Zwei Flugzeugabstürze in kurzer Zeit

Angriff in 7.000 Metern Höhe über Oerdinghausen

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Die Boeing B-24 Liberator wurde getroffen, kam in einigen träge gedrehten Kreisen tiefer und explodierte in einem Feld nahe der Gaststätte Mehlhop.

Landkreis Diepholz - Von Ulf Kaack. Kaum eine Viertelstunde war vergangen, nachdem eine über Oerdinghausen abgeschossene Boeing B-17 auf einem Acker in der Wohldheide niedergegangen war, da knallte es erneut in dem sonst so beschaulichen Dorf. Diesmal war es eine B-24 Liberator der US Air Force, die von Jagdfliegern der Luftwaffe erwischt worden war.

Hans Schröder aus Asendorf, Jahrgang 1928, war damals auf dem Weg zur ersten Absturzstelle, als sich ein erneuter Luftkampf unmittelbar über seinem Kopf abspielte. „Zwei deutsche Jagdflugzeuge vom Typ Messerschmitt Bf 109 und ein zweimotoriger Zerstörer, eine ebenfalls von Messerschmitt gebaute Bf 110, nahmen die Liberator in die Zange“, erinnert sich der Zeitzeuge.

„Ich konnte den Bordwaffenbeschuss hören. Ein Motor des Bombers fiel aus, dann waren Fallschirme am Himmel zu sehen. Einer hatte sich offensichtlich nicht geöffnet, denn ich beobachtete einen Körper ohne Schirm zu Boden stürzen.“

Explosion im Feld

Die B-24 kam in einigen träge gedrehten Kreisen tiefer und explodierte in einem Feld nahe der Gaststätte Mehlhop – keine zwei Kilometer vom Absturzort der B-17 entfernt. Von der amerikanischen Besatzung hat Hans Schröder – lebendig oder tot – niemanden gesehen.

Die viermotorige Maschine mit der Kennung EC-S gehörte der 587. Squadron der 392. Bomber-Gruppe an. Sie trug den Nickname „Hellzadropin“ und war in den Mittagsstunden von ihrer Heimatbasis, dem britischen Stützpunkt Wendling 150 Kilometer nordöstlich von London, gestartet. Sie flog in der dritten von vier Angriffswellen der Mission 111 des 8. US-Bomberkommandos, die Bremen zum Ziel hatte. Es war ihr sechster Einsatz – und ihr letzter.

Die „Hellzadropin“ und 54 weitere B-24 ihres Verbands waren auf den Bremer Vulcan, eine Bauwerft für U-Boote der Kriegsmarine, angesetzt und warfen ihre Bombenlast im Zielgebiet ab. Offensichtlich wenig effektiv, denn weder die militärischen und behördlichen Quellen noch das Werftarchiv vermelden Schäden.

Pilot gab den Befehl zum Aussteigen

Die B-24 mit zehn Mann Besatzung an Bord befand sich bereits auf östlichem Kurs in Richtung Heimatbasis auf der britischen Insel, als sie über Delmenhorst in rund 7.000 Metern Flughöhe von deutschen Jägern attackiert wurde. Captain John G. Buschmann versuchte offensichtlich, den Angreifern auf südlichem Kurs zu entwischen. Aber vergeblich.

„Einer der Motoren wurde getroffen, und der Pilot gab den Befehl zum Aussteigen“, hat Jürgen Kuhlmann einem später gefertigten Protokoll der Überlebenden entnommen. „Zusammen mit drei weiteren Crewmitgliedern sprang er durch den Bombenschacht ab. Der Navigator verließ die Maschine durch den Schacht des Bugrads. Der Rest der Mannschaft rettete sich durch die Seitenfenster aus dem bereits stark verqualmten Rumpf.“

Tödlicher Sprung ohne Fallschirm

Technical Sergeant J.T. Hoover, der das Turmgeschütz oben auf dem Rücken des Bombers bedient hatte, war schwer im Bauch- und Brustbereich verletzt. Laut Augenzeugenbericht sprang er ohne Fallschirm ab und starb daraufhin.

Ebenfalls ums Leben kam Staff Sergeant Leo E. Bernard, der das Maschinengewehr in der verglasten Heckkuppel bediente. Sein Fallschirm öffnete sich nicht.

Ein dritter Toter konnte nicht identifiziert werden, da er keine Erkennungsmarke trug. Es wird davon ausgegangen, dass es sich hierbei um den Bordschützen Staff Sergeant Ray W. Davis handelte. Die drei US-Soldaten wurden auf dem Friedhof in Hoya beigesetzt.

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