioren“, in dem Bürger der Samtgemeinde Ansprechpartner zu verschiedenen Themen finden. Das Heft werde derzeit aktualisiert.

Abschließend schilderte Wegner-Drefs beispielhaft, welche Schwierigkeiten ihr bei ihrer Arbeit begegnen. Im November 2015 habe sie einen Klienten angenommen, der kurz darauf aus dem Krankenhaus entlassen werden sollte und sicher nicht mehr allein zurechtkommen würde. „Er hatte einen Schlaganfall gehabt und dadurch eine Behinderung, er konnte sich zu Hause nicht mehr bewegen“, sagte Wegner-Drefs. „Wir haben einen Antrag auf Wohnraumumgestaltung, Pflege und rechtliche Betreuung gestellt. Die Betreuungspflicht wurde abgelehnt.“

Die Büroleiterin kritisierte, dass die jüngste Novellierung des Betreuungsrechts „den Menschen nicht gerecht wird“. Sie habe besagten Mann immer wieder besucht und ihm bei Anträgen geholfen. „Er hätte alles von mir unterschrieben, nur weil er mich nett fand“, sagte Wegner-Drefs. Für sie eine „beunruhigende“ Erfahrung. Der Klient habe selbst nicht verstanden, was in den Anträgen stand. Er benötige einen rechtlichen Betreuer – doch er bekomme trotz mehrerer Nachfragen keinen. Vor der Novellierung wäre das anders gewesen.

„Die Novellierung soll die Rechte Betroffener schützen, aber ich finde, sie werden allein gelassen“, fuhr Wegner-Drefs fort. „Es geht für die Betroffenen nicht darum, bevormundet zu werden, sondern jemanden zu haben, der die eigenen Interessen vertritt.“ Nach einigen anderen Stellen wolle sie die Problematik auch noch beim Sozialpsychiatrischen Verbund vortragen. 

Das „Seniorenservicebüro/Senioren- und Pflegestützpunkt“ ist erreichbar unter Telefon 04252/9113034 oder E-Mail seniorenservicebuero@awo-bruchhausen-vilsen.de. 

mah

Rubriklistenbild: © dpa

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