Wo alle Kids ihr Ding machen können

Jugendhaus Martfeld feiert zehnten Geburtstag

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Freuen sich auf die Geburtstagsfeier am Sonntag: Morten, Adil, Jugendpfleger Sven Böhm, FSJlerin Jane und Kim (von links).

Martfeld - Von Mareike Hahn. Jugendliche brauchen einen Ort zum Abhängen – abseits von Schule und Zuhause. „Einen Ort, wo sie ihre Sachen machen können und ein offenes Ohr finden“, sagt Jugendpfleger Sven Böhm. Seit 2007 finden alle Mädchen und Jungen eine solche Anlaufstelle im Jugendhaus Martfeld. Am Sonntag, 3. September, feiert die Einrichtung ihren zehnten Geburtstag.

Böhms Jugendpfleger-Kollege Michael Wegner hatte das „Juhama“ gemeinsam mit dem Martfelder Rat initiiert. Im Frühjahr 2007 begannen die Renovierungsarbeiten in dem Gebäude am Alten Schulweg, in dem sich früher eine Tischlerei befand. Beim Innenausbau halfen auch etwa 15 Jugendliche.

Zwölf regelmäßige Gäste

Im September vor zehn Jahren folgte die Eröffnung. Billardtisch, Kicker, Basketballkorb – die Mädels und Jungs durften Wünsche äußern, was auf keinen Fall fehlen sollte. Entsprechend wohl fühlen sie sich in ihrem Jugendhaus. „Etwa zwölf Jugendliche schauen regelmäßig vorbei, vereinzelt kommen noch andere dazu“, erzählt Leiter Böhm. Am donnerstäglichen Kochtag seien es auch schon mal bis zu 20.

Zurzeit sind die meisten Gäste 14 bis 23 Jahre alt. „Das ändert sich aber immer mal.“ 2016 besuchten laut Böhm insgesamt 96 verschiedene Kids zwischen zehn und 21 Jahren die Einrichtung. Er schätzt, dass 55 Prozent Jungen und 45 Prozent Mädchen sind. Dass die Zahlen schwanken, sagt nach Ansicht des Jugendpflegers nichts über den Erfolg des „Juhama“ aus: „Man muss das auf lange Sicht sehen.“

Kinder haben „Do it yourself“-Dienstag selbst initiiert

Dem gelernten Erzieher und Fachwirt für Kindertagesstätten ist es wichtig, die Wünsche der Jugendlichen zu berücksichtigen. „Wenn sie Bock haben, ein Sandwich zu machen, dann machen wir ein Sandwich“, sagt er beispielhaft. Die Kids können ihre Ideen einbringen. So wollten sie immer mal wieder etwas Handwerkliches machen. In der Folge entstand der „Do it yourself“-Dienstag, an dem die Mädchen und Jungen ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. So haben ein paar von ihnen aus Holz einen „Halli Galli“-Tisch gebaut, um daran das Kartenspiel zu spielen.

Ein Zeichenprojekt möchte Jane künftig anbieten. Sie absolviert seit diesem Sommer ein Freiwilliges Soziales Jahr im „Juhama“ und im Kindergarten Martfeld.

Ein weiterer Plan für die Zukunft ist die „Nachbarschaftshilfe“: „Ich möchte gerne einführen, dass sich ältere Leute hier melden können, wenn sie Hilfe zum Beispiel beim Aufbauen eines Regals brauchen. Die Jugendlichen könnten ihnen dann ehrenamtlich helfen“, sagt Böhm, der das Jugendhaus seit zehn Jahren leitet.

Böhm würde gern politische Bildung anbieten

Außerdem hat der 35-Jährige vor, „den Kids die Welt zu öffnen“. Vorstellen kann er sich etwa politische Projekte. „Trump, Erdogan und die AfD sind natürlich Thema. Ich würde gerne mit den Jugendlichen erarbeiten, was dahintersteckt und dann eine Ausstellung gestalten. Auch präventiv, um den rechten Gedanken gar nicht erst aufkommen zu lassen.“

Im „Juhama“ wird das Miteinander großgeschrieben. Willkommen ist jeder, unabhängig von der Nationalität. Auch Jugendliche mit Kontaktschwierigkeiten werden herzlich aufgenommen. Dass die Besucher gut miteinander auskommen und keine Langeweile haben, zeigt sich auch daran, dass Handys im Jugendhaus keine große Rolle spielen. Böhm: „Klar gucken die Kids immer mal drauf, aber hier sitzt keiner drei Stunden vor seinem Smartphone.“

Das Gebäude ist offen für alle. Wenn Jugendliche aus Martfeld Geburtstag haben, bekommen sie vom „Juhama“ einen Brief. Sie können ihren Ehrentag dort gegen eine Spende feiern. Grundschulklassen grillen auf dem Gelände, und auch die Pfadfinder nutzen es als Treffpunkt. Der Mietvertrag läuft noch rund fünf Jahre. Böhm hofft, dass er anschließend verlängert wird, „am liebsten gleich für 30 Jahre“.

„Ohne unsere FSJlerin geht es nicht“

Der 35-Jährige leitet das „Juhama“ mit einer halben Stelle, zusätzlich ist er mit einer halben Stelle als Koordinator im Ganztagsbereich an der Grundschule Bruchhausen-Vilsen tätig. Für das Martfelder Jugendhaus wünscht er sich „mehr Zeit und mehr Geld“. Böhm: „Ohne Unterstützung der FSJlerin und der Jugendgruppenleiter könnten die Öffnungszeiten nicht gewährleistet werden.“

Im diesjährigen Haushalt der Gemeinde Martfeld als Trägerin sind gut 30.000 Euro fürs „Juhama“ eingeplant. Um die Öffnungszeiten auszuweiten und mehr Jugendleiter zu bezahlen, müsste weiteres Geld her. „Die Jugendlichen möchten gerne noch häufiger herkommen“, sagt Böhm. Er würde ihnen diesen Wunsch gerne erfüllen.

Die Feier

Das „Juhama“ feiert am Sonntag seinen zehnten Geburtstag. Alle Bürger sind von 15 bis 18 Uhr willkommen. Der Eintritt ist frei. Es gibt Kaffee und Kuchen, Kaltgetränke und warme Speisen. Eine Riesenhüpfburg und ein Spielmobil sind vor Ort. Interessierte können Seife kneten, bei einem Getreide-Quiz mitmachen und Laternen basteln. Puppenschwester Barbara Hache aus Martfeld tritt auf. Wer möchte, bekommt einen Eventpass, mit dem er alle neun Stationen abklappern kann. Als Belohnung für neun Stempel gibt‘s ein Freigetränk und ein Essen.

Die Öffnungszeiten

Das „Juhama“ ist montags, dienstags, donnerstags und freitags jeweils von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Einen „offenen Treff“ gibt es montags und freitags. Dienstags heißt es „Do it yourself“, dann ist Werken und Gestalten angesagt. Donnerstags kochen und schlemmen die Besucher zusammen.

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