„Alles hervorragend gepflegt“

Viel Lob für den DEV für die Tage der Eisenbahnfreunde

Dass auch die mächtige dieselbetriebene Rangierlok aus der Baureihe V 36 zum Einsatz kommt, lässt die Herz der Eisenbahnfreuner höher schlagen.
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Dass auch die mächtige dieselbetriebene Rangierlok aus der Baureihe V 36 zum Einsatz kommt, lässt die Herz der Eisenbahnfreuner höher schlagen.

Br.-Vilsen – Schon seit Jahren ist Bruchhausen-Vilsen Anfang August das Mekka der Liebhaber alter Eisenbahntechnik, so auch wieder an diesem Wochenende. Wie allein schon die Autokennzeichen auf den Parkplätzen verrieten, waren einmal mehr zahlreiche Eisenbahnfreunde aus ganz Deutschland in den Luftkurort gepilgert, um die vom Deutschen-Eisenbahn-Verein (DEV) im Umfeld des Bahnhofes ausgerichtete zweitägige Veranstaltung zu besuchen, die diesmal unter dem Motto „Wir machen Dampf“ stand.

Und sie sollten ihr Kommen nicht bereut haben, wurde ihnen doch ein abwechslungsreiches Programm geboten, bei dem allein zwei Dampf- und vier Diesellokomotiven sowie ein Triebwagen zum Einsatz kamen – allesamt voll funktionstüchtig und bis unmittelbar vor ihrem Einsatz von den Vereinsmitgliedern auf Hochglanz herausgeputzt. Für die meisten der fast durchgehend mit Fotoapparaten ausgestatteten Besucher war dann auch mindestens eine der ab Mittag im Stundentakt angebotenen Fahrten mit den unterschiedlich zusammengestellten Zügen auf der acht Kilometer langen Strecke der Museumseisenbahn nach Asendorf obligatorisch, auch wenn dabei coronabedingt strenge Hygienevorschriften gewahrt werden mussten.

„Für mich ist hier das Besondere, dass im Gegensatz zu Veranstaltungen anderer Vereine nicht nur eine Museumsbahn zu sehen ist, sondern gleich das ganze Spektrum der alten Eisenbahntechnik, noch dazu auf unterschiedlichen Spurbreiten“, betonte Jonas Gutermuth, der eigens aus dem rheinland-pfälzischen Bad Hönningen angereist kam. Zünftig gekleidet war das DEV-Mitglied gemeinsam mit Freundin Angelina in der Bahnsteigbetreuung eingesetzt.

Die mehr oder weniger technikinteressierten, überwiegend männlichen Gäste, nutzten die Tage natürlich auch zum Erfahrungsaustausch und mancher Fachsimpelei. Dass die Begeisterung für historische Eisenbahnen inzwischen allerdings längst nicht mehr allein eine Domäne der Männerwelt ist, unterstreicht hingegen die Tatsache, dass es in Vilsen gleich mehrere geprüfte Dampflokführerin gibt. Ansonsten scheint jedoch die Eisenbahnpassion nicht selten vom Vater auf den Sohn übergegangen oder wie bei Gerhard Etzel aus Flensburg, geradezu in die Wiege gelegt worden zu sein, schließlich wurde ihm bereits im zarten Alter von sechs Monaten eine Modelleisenbahn vermacht. Seine daraus im Laufe der Zeit erwachsene Liebe zu dampfangetriebenen Fahrzeugen hat sich der 66-jährige bis heute bewahrt, allerdings nicht als Lokomotivführer, sondern als Kapitän des Museums-Dampfschiffes „Alexandra“ auf der Flensburger Förde. Die Eisenbahnertage verband er, der im Übrigen viel Lob für den von den Veranstaltern betriebenen Aufwand und deren Idealismus fand, mit einem Besuch der in Hoya lebenden Familie seines Sohnes. Auch andere Besucher nutzten das Event zu einem Kurzurlaub in der Region.

Ein Paar aus Berlin, der Mann seit einiger Zeit selbst Dampflokführer, hob besonders die Authentizität der hier vom DEV vorgestellten, aus ganz Deutschland stammenden Lokomotiven, Waggons und des weiteren Equipments hervor. „Das hier Gebotene findet man in dieser Dichte sonst kaum, noch dazu alles hervorragend gepflegt und einwandfrei funktionierend“, betonte anerkennend ein anderer Besucher mit nicht zu überhörendem schwäbischen Akzent.

Mit den aus dem niederrheinischen Rheinberg angereisten Robert und Alexander Angerhausen waren gleich zwei Familienmitglieder vor Ort aktiv. Während sich Sohn Alexander als Rangierer darum kümmerte, dass die Züge pünktlich und von den richtigen Gleisen abfuhren, erklärte Vater Robert in einer etwa 45-minütigen Vorführung – sicherlich einer der Höhepunkte der ersten Tages – auf anschauliche Weise Historie, Prinzip, Technik und Anwendungsweise des sogenannten Rollbocks. Dazu muss man wissen, dass in Bruchhausen-Vilsen zwei unterschiedliche Spurbreiten aufeinandertreffen: bis nach Asendorf die einst kostengünstiger anzulegende 1000 Millimeter breite Schmalspur, und zwischen Eystrup und Syke die heute übliche 1435 Millimeter breite Normalspur. Da die Züge nur auf eine der beiden Spuren eingesetzt werden konnten, mussten die beförderten Güter in früheren Zeiten von Hand umgeladen werden, ein nicht immer unproblematischer und zudem personal- und zeitaufwendiger Vorgang, wie Angerhausen erklärte.

Ab 1940 kamen daher zunehmend Rollböcke zum Einsatz, vierrädrige und zweiachsige Fahrgestelle mit einer Mitteltraverse, die in einer eigens dafür in der Mitte des Bahnhofs angelegten flachen Vertiefung im Gleisbett – der Rollbockgrube – unter die jeweiligen Güterwaggons geschoben wurden. Sie ermöglichten anschließend die Fortsetzung der Fahrt auf der anderen Spurbreite. Mit wie wenig Kraftanstrengung sich diese nach Worten des Vorführenden immerhin fast zwei Tonnen schweren Rollböcke auf den Schienen bewegen lassen, demonstrierte er unterstützt von einem etwa zehnjährigen Jungen aus der Zuschauerschaft, wofür es für diesen einen Extraapplaus gab. Dass bei der Vorführung auch die mächtige dieselbetriebene Rangierlok aus der Baureihe V 36 Verwendung fand, ist hier nur eine Randnotiz, ließ aber sicherlich das Herz so manchen Eisenbahners höher schlagen.

Da sich die Befragten durchgehend lobend über Programm, Ablauf und Organisation äußerten, konnte Martin Thies aus Bremen, Pressesprecher des DEV, ein positives Fazit der gut besuchten zweitägigen Veranstaltung ziehen und sich über deren erneut gute Resonanz freuen, wenn er feststellte: „Es gab reichlich Dank und Anerkennung von Besuchern und Fahrgästen“.

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