Martin Grigat ist Autor

Alles mit den Augen

Autor Martin Grigat mit (v.l.) seiner Schwester Elke Arnebold, seiner Mutter Ilona Grigat und seiner Nichte Angelique Arnebold. Foto: Anke Seidel
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Autor Martin Grigat mit (v.l.) seiner Schwester Elke Arnebold, seiner Mutter Ilona Grigat und seiner Nichte Angelique Arnebold.

Nur mit den Augen kann Martin Grigat kommunizieren. Er ist an einer außergewöhnlich schweren Form von Multiple Sklerose erkrankt. Trotzdem hat sich der 47-Jährige einen Herzenswunsch erfüllt. Mit seinem augengesteuerten Spezial-Computer hat er Kurzgeschichten geschrieben und jetzt ein Buch bei Books-on-Demand veröffentlicht. „Alles mit den Augen“ lautet der Titel.

Br.-Vilsen – Sein Spezial-Computer ist für Martin Grigat das Tor zur Welt und zu seinen Mitmenschen. Mit den Augen steuert der 47-Jährige, der an einer besonders schweren Form von Multiple Sklerose leidet, das Gerät – und kann seine Gedanken und Empfindungen so in Worte fassen.

Es braucht viel Zeit, Geduld und vor allem große Konzentration, um auf diese Weise Texte oder E-Mails zu schreiben. So mühsam das auch ist, Martin Grigat hat seinen Mut nicht verloren und sich einen Herzenswunsch erfüllt: Er hat ein Buch veröffentlicht.

Bei Books-on-Demand ist der Band mit 26 Kurzgeschichten erschienen, die ganz Alltägliches mit einfühlsamer Beobachtungsgabe beschreiben. Da ist zum Beispiel diese Frau hinter der Gardine, die alles heimlich beobachtet – und doch nicht unentdeckt bleibt.

Und da ist die Geschichte von der Versöhnung zwischen Vater und Sohn, die erst eine schwere Erkrankung des Vaters möglich macht. Oder der Alltag im Krankenhaus mit seinen Wechselfällen, bei denen es viel Geduld und nicht zuletzt Humor braucht. Eigene Erlebnisse hat der Autor übrigens eingeflochten.

Tragik und Komik liegen im Leben oft beieinander – auch das ist eine Botschaft in den Geschichten des 47-Jährigen, die aber nur eine Auswahl seines schriftstellerischen Werks darstellen. Denn Martin Grigat hat weit mehr als die 26 Kurzgeschichten in „Alles mit den Augen“ geschrieben.

„Es sind rund 50“, sagt seine Mutter Ilona, die ihren Sohn regelmäßig besucht – genauso wie die Schwester des 47-Jährigen, Elke Arnebold, und deren Tochter Angelique. Sie ist begeistert vom Buch ihres Onkels mit dieser Auswahl seiner Geschichten: „Ich bin absolut keine Leserin. Aber dieses Buch habe ich an einem Tag durchgelesen“, sagt sie.

An diesem Besuch kann die zweite Schwester von Martin Grigat, Heike, nicht teilnehmen. „Sie ist auch an Multiple Sklerose erkrankt und auf den Rollstuhl angewiesen“, sagt Mutter Ilona Grigat. Aber sie könne Zuhause leben und werde von ihrem Ehemann gepflegt.

Zweieinhalb Jahre hat Martin Grigat, gelernter Industriekaufmann, an seinem 88 Seiten starken Buch gearbeitet. Geschrieben, korrigiert und sich Passagen immer wieder vorlesen lassen, um sie noch zu verbessern. Denn auch das kann sein Spezialcomputer: Wörter in Sprache umsetzen.

Es ist ein völlig anderes Leben als das, was der begeisterte Werder-Bremen-Fan noch vor 16 Jahren führte. Damals war Multiple Sklerose bei ihm diagnostiziert worden. Damals, als er als selbstständiger Computer-Spezialist im Web-Design gearbeitet hatte. „Mit festen Aufträgen“, erzählt seine Mutter Ilona stolz über ihren Sohn, der leidenschaftlicher Handball- und Billardspieler war.

Allen Hoffnungen zum Trotz verschlechterte sich der Gesundheitszustand des 47-Jährigen aus Oyten. Vor zweieinhalb Jahren musste er in die Therapie- und Pflegeeinrichtung Gut Retzen, Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, umziehen. Seine Familie ist voller Anerkennung für die Zuwendung und die Pflege, die Martin Grigat dort erhält.

Mit Fotos und Fan-Artikeln von Werder Bremen, Musik-CD’s und Bildern ist sein Zimmer wohnlich eingerichtet. Im Zentrum steht der Spezialcomputer. „Martin war schon mal im Stadion und will auch wieder hin“, berichtet Mutter Ilona über die Leidenschaft ihres Sohnes für Werder Bremen. Aber der 47-Jährige lebt auch seine zweite Leidenschaft: das Schreiben.

Deshalb will Martin Grigat ein zweites Buch herausbringen – einen Krimi. Den Titel hat er schon: „Stefan“. Seine Familie ist gespannt: „Das klingt zwar ungewöhnlich, macht aber auch neugierig.“

Mutter, Schwester und Nichte hoffen, dass dieses Werk bei den Lesern später genauso gut ankommt wie „Alles mit den Augen.“ Sogar aus Österreich habe es Bestellungen gegeben, so Ilona Grigat abschließend.

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