Anne und Agnes Gull greifen für den guten Zweck in die Maschen

Gegen den Terror stricken

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Anne (links) und Agnes Gull stricken für die Initiative „Mit Wolle und Nadel gegen den Terror“.

Br.-Vilsen - „Ich mache das gerne. Ich will ein gutes Werk tun“, sagt Agnes Gull und greift gleich wieder in die Maschen. Die 79-Jährige aus Bruchhausen-Vilsen strickt zusammen mit ihrer Tochter Anne für die Aktion „Mit Wolle und Nadel gegen den Terror“.

Die im September 2014 in Nordrhein-Westfalen gestartete Initiative strickt und häkelt für Islamischer-Staat-Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak. „Seit November machen wir mit“, erzählt Anne Gull. Die 57-Jährige war durch Zufall im Internet auf die Initiative aufmerksam geworden. Sie hat sich deren Tun zunächst kritisch angesehen. Schließlich überzeugt von der Aktion, fand sie in ihrer Mutter Agnes eine fleißige Mitstrickerin. Auf den Weihnachtsbaum verzichteten die beiden im vergangenen Jahr: „Stattdessen haben wir Wolle gekauft und verstrickt.“ Gebrauchte Kleidung sendet die Initiative nicht an die Flüchtlinge. „Wir wollen mit selbst produzierter Kleidung Liebe und Wärme schenken“, sagt Anne Gull.

Die Sammelstelle für alle Erzeugnisse ist im nordrhein-westfälischen Weeze bei Beyza Kassem, der Initiatorin des Projekts, angesiedelt. Von dort aus kümmern sich zwei Jugendorganisationen um den Transport und die Verteilung vor Ort. Denn im Winter ist es kalt in den Flüchtlingslagern – da kommt die wärmende Kleidung aus der Ferne wie gerufen. Rund 630 Kilogramm Strick- und Häkelwaren sind bereits direkt an Bedürftige ausgegeben worden. „Alles kommt da an, wo es benötigt wird, und alle arbeiten ehrenamtlich“: Das ist den zwei Frauen aus Bruchhausen-Vilsen wichtig.

Die Aufgabenteilung im Hause Gull ist ganz klar: „Ich stricke hauptsächlich Socken, aber auch Pullover und Schals“, erzählt Agnes Gull. Ihre Tochter Anne indes strickt alles – „außer Socken. Und für das Fädenvernähen ist meine Mutter die Spezialistin“, sagt Anne Gull schmunzelnd.

Mit ihrem Hobby Gutes bewirken: Dass ihnen das gelingt, freut nicht nur die beiden Frauen, sondern auch Jens Sonnenberg aus Bruchhausen-Vilsen, der für die gute Sache Mützen mit Bommeln strickt. Unterstützung bekommt das Trio vom Café Köster in Emtinghausen und von Hanni Stuckenschmidt aus Syke: Beide Geschäfte fördern die Aktion. „Wenn wir eine Wollspende erhalten, geben wir die untereinander weiter“, berichtet Anne Gull. „Wir haben zusammen schon 25 Kilogramm verstrickt und weggeschickt“, erzählt sie. Beide Frauen engagieren sich gerne für die Aktion: „Denn das betrifft Menschen, die vergessen werden und immer nur dann ins Bewusstsein kommen, wenn wieder etwas massiv passiert“, findet Anne Gull. Der Einsatz für die Flüchtlinge führt dazu, dass Agnes Gull sich in ihrer Freizeit ganz aufs Stricken verlegt hat. „Zum Lesen und zum Lösen von Kreuzworträtseln komme ich im Moment gar nicht mehr“, sagt sie lachend.

Wer die Aktion „Mit Wolle und Nadel gegen den Terror“ mit Wollspenden unterstützen oder selbst mitmachen will, erreicht Anne Gull per E-Mail an agullbo@hotmail.com oder unter Telefon 0173/27 35 918. Mehr Informationen zu der Initiative gibt‘s online.

ine

www.wollnadel.de

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