Annette und Clemens Bullig sind Hobby-Imker

Es brummt und summt in Hohenmoor

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Annette und Clemens Bullig kontrollieren die Bienenstöcke in ihrem Garten regelmäßig.

Hohenmoor- Von Karin Neukirchen-Stratmann. Wenn es in ihrem Garten summt und brummt, sind Annette und Clemens Bullig glücklich. Nicht ohne Grund, denn meist handelt es sich dann um Bienen aus ihren eigenen Bienenstöcken.

Ein Frühjahr wie das jetzige mit milden Temperaturen, viel Sonne und einer Obstbaumblüte ohne Frost verspricht nicht nur eine gute Obsternte im Herbst, sondern auch eine gute Honigernte. Die Imkerei bedeutet für das Ehepaar aus Hohenmoor einen Ausgleich nach dem Arbeitstag in Bremen, wo beide als Sozialarbeiter tätig sind. Und dennoch: Bei aller Entspannung ist es auch ein zeitaufwendiges Hobby. Immerhin geht es um lebende Tiere, und die wollen gehegt und gepflegt werden. Und die Ernte des Honigs ist zeitraubend.

Über einen Volkshochschul-Kurs ist das Paar zur Imkerei gekommen. „Ich finde das sehr spannend“, erklärt Annette Bullig. Neben Bienen halten die Zwei auch Hühner, Enten, Schafe und eine Katze. 2014 startete der Kurs in Twistringen, in Zusammenarbeit mit dem Kreisimkerverein Diepholz. Er dauerte mehrere Wochen, „das war richtig anstrengend zum Teil“, berichtet Clemens Bullig. „Allein die Sprache ist ja nicht so geläufig“, ergänzt Annette Bullig und nennt ein Beispiel: „,Beute‘ heißen die Kästen, die Bienenstöcke, weil man etwas erbeutet, nämlich Honig.“ Bei den Bulligs im Garten stehen zwei „Beuten“.

Dass Menschen Honig ernten, ist nicht neu. „Im Mittelalter gab es die sogenannten Zeidler, sie suchten Honig von Wildbienen im Wald“, erzählt Clemens Bullig. Schon vorher, in der Steinzeit, schätzte man den Honig von Wildbienen. Heute erlebt die Imkerei eine Renaissance. „Es gibt in Großstädten auf Dächern Bienenstöcke, und bei uns im Kurs waren mehrere junge Leute, die sich interessierten“, sagt das Ehepaar. Die Bulligs selbst betreiben die Imkerei für den Eigenbedarf und ein paar Bekannte.

Die Waben, in denen später der Honig entsteht, sind kleine Kunstwerke der Natur.

Bienen liefern mehr als nur Honig, sie sind auch unerlässlich im Obst- und Gartenbau, denn die Bestäubung vieler Pflanzen erfolgt durch sie. Nach Kühen und Schweinen stehen Bienen in Mitteleuropa an dritter Stelle der wichtigsten Nutztiere in der Landwirtschaft.

Zurück zu den Bienen in Bulligs Garten. Dort gibt es auch einen kleinen Teich, denn die Insekten brauchen Wasser. In den zwei „Beuten“ befinden sich die Waben. In jeder „Beute“ tummeln sich bei Bulligs zu Beginn des Bienenjahrs um die 15.000 Bienen. Die Wichtigste ist die Königin. „Von Arbeitsbienen wird die Königin als Larve mit einem speziellen Saft gefüttert, dem Gelee Royale. Dadurch wird sie größer und hat eine Lebensdauer von circa drei bis fünf Jahren, im Gegensatz zu ihren Gehilfinnen, die sie seit dem Herbst betreut haben. Die leben nur ein halbes Jahr und nachkommende Sommerbienen vier bis fünf Wochen“, erklärt Clemens Bullig.

„Jede Biene hat ihre spezielle Aufgabe“

Eine Königin legt bis zu 2000 Eier pro Tag, aus den anfänglich 15.000 Bienen werden so über den Sommer bis zu 50.000. „Das Leben in einem Bienenstock ist faszinierend. Jede Biene hat ihre spezielle Aufgabe“, sagt Annette Bullig begeistert. Neben der Königin gibt es die unfruchtbaren Arbeiterinnen. „Sie halten den Stock in Betrieb, sammeln Pollen und Nektar, ziehen die Larven auf, die aus den Eiern schlüpfen, und vertreiben Feinde.“ Und dann sind da noch die Drohnen. „Das sind die männlichen Bienen“, erklärt Clemens Bullig.

Geht die Königin auf Hochzeitsflug, paart sie sich mit bis zu 20 Drohnen, die danach sterben. „Fleißig wie eine Biene“, dieser Spruch ist in der Tat passend, denn die Bienen tun den ganzen Tag über nichts anderes als zu arbeiten. „Zunächst werden die Waben aus Wachs gebaut, damit darin der Nachwuchs großgezogen werden kann. Später lagern hier der Honig oder Pollen ein“, erklärt Clemens Bullig. „Und alles wird mit Kittharz verklebt“, sagt Annette Bullig und zeigt ein kleines gräuliches Kügelchen, produziert von Bienen. „Das ist Propolis und hat antibiotische Wirkung.“

Damit die Bienen optimale Lebensbedingungen haben, herrschen in einem Bienenstock konstant 35 Grad. „Es ist ähnlich wie bei Säugetieren. Die Bienen können die Temperatur selber regulieren, indem sie mithilfe des Flügelschlags für Kühlung sorgen, wenn es zu warm wird. Im Winter dagegen gibt es Bienen, die für die nötige Wärme sorgen, indem sie immer wieder den Platz im Stock wechseln.“

Zuckerwasser als Energiequelle

Da die Bienen ihren Honig im Winter nicht mehr als Energiequelle haben – der Imker hat diesen ja geerntet – bekommen sie Zuckerwasser. „Auf zwei Liter Wasser kommen drei Kilo Zucker“, erklärt Clemens Bullig.

Derzeit herrscht Hochbetrieb am und im Bienenstock. „Bienen sammeln interessanterweise nicht mal hier und mal da, sondern zum Beispiel einen Baum komplett ab“, erklärt Clemens Bullig. Bis zu drei Kilometer fliegt ein Bienenvolk. Je nachdem, von welcher Kultur – der Imker spricht von „Tracht“ – der Honig geerntet wurde, steht später auf dem Etikett des Glases beispielsweise „Rapshonig“, „Waldhonig“ oder „Akazienhonig“. „Für ein Glas Honig muss eine Biene 80.000 Mal ausfliegen und etwa sieben Millionen Blüten besuchen“, sagt Clemens Bullig. Die Etiketten werden vom Deutschen Imkerbund streng kontrolliert.

Und warum ist Honig mal flüssig und mal fest? „Das liegt an der Zusammensetzung. So ist Robinienhonig flüssig, während Rapshonig kristallin ist“, erklärt Annette Bullig. Den Rapshonig müsse man nach der Ernte stark rühren, damit er nicht zu fest wird. Industriell bearbeiteter Honig sei oft flüssig, weil er nach der Ernte erhitzt werde.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auf das Glas und das Etikett des Deutschen Imkerbunds achten und den Honig nach Möglichkeit direkt beim Erzeuger erwerben.

www.deutscherimkerbund.de

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