Piloten mit Bodenhaftung

Aircombat-Wettbewerb: Wilde Verfolgungsjagden und atemberaubende Manöver

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Fliegerschicksal: Bergung eines Jagdflugzeugs japanischen Vorbilds aus einem Rapsfeld neben dem Flugfeld.

Schwarme - Von Ulf Kaack. Der Motor heult auf und singt bei höchster Drehzahl. Eine enge Linkskurve, dann scharf nach rechts. Doch der Verfolger, ein japanischer Jäger vom Typ Seiran, hängt Thomas Koriath ganz dicht hinten am Leitwerk, lässt sich nicht abschütteln. Der Pilot der zweimotorigen Henschel Hs 129 hat Schweißperlen auf der Stirn.

Seine Hände fliegen über die Bedienelemente der Steuerung, der Fernsteuerung. Denn der bis an seine Konzentrationsgrenze belastete Pilot steht mit beiden Beinen fest auf der Erde.

Atemberaubende Manöver bei irrwitzigen Geschwindigkeiten

Turbulent ging es am Samstag über dem Schwarmer Bruch zu: Historische Jagdflugzeuge im Miniaturformat lieferten sich heiße Luftkämpfe unter der grauen Wolkendecke. Wilde Verfolgungsjagden und atemberaubende Manöver bei irrwitzigen Geschwindigkeiten. Aircombat heißt dieser sportliche Wettkampf, zu dem der Modellflugverein Schwarme (MFV) eingeladen hatte. Das Event war ein Vorbereitungslauf für die Deutsche Meisterschaft in dieser Disziplin. Rund zwei Dutzend „geerdete Piloten“ aus dem gesamten norddeutschen Raum waren am Start.

Auf Bruch ist Aircombat-Pilot Thomas Koriath bestens vorbereitet: links das Wrack seiner nach einer Luftkollision abgestürzten Henschel Hs 129, rechts die Ersatzmaschine.

„Geflogen wird in drei Klassen: den Jagdflugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg im Maßstab 1:12, Maschinen aus dem Ersten Weltkrieg im Maßstab 1:8 sowie der leichten und etwas langsameren EPA-Einsteigerklasse“, erklärt MFV-Vorsitzender Bernd Beschorner das Reglement. „Sieben Flugzeuge, jeweils mit einer zwölf Meter langen Papierfahne am Heck, liefern sich für sieben Minuten ein packendes Luftduell am Himmel. Das rasante Spektakel ist ein spannendes Schauspiel für die Zuschauer – für die Piloten jedoch Stress pur, denn die Adrenalinschübe kommen im Sekundentakt.“

Nicht selten endet das Duell auf dem Schrottplatz

Es geht darum, beim gegnerischen Flieger das nachgeschleppte Band zu durchtrennen. Dafür ist an den vorderen Kanten der Tragflächen raues Schleifpapier aufgetragen. Jedem Piloten ist während des „himmlischen Tohuwabohus“ ein eigener Schiedsrichter zugeteilt, der den Überblick behält und die erzielten Schnitte dokumentiert.

Aircombat beim Modellflugverein Schwarme

Bruch ist bei dem Wettbewerb Teil des Entertainments. Thomas Koriath hat es in einem Durchgang gleich zu zwei Abstürzen gebracht: „Zuerst habe ich mir eine gegnerische Papierfahne in einen der beiden Propeller gezogen“, berichtet der 52-Jährige. „Die Maschine fiel zu Boden, konnte aber nach dem Entfernen des Bandes sofort wieder aufsteigen. Dann hat mich ein Kollege im Getümmel übersehen, und es kam in der Luft zur Kollision. Die Henschel ist Schrott.“

Schäden sind innerhalb weniger Minuten repariert

Was aber nicht schlimm ist, wie er sagt. Für solche Fälle hat er immer mehrere Ersatzmodelle dabei. Thomas Koriath hat diesen Typ nach dem Vorbild des Erdkampfflugzeugs Henschel Hs 129 der Reichsluftwaffe gebaut. Anhand von Bauplänen hat sie der aus dem friesischen Bockhorn stammende Modellflieger nachkonstruiert und eine ganze Serie von Rümpfen aus Kunststoff-Schaum mit der Heißdrahtsäge und anschließend in Handarbeit geformt: „Wenn der Rumpf im Wettkampf mal Schaden erleidet, tausche ich binnen weniger Minuten die Motoren und die Elektronik aus, und schon geht’s weiter.“

Das Tragen von Helmen ist für die Modellflieger am Rande der Grasbahn übrigens Pflicht. Sicherheit steht an erster Stelle. Auf dem Kopfschutz von Georg Brümmer ist eine Kamera montiert. Mit der filmt er seine Maschine während des Wettkampfs. Durch die anschließenden Analysen der actionreichen Szenen kann er seine Taktik und Manöver verfeinern. Denn seine Henschel hat sich durch ihre Geschwindigkeit und die hervorragenden Manövriereigenschaften derart bewährt, dass er im Aircombat-Fliegen mittlerweile ganz vorne mit dabei ist.

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