„Großartige Zeit“ geht vorbei

Akrobatik-Familie trennt sich - Leiterin verlässt Gymnasium

Äußerst akrobatisch sind die Figuren der Fünft- bis Zwölftklässler des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen.

Br.-Vilsen - Wenn Schüler das Kolosseum nachstellen, eine Schwarzlichtshow zu „Star Wars“ aufführen und siebenstöckige menschliche Pyramiden bauen, dann probt die Akrobatik-AG für ihren nächsten Auftritt. Rund viereinhalb Jahre ging es bei den Schülern des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen mehrere Stunden pro Woche akrobatisch zu. Doch damit ist jetzt Schluss. Lehrerin Catrin Gläser arbeitet nicht mehr am Gymnasium, und mit ihr ist auch die Arbeitsgemeinschaft gegangen. „Schade“, meinen die Schüler.

Lehrerin Dr. Catrin Gläser gründete im Frühjahr 2013 die Akrobatik-AG am Gymnasium Bruchhausen-Vilsen. Nur rund einen Monat nachdem sie angefangen hat, dort zu arbeiten. Anfangs machten fünf Schüler mit. „Seitdem ist viel passiert“, teilt die AG mit. Zum Schluss zeigten 17 Schüler ihr akrobatisches Geschick. „Das ist wirklich außergewöhnlich, was die Schüler geleistet haben“, sagt Gläser rückblickend.

Die AG plante und organisierte verschiedene Veranstaltungen, bei denen sie auftrat: Weihnachtsbasare, Neujahrsempfänge, Sommerfeste und zwei Kleinkunstfestivals.

Jeden Freitag trainierten die Schüler rund drei Stunden. Dazu kamen Proben an etlichen Wochenenden und Ferientagen. „Es hat sich gelohnt“, sind sie sich einig. Bis unter die Hallendecke ragten die siebenstöckigen Pyramiden, die die Schüler formten.

Besonders ist ihnen das erste Kleinkunstfestival im vergangenen Jahr in Erinnerung geblieben. Sie interpretierten Filme wie „Star Wars“ und „Ghostbusters“ auf ihre eigene Art und zeigten das Ergebnis vor mehr als 650 Zuschauern. Schnell war klar: Ein zweites Kleinkunstfestival folgt.

Akrobatik-AG am Gymnasium Bruchhausen-Vilsen wird beendet

Im Januar dieses Jahres war es dann so weit: Die Schüler führten vor mehr als 850 Besuchern eine atemberaubende Show unter anderem mit einer Schwarzlichtshow zu „Star Wars Episode II“ auf oder stellten die „Titanic“-Geschichte nach.

Die AG übte nicht nur am Trapez, Balken, auf dem Trampolin und die rhythmische Sportgymnastik, sondern auch das Jonglieren und Zaubern.

Unterstützt wurde die AG dabei neben Catrin Gläser auch von rund 60 Schüler sowie Ehemaligen. „Dafür möchten wir euch herzlich danken, genauso wie Reinhard Heinrichs (Schulleiter, Anm. d. Red.), der uns sein uneingeschränktes Vertrauen schenkte und uns bestmöglich bei allem unterstützte“, teilen die Schüler der AG mit. Einen großer Dank sprechen sie Christina-Marie Steffens, Leiterin des Projektchors, sowie den Ton- und Lichtkünstlern Michael Braun, Michael Ullmann, Frank Wessels, Jan Wendt und der Technik-AG aus. „Ohne euch hätten wir bei jeder Veranstaltung sprichwörtlich im Dunkeln gestanden.“ Doch was wäre all die Mühe, ohne ein Publikum, das sich die Show ansieht? „Ohne das wären alle unsere Auftritte nur halb so schön geworden.“

Von den Einnahmen bei den Veranstaltungen kauften die Schüler Requisiten, Pullis für ein einheitliches Erscheinungsbild, und sie luden alle Aktiven nach den Kleinkunstfestvials zu einem Essen ein. „Des Weiteren verbrachten wir im Juni 2016 und August 2017 zwei wunderschöne Wochenenden am Alveser See“, sagen die Schüler. Zelten, Baden, Spiele, Gesang und vieles mehr schweißten die Akrobatik-Gruppe noch fester zusammen.

„Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“

„Wie heißt es doch so schön? Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, sagen die Schüler. Und der Punkt ist nun gekommen. Catrin Gläser habe die Schüler immer bei allem unterstützt und für jeden ein offenes Ohr gehabt. Ihre Schützlinge danken ihr „für vier tolle Jahre und dieses schöne Gemeinschaftsgefühl, welches sich trotz des großen Altersunterschieds zwischen uns Fünft- bis Zwölftklässlern entwickelt hat.“ Sie schenkten der Lehrerin zum Abschied ein selbst gestaltetes Buch mit Texten und Bildern. „Da habe ich schon Tränen in den Augen gehabt“, sagt Gläser.

Nicht nur für die Schüler, auch für die Lehrerin war das Training am Freitag wie ein Nachhausekommen. Die Jugendlichen hoffen, den Kontakt aufrechtzuerhalten. „Diese AG ist nicht nur eine AG, sondern Freundschaft und irgendwie auch Familie.“

Wenn Gläser an die viereinhalb Jahre zurückdenkt, „muss ich einfach schmunzeln,“ sagt sie. „Für mich war die AG wirklich ein Highlight und die Gruppe einfach großartig.“

Die übrig gebliebenen Einnahmen vom Kleinkunstfestival spendete die AG an „Release“, ein Netzwerk psychosozialer Hilfen in Bruchhausen-Vilsen. Exakt 268 Euro übergaben sie an den Verein, „weil Kinder und Jugendliche in Krisensituationen dort verlässlich Hilfe bekommen.“ 

Zur Person:

Catrin Gläser unterrichtete am Gymnasium Erdkunde, Sport und das Seminarfach. Die Akrobatik-AG leitete sie rund viereinhalb Jahre. Gestern war ihr erster Arbeitstag an ihrer neuen Arbeitsstelle, einem Gymnasium in Potsdam. Sie bietet dort auch wieder eine Akrobatik-AG an.

vik

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