Bürgerinitiative sammelt Unterschriften gegen geplanten Stall

„Die Bauern sind Meister im Verdrängen“

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Diplom-Agraringenieur Eckehard Niemann (links) und die Mitglieder der Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung am Montagabend im Gasthaus Uhlhorn.

Asendorf - Von Horst Friedrichs. „Jeder hat das Recht, einen Bauantrag auf einen Großstall zu stellen. Jeder hat aber auch das Recht, dagegen zu sein.“ So beschrieb Diplom-Agraringenieur Eckehard Niemann am Montagabend die derzeitige Situation in Asendorf.

Michael Eckebrecht schilderte die Beweggründe für sein Stall-Projekt in Arbste.

Auf Einladung der örtlichen Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung sprach Niemann, der aus Bienenbüttel im Kreis Uelzen angereist war, im voll besetzten Saal der Gaststätte Uhlhorn über „Die Auswirkungen von Massentierhaltung auf uns und unsere Umwelt“. Hintergrund und Anlass der Abendveranstaltung war das Vorhaben des Landwirts Michael Eckebrecht, im Asendorfer Ortsteil Arbste einen Stall für 1000 Sauen zu errichten. Unter den Besuchern der Vortragsveranstaltung waren sowohl Mitglieder und Freunde der Bürgerinitiative als auch Michael Eckebrecht und sein Vater Horst sowie weitere Befürworter und Unterstützer ihres Projekts. Die regulären Plätze im Saal des Gasthauses reichten für den Publikumsandrang nicht aus; so mussten zusätzlich die Seitengänge des Saals und teilweise auch der Eingangsflur besetzt werden. Unter dem Motto „Jede Stimme zählt“ sammelte die Bürgerinitiative Unterschriften für die Verhinderung des geplanten Stalls.

Mitglieder der Bürgerinitiative trugen eine rosarote Pappsau mit grafisch geschickt in das „S“ integriertem Ringelschwanz in den Saal. Der Text auf der Pappe lautete: „Eine große Sauerei – Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen: Einwohner 16779 – Schweine p.a. 250000“. Welche Bedeutung der Ringelschwanz sowohl als Symbol als auch im Zusammenhang mit dem Tierschutzgedanken bezüglich der Massentierhaltung hat, schilderte Niemann in seinem Vortrag.

Dieter Bischoff, der am Arbster Weg wohnt, begrüßte die Gäste des Abends: „Ich bin der nächste Nachbar der geplanten Stallanlage. Ich wohne dort seit 62 Jahren, und ich möchte dort auch weiterhin mit meinen Kindern und Enkelkindern leben.“ Das Anliegen der Bürgerinitiative skizzierte Bischoff so: „Unsere Bedenken richten sich nicht gegen die bäuerliche Landwirtschaft, sondern gegen die Massentierhaltung.“

Niemann, selbst Hofeigner, war Landwirtschaftslehrer und Ministerialbeamter. Als Mitgründer der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ verwies er auf deren 350 Mitglieder in Niedersachsen und 3000 im Bundesgebiet. Überdies gebe es ein Netzwerk von Bürgerinitiativen gegen Agrarfabriken.

„Es ist unsere Mitgeschöpflichkeit, die das menschliche Mitgefühl für Tiere bewirkt“, erklärte Niemann und fügte hinzu: „Die Bauern sind Meister im Verdrängen, was den Tierschutzgedanken betrifft.“ Der Spaltenboden etwa habe einst als tolle Sache gegolten, aber was er mit den Schweinen mache, habe man nicht bedacht. Der Ringelschwanz gelte in benachbarten EU-Ländern bereits als Zeichen für eine Schweinehaltung, die in Ordnung ist – ohne Kupieren der Schwänze. Deutschland hinke da hinterher. Niemann betonte: „Wir werden um Stroh in den Schweineställen nicht herumkommen.“

Weiter warnte der Referent Gemeindevertreter vor falsch verstandener Solidarität; das Thema Schadenersatz sei in der jetzigen Phase – vor der Baugenehmigung – noch nicht relevant. Wer es gut meine mit den Bauern, sagte Niemann, der müsse für einen realen Tierschutz kämpfen. Und: „Zu besseren Erzeugerpreisen kommen wir letztlich durch ein Bündnis mit dem Tierschutz.“

Michael Eckebrecht schilderte die Beweggründe für sein Projekt. Angesichts rückläufiger Sauenzahlen im Landkreis Diepholz wolle er in seiner geplanten Anlage die in der Umgebung benötigten Ferkel produzieren. „Die Auswirkungen auf die Anlieger werden minimal sein“, sagte Eckebrecht. „Schließlich werden die Vorgaben des Emissionsschutzgesetzes beachtet, unter anderem durch eine hochmoderne Abluft-Filteranlage.“ In der anschließenden Diskussion über Details erklärte Michael Eckebrecht, dass er über den beantragten Stallbau hinaus keine weitergehenden Pläne habe.

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