Weniger als 40 Prozent nicht kostendeckend

Anbieter für Ausbau des Glasfasernetzes stellt Maßnahmen in der Samtgemeinde infrage

Im Ortskern, hier eine Ansicht vom Vilser Kirchturm, ist die Quote zum Ausbau des Glasfasernetzes noch nicht erreicht, informiert das Unternehmen.
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Im Ortskern, hier eine Ansicht vom Vilser Kirchturm, ist die Quote zum Ausbau des Glasfasernetzes noch nicht erreicht, informiert das Unternehmen.
  • Anne-Katrin Schwarze
    vonAnne-Katrin Schwarze
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Br.-Vilsen – „Mir ist die Kinnlade runtergefallen, als ich das gelesen habe“, schildert Unternehmer Andreas Witschke den Moment, als er Mittwoch durch die Kreiszeitung erfuhr, dass der Glasfaserausbau im Ortskern von Bruchhausen-Vilsen ganz und gar nicht sicher ist. Wird die Anschlussquote von 40 Prozent nicht erreicht, rechnet sich für den Anbieter GVG, Glasfaser für Niedersachsen, der Ausbau der so genannten schwarzen Flecken nicht. Und mehr noch, bei einem Pressetermin in Bassum machte GVG-Niederlassungsleiter Andreas Niehaus klar, wenn sich im Flecken nicht genügend Interessenten fänden, stünde die Versorgung mit Glasfaser in allen Orten der Samtgemeinde auf der Kippe (die Kreiszeitung berichtete).

Dieser Zusammenhang war Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann bis dahin nicht bewusst, äußerte er am Rande dieser Veranstaltung. Dem Samtgemeinderat hatte er gerade noch von der Rückmeldung berichtet, dass sich in Asendorf, Martfeld und Schwarme längst genügend Eigentümer gefunden hatten, die ihre Datenleitung aufrüsten lassen wollen. „Ein Ausbau der Glasfaserinfrastruktur wird dort erfolgen“, hatte er einen Tag später in einer Information an die Fördergemeinschaft Bruchhausen-Vilsen formuliert, in der es auch heißt: „Im Ortskern des Fleckens wurde dieses Ziel leider nicht erreicht. Damit wir den Ortskern als Gewerbe- und Wohnstandort bezüglich einer modernen Glasfaserinfrastruktur zukunftssicher gestalten können, hat die GVG nochmals eine Weitervermarktungsfrist für die schwarzen Flecken bis zum 9. August eingeräumt“, reicht er eine Information der GVG mit ihrer Marke Nordischnet an den Vorstand der etwa 150 Mitglieder starken Interessenvertretung weiter.

„Ist die Quote bis dahin nicht erreicht, ist es zu spät“, machte Niehaus in Bassum überraschend deutlich. Auch die Nachbarkommune Bruchhausen-Vilsens ist vom geringen Interesse im Innenstadtgebiet betroffen. „Dann bekämen wir in den Außenbereichen den denkbar besten Ausbaustandard, würden uns im Ortskern aber weiterhin wie mit dem Pferdefuhrwerk durchs Internet bewegen?“ Witschke ist fassungslos.

Für seinen Autohandel mit Werkstatt mitten im Ort wäre der geplante Ausbau „ganz wichtig.“ Ersatzteilbestellung, Autoprogrammierung – das Tagesgeschäft laufe längst nahezu ausschließlich über das Internet. Im Unternehmen werde auch über das Internet telefoniert. „Bei der Umstellung ist etwas schief gelaufen, drei Tage funktionierte das nicht. Ich musste die Mitarbeiter nach Hause schicken“, berichtet er. Ein „Horrorszenario“ sei dieser Ausfall des Internets gewesen. „Das darf bitte nicht noch einmal passieren“, sagt der Unternehmer. Obwohl er die Leitungskapazitäten für die Firma verachtfacht habe, brechen Verbindungen das eine oder andere Mal zusammen, wenn das Internet rundherum stark beansprucht werde.

Das habe er vor allem bei den zahlreichen Online-Schulungen beobachtet, an denen seine Mitarbeiter teilnehmen, nicht nur zu Corona-Zeiten. Als Unternehmer sehe er zum schnellen Internet keine Alternative, als Privatmann habe er sich entschieden, ein Mehrfamilienhaus ebenfalls ans schnelle Internet zu hängen. „Vielleicht braucht der eine oder andere Mieter das heute noch nicht, aber schnelles Internet ist die Zukunft“, steht für ihn fest.

Daher appelliere er in seiner Funktion als Vorsitzender der Fördergemeinschaft an Immobilienbesitzer, „kurzfristig erneut abzuwägen“, ob die bisherige Entscheidung gegen einen Glasfaseranschluss die richtige sei. Die Mitglieder werde er kurzfristig über die Brisanz der Situation informieren.

Verständnis habe er für kleine Betriebe oder Handwerker, die insbesondere nach dem Lockdown eine Mehrausgabe von etwa 300 Euro im Jahr scheuten. Für ihn gebe es jedoch keine Alternative, wolle er in Zukunft wettbewerbsfähig sein.

Gerade die Corona-Krise habe gezeigt, welchen Stellenwert das Arbeiten von zu Hause bekommen kann. Experten gehen davon aus, dass viele dieser Heimarbeitsplätze erhalten bleiben.

„Schneller Datenaustausch ist ein wichtiger Motor für die lokale Wirtschaft“, sagt Wirtschaftsförderin Uta Seim-Schwartz zu den Vorteilen eines Glasfaseranschlusses. Mieter im Ortskern, die sich bisher gegen einen Vertrag entschieden haben, bittet sie, kurzfristig den Hauseigentümer zu informieren. „Oftmals hat er ein großes Interesse daran, einen Glasfaserhausanschluss für die Immobilie zu haben.“

Seit der Ankündigung, dass der komplette Ausbau auf der Kippe stehe, klingele bei ihr unaufhörlich das Telefon. Unter 04252/391419 beantworte sie gern Fragen zur Thematik. Sein Schreiben an die Fördergemeinschaft beendet Bernd Bormann mit den Worten: „Danke für ihre Mithilfe zur Erhaltung eines zukunftsstarken Ortes.“

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