Holzbrett stammt aus dem Jahr 1860

Alte Grabtafel in der Martfelder Catharinen-Kirche entdeckt

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Elsbeth Knüppel (mit dem Brett aus der Catharinen-Kirche) sowie Heinrich Knüppel mit der Grabtafel seiner Großmutter, in der Mitte Pastor Heinz-Dieter Freese.

Martfeld - Was heute selbstverständlich ist, war es früher nicht: Vor allem in Kriegs- und Notzeiten konnten sich Angehörige für ihre Verstorbenen keine Grabsteine leisten. Davon künden alte Grabtafeln aus Holz, die noch auf so manchem Dachboden liegen.

In Martfeld wurde bei Aufräumarbeiten auf dem Dachboden der Catharinen-Kirche eine Holztafel aus dem Jahr 1860 entdeckt. Darauf steht geschrieben: „Ich habe Lust abzuscheiden und bei Jesu Christo zu seyn. Hier ruhen die Gebeine der verstorbenen Ehefrau Anne Margarethe Fiddelke, geb. Williges. Sie wurde geboren zu Wechold den 7. Mai 1808 und starb zu Loge den 22. April 1860 in dem Alter von 51 Jahr, 11 Monat und 15 Tage.“

Darauf steht geschrieben: „Ich habe Lust abzuscheiden und bei Jesu Christo zu seyn. Hier ruhen die Gebeine der verstorbenen Ehefrau Anne Margarethe Fiddelke, geb. Williges. Sie wurde geboren zu Wechold den 7. Mai 1808 und starb zu Loge den 22. April 1860 in dem Alter von 51 Jahr, 11 Monat und 15 Tage.“

Totenacker wurde nicht gepflegt

Aber auch auf privaten Dachböden scheinen noch einige alte Grabtafeln vorhanden zu sein. Heinrich Knüppel aus Martfeld hält solch ein Brett in seinem Haus in Ehren. Er erzählt: „Wenn man es von der Seite beleuchtet, tritt die alte Schrift zutage. Dieses Brett wurde gemalt für meine Großmutter Anna Dorothea Margarete Knüppel, geb. Schröder aus Eitzendorf, die am 22. März 1915 im Alter von 35 Jahren in Martfeld verstarb. 1915 – das war ja im Kriege. Man hatte damals nicht so viel Geld wie heute. Aber die Grabtafel wurde trotzdem schön beschriftet. Am Kopfende sieht man noch Ranken und Blumen.“

Ursprünglich mag es sehr viele solcher Holzposten rund um die alte Catharinen-Kirche gegeben haben. Der Kirchhof selbst war mit einem Zaun aus Holzplanken gesichert, zu dem jeder Einwohner des Kirchspiels seinen Beitrag leisten musste. Friedhofspflege war damals nicht üblich, es war sprichwörtlich der Totenacker mit natürlichem Grasbewuchs, flachen Hügel und Grabdenkmalen, oftmals aus Holz.

1863 wurde neuer Friedhof eingerichtet

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich das. Der kirchliche Trauergottesdienst rückte in den Mittelpunkt sowie das Gefühl der Trauer und des Verlustes bei den Hinterbliebenen. 1863 wurde der neue Friedhof eingerichtet. In den folgenden 100 Jahren entstanden zahlreiche große Familiengrabstätten, die genauso von einem Zaun umgeben waren wie einst der alte Kirchhof.

Noch in den 1960er Jahren wusste der Martfelder Pastor Paul Rohde gar nicht, woher er so viele große Grabstellen nehmen sollte, wie sie die Leute bei ihm einforderten. Heutzutage hat sich die Bedeutung der Familie so gesteigert, dass man oftmals in Traueranzeigen lesen kann: „Nur im engsten Kreise“. Darüber hätten sich die Menschen des 19. Jahrhunderts sehr gewundert, denn der oder die Tote hatte neben der Familie auch immer eine Rolle im Dorf als Freund und Nachbar, als Vollmeier, Handwerker, Knecht oder Magd. - ine

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