Peter Schmitz bekommt das Bundesverdienstkreuz

Ein Altbürgermeister zum Anfassen

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Peter Schmitz dankte seiner Ehefrau Regina für ihre Unterstützung. 

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. Peter Schmitz ist ein bescheidener Mann. Und so nutzte er gestern Nachmittag ausgiebig die Gelegenheit, seine vielen Weggefährten zu loben. Dabei sollte doch eigentlich der 69-Jährige selbst im Mittelpunkt stehen, immerhin bekam er das „Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“.

Aber den Großteil seiner Rede widmete der Bruchhausen-Vilser dem Engagement der anderen. „Peter Schmitz hat zwar Funktionen in der ersten Reihe, aber man hat nie den Eindruck, dass er sich dort hinstellt“, sagte Landrat Cord Bockhop und fügte augenzwinkernd hinzu: „Außer beim Brokser Markt.“

Ein bisschen aufgeregt war Schmitz schon. „Ist ja das erste Mal“, sagte er kurz vor Beginn der Ordensverleihung in der „Casa Alessia“. Seinen Begrüßungsworten merkte man die Nervosität jedoch nicht an. Locker, natürlich und nett hieß er rund 50 Freunde, Verwandte und Wegbegleiter willkommen und nahm sich selbst auf die Schippe: „Das war die kürzeste Begrüßung, die ich je gehalten habe“, sagte Schmitz und hatte die Lacher auf seiner Seite. Schließlich ist er nicht gerade als wortkarger Redner bekannt. Schuld ist übrigens seine Frau Regina: „Vor Ansprachen habe ich immer gesagt: ,Knuffel, wenn ich zu lange rede, musst du mir das signalisieren‘“, verriet Schmitz später am Nachmittag lachend. „Ich hab die Signale nie gemerkt.“

Landrat Bockhop übergibt Bundesverdienstkreuz

Aber von vorn: Im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergab Landrat Bockhop das Bundesverdienstkreuz an den Sozialdemokraten, der sich 25 Jahre lang in der Kommunalpolitik engagiert hat – im Fleckenrat und im Samtgemeinderat. Als Fleckenbürgermeister setzte er sich von 1996 bis 2016 unermüdlich für den „einzigen Luftkurort zwischen Bremen und Hannover“ ein, wie er Bruchhausen-Vilsen bei jeder Gelegenheit beschrieb. Außerdem gehörte er dem Kreistag zwei Wahlperioden an. Im vergangenen Jahr beendete Schmitz auf eigenen Wunsch seine politische Laufbahn.

Als einen großen Verdienst Peter Schmitz‘ bezeichnete Bockhop die Fusionen des Fleckens Bruchhausen-Vilsen 2011 mit der Gemeinde Engeln und 2016 mit Süstedt. „Wenn es gelingt, Menschen so mitzunehmen, dass sie sagen ,Wir werden nicht fusioniert, wir fusionieren, wir sind dabei‘, dann ist das eine Leistung“, sagte der Landrat. Schmitz habe in der Vorbereitungszeit immer wieder betont, dass die Gemeinden zu einem Kirchspiel und damit auch politisch zusammengehören. Bockhop bescheinigte dem Geehrten, nachhaltig zu arbeiten: „Am Ende wird das Ergebnis von den Menschen akzeptiert.“

„Peter Schmitz hat Ausgleich in jedes Gespräch gebracht, zugehört“

Der Landrat zählte einige Erfolge auf: 2002 war Schmitz an der Gründung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bruchhausen-Vilsen beteiligt. Zudem setzte er sich jahrelang für die Sanierung des Alten Gaswerks ein, das heute eine Kultur- und Begegnungsstätte ist. Und auch bei der Gründung der „OBaMa“-Genossenschaft, die den alten Ostbahnhof zu einem Gästehaus umwandeln will, hatte Schmitz seine Finger im Spiel.

„Peter Schmitz hat Ausgleich in jedes Gespräch gebracht, zugehört“, fuhr Bockhop fort. „Er hat eine ruhige, offene, ehrliche Art und schafft eine Atmosphäre, die locker, wahrhaftig und nachhaltig ist.“

Auch Lars Bierfischer, seit 2016 Fleckenbürgermeister, lobte das Engagement seines Vorgängers. Er fügte der langen Liste von Einsatzfeldern etliche Vereine hinzu, in deren Vorstand sich Schmitz engagiert hat, beispielsweise im Segelflugverein Hoya. Bierfischer nannte Schmitz einen „ausgleichenden Pol“. „Der Kontakt zu den Menschen war dir immer wichtig“, ergänzte der amtierende Bürgermeister an Schmitz gewandt.

Ansprechpartner bei Sorgen und Nöten 

Horst Wiesch, der als Gemeindedirektor 14,5 Jahre mit Schmitz zusammengearbeitet hatte, ergriff ebenfalls das Wort. Die Stadtkernsanierung, der Kreiselbau, die Sanierung des Bahnhofsgebäudes, die Rettung des Bavendamschen Hauses, der Bau des Rewe-Einkaufszentrums, neue Baugebiete, ein neues Gewerbegebiet – an all diesen Projekten sei Schmitz beteiligt gewesen. „Vor allem aber warst du ein Bürgermeister zum Anfassen“, sagte Wiesch. „Du warst immer ansprechbar für die Bürger, hast dir ihre Sorgen angehört und dich gekümmert.“

Allerdings habe sich Schmitz auch mal einen Fauxpas geleistet: „Auf der ,Grünen Woche‘ in Berlin hast du sehr zur Belustigung unserer Frauen für den hohen Natrium-Gehalt von Vilsa-Wasser geworben“, sagte Wiesch schmunzelnd und stellte klar: „Vilsa hat natürlich einen besonders niedrigen Natrium-Gehalt.“

„Ein Mann mit Visionen und Geduld“ ist Peter Schmitz für Heinrich Wachendorf, der bis zur Fusion mit Bruchhausen-Vilsen Bürgermeister der Gemeinde Engeln war.

Liebe Worte an die Ehefrau 

Das letzte Wort hatte der sichtlich gerührte Peter Schmitz selbst. Er sprach seinen Nachfolger direkt an: „Wenn ich dich angucke, denke ich, ich habe alles richtig gemacht. Und ich habe nie im Rat alle Stimmen bei der Bürgermeisterwahl geholt – du hast das sofort geschafft.“

Schmitz: „Ganz wichtig ist auch meine Frau. Knuffel, es ist super, wie du mich immer ertragen hast!“ Und nach einer Reihe von weiteren netten Worten über andere schloss Schmitz: „Ich danke euch allen. Ihr habt es mir wirklich leicht gemacht, meine Aufgabe auszufüllen.“

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