Michael Wegner steht seit 25 Jahren für maßgeschneiderte Jugendarbeit

Alltagsorientiert und dezentral

Michael Wegner schafft Räume für die Jugendarbeit, in denen sich Jugendliche wohlfühlen, hier mit (von links) Hassan, Issa und Khaled im Brokser Jugendhaus.
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Michael Wegner schafft Räume für die Jugendarbeit, in denen sich Jugendliche wohlfühlen, hier mit (von links) Hassan, Issa und Khaled im Brokser Jugendhaus.
  • Anne-Katrin Schwarze
    vonAnne-Katrin Schwarze
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Br.-Vilsen – Als sich seine Chefin Cattrin Siemers angekündigt hat, ihm für „25 Jahre treue Dienste“ eine gleichlautende Urkunde zu überreichen, war ihm klar, das muss groß gefeiert werden. „Weil Jugendarbeit hier nicht einer allein macht.“ Seit 1996 ist Michael Wegner der Kopf der Jugendarbeit in der Samtgemeinde. Dass sie heute an fünf Standorten verteilt auf alle Mitgliedsgemeinden mit festangestellten Leitungen vorhanden ist, war seine Idee, funktioniert aber seiner Meinung nach nur, weil ein tolles Team dahintersteht. Ohne amtierende und frühere Weggefährten wollte er den beurkundeten Dank nicht entgegennehmen. Nirgend anders als im Brokser Jugendhaus hätte diese Ehrung stattfinden können.

„Das ist der schönste Arbeitsplatz der Welt“, findet Michael Wegner. Nicht etwa, weil er da ein schickes Büro mit Aussicht hätte. Sein PC steht in der kleinsten Kammer zwischen allerlei gelagertem Material. Seine Arbeit findet nur selten am Schreibtisch statt, sondern meistens in der Küche, im Bandraum, am Billardtisch, auf dem Fitnessboden – da, wo Jugendliche sind, wo sie sich wohlfühlen, wo sie in vertrautem wie geschütztem Rahmen mit Erwachsenen ins Gespräch kommen und Rat gerne annehmen.

„Jugendarbeit muss dezentral passieren“, hieß sein Ansatz, als er sich noch als Student der Erziehungswissenschaften auf die erstmals ausgeschriebene Stelle des hauptamtlichen Samtgemeinde-Jugendleiters bewarb. Nur ein Tag blieb ihm, nach dem Vorstellungsgespräch im Rathaus auch die Politiker des Samtgemeinderates zu überzeugen, davon, dass Jugendarbeit ein Konzept braucht und einen Kopf, der ein engagiertes Team zusammenstellt.

Damals noch auf Folien und mit kopierten Zetteln, skizzierte Michael Wegner ein Modell, das Jugendarbeit auf viele Füße stellt; und vor allem da angeboten wird, wo die Jugendlichen sind, in den Dörfern. Dass die Samtgemeinde in Martfeld, Schwarme, Asendorf, Scholen und Bruchhausen-Vilsen fünf Jugendhäuser betreibt, geht auf seine Initiative zurück.

Das Dankeschön, das sein Arbeitgeber jetzt aussprach, spielt Michael Wegner umgehend zurück an Rat und Verwaltung und reicht es weiter an den Samtgemeinde-Jugendring. „So einen gut funktionierenden Zusammenschluss aus Vereinen, die Jugendarbeit machen, gibt es im ganzen Landkreis nicht noch einmal“, weiß er sich in einer guten Lage. Gemeinsam organisieren er und diese Initiative Veranstaltungen wie den Indoor-Spieletag. Jugendarbeit in Projekten, dafür steht der 51-Jährige.

Segelfreizeiten auf dem IJsselmeer, Kanutouren, die Ferienkiste, die Skaterbahn und immer wieder Konzerte im Jugendhaus sind und waren solche Projekte. Von seinen zahlreichen Weiterbildungsmaßnahmen hat der Diplom-Pädagoge auch die Idee für die Umfrage „Deine Stimme zählt“ mitgebracht, an der sich Ende 2018/Anfang 2019 etwa 350 Jugendliche beteiligt hatten.

„Ich bin gespannt, was wir bis 2030, also nach zehn Jahren, von dieser Wunschliste abhaken können.“ Und seine persönliche Wunschliste für die nächsten Jahre? „Die Kinder haben tolle Vorschläge gemacht zu Radwegen oder den Bädern“, lenkt er erneut von sich ab. Seine Rolle ist es, den Bedarf zu erkennen, daraus Wünsche zu formulieren und sich für die Umsetzung einzusetzen. Also eine fundierte Basis zu schaffen.

Ganz so, wie er es als ehemals hauptberuflicher und jetzt immer noch leidenschaftlicher Bassmann macht: Er steht mit seinem Instrument nicht in der ersten Reihe, aber ohne den profunden Sound aus seinen Fingern würde dem Ganzen das Fundament fehlen.

Ein engagiertes Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen, viele seit Jahren dabei, macht die Jugendarbeit in der Samtgemeinde aus. „Jugendarbeit steht eher am Rand der Aufmerksamkeit“, beobachtet er andernorts. „Die Samtgemeinde ist für den ländlichen Raum gut aufgestellt“, weiß er zu beurteilen. Immer wieder hat er betont, dass junge Erwachsene ihrer Region treu bleiben, wenn sie sich als Jugendliche dort wohlgefühlt haben. Daran wirkt er mit. „Die Jugendarbeit hier ist alltagsorientiert.“ Sie trägt damit seine Handschrift. Offiziell seit 25 Jahren, tatsächlich seit September 1996, denn die Zeit seines des Zivildienstes wird angerechnet.

Jugendarbeit funktioniert nicht nach Mustern. In Bruchhausen-Vilsen heißt die Maßschneiderei Michael Wegner & Team.

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