Demonstration begleitet Parteiversammlung 

AfD-Vision: Bürgerwehren sollen Polizei entlasten

Markiger Beifall durchzieht die Parteiversammlung der AfD. Links Kreisvorsitzender Andreas-Dieter Iloff, rechts der stellvertretende Landesvorsitzende Jens König. - Foto: Jantje Ehlers
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Markiger Beifall durchzieht die Parteiversammlung der AfD. Links Kreisvorsitzender Andreas-Dieter Iloff, rechts der stellvertretende Landesvorsitzende Jens König.

Br.-Vilsen - Von Anke Seidel. Friedlich sind am Mittwochabend die Anti-AfD-Demonstration und die Versammlung der umstrittenen Partei verlaufen. Während rund 90 Menschen mit Plakaten und Parolen Flagge zeigten gegen die AfD, nahmen rund 50 Interessierte an deren Versammlung im Partyraum Bahnhofshalle teil.

Dort formulierte der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Jens König seine politischen Forderungen – wie die Entlastung der Polizei durch Bürgerwehren. Eine Frau verließ unter Protest den Saal.

„Blau ist das neue Braun“, steht auf einem der Plakate, die Mitglieder der Gruppe „Midea“ (Menschlichkeit ist die einzige Alternative) an diesem Abend präsentieren. Andere kritisieren mit Sprüchen und Reimen AfD-Funktionäre aus dem Landkreis ganz persönlich. Aus dem Partyraum Bahnhofshalle gleich nebenan blicken AfD-Vertreter skeptisch auf die Protestkundgebung. Nina Menzel, Leiterin des Syker Polizei-Kommissariats, hat mit ihren Kollegen beide Schauplätze genau im Blick.

Zufriedene Demonstranten 

Ralf Beduhn von der Gruppe „Midea“ ist zufrieden mit dem „lautstarken, kreativen, bunt-fröhlichen Protest“ und spricht am Ende von 120 Demonstranten – darunter viele Schüler aus Bruchhausen-Vilsen. Sie skandieren: „Ganz Vilsen hasst die AfD!“

Demonstration gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen

Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers
Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers
Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers
Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers
Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers
Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers
Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers
Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers
Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers
Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers
Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers
Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers
Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers
Midea demonstriert gegen AfD in Bruchhausen-Vilsen
Die Demo verlief laut Organisatoren und Polizei friedlich. © Jantje Ehlers

Nur wenige Meter entfernt prüfen AfD-Ordner per Gesichts- und Taschenkontrolle, wer Zugang zur Versammlung bekommt und wer nicht. Mehrere Interessierte werden abgewiesen. Ein junger Mann wird als „Linksfaschist“ eingestuft – dafür entschuldigt sich der stellvertretende Landesvorsitzende später ausdrücklich vor versammeltem Publikum.

Stolz und entschlossen eröffnet AfD-Kreisvorsitzender Andreas-Dieter Iloff den Abend, bevor Harald Wiese als Fraktionsvorsitzender im Kreistag die Arbeit seiner Partei umfassend erläutert – zum Beispiel zum demografischen Wandel, zur fehlenden Geburtshilfe und den Auswirkungen der Flüchtlingskrise.

Energiewende sei Schildbürgerstreich

AfD-Bundestagskandidat Gerd Breternitz bewertet die Energiewende mit ihren hohen Auflagen für Windkraftanlagen und die von den Bürgern zu zahlenden Abgaben als Schildbürgerstreich: „Das ist so, als ob Sie den Liter Milch für 6,70 Euro kaufen würden, obwohl er nur 70 Cent kostet.“

Immer wieder brandet markiger Beifall im Saal auf, als der stellvertretende Landesvorsitzende Jens König die politischen Leitsätze seiner Partei formuliert. Zuvor hat er dem Kreisvorsitzenden noch salopp zugelächelt: „Mit 50 müssen wir uns noch Politik antun, um unser Land zu retten ...“

 Nach dem Schema eines politischen Kompasses (www.politicalcompass.org) verortet König die AfD in der politischen Landschaft – und kommt zu dem Schluss, dass sie zu den „liberalen Rechten“ gehöre, aber deutlich weiter von Margret Thatcher entfernt sei als die Linke von Stalin. Dass – ganz am Rande – auf dieser Grafik auch der Name Hitler auftaucht, erwähnt König nicht.

AfD in der politische Mitte

Dafür zitiert er die Illustrierte Stern, nach der 55 Prozent der Befragten die AfD in der politischen Mitte einordnen. „Selbsteinschätzung“ ist auf der dazu gezeigten Grafik zu lesen. Auch das thematisiert König nicht. Dafür teilt er kräftig aus: „Die Jungs sind nur für sich selber da“, kommentiert er die Erhöhung der Diäten, die von den Abgeordneten selbst beschlossen wird.

„Steuergeld verschwenden, das können sie gut!“, legt er nach. Und klagt: „Die Bundeswehr ist nur noch eine Lachnummer.“ Selbst den heiligen Augustinus  zieht der AfD-Funktionär im Zitat heran: „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande“.

Es ist ein politischer Rundumschlag gegen die etablierten Parteien. Weder CDU noch SPD hätten für Verbesserungen bei der Polizei gesorgt, klagt König – und will den Beamten Bürgerwehren zur Seite stellen. Auch den Kontakt-Schutzmann soll es nach seinem Willen künftig wieder geben.

Ziel: Familien stärken 

Mittelschicht-Familien will der AfD-Mann finanziell stärken. Und behauptet: „Kinder sind die Einkommensquelle der Unterschicht.“ Als der Referent unter besonders starkem Beifall postuliert: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland!“, rauft sich eine ältere Dame die Haare. Eine andere kann die „Polemisierung und Selbstgefälligkeit“ nach eigenen Worten nicht mehr ertragen. Sie verlässt entsetzt den Saal. Ihr folgen leise weitere Zuhörer.

Es ist ein Bürger aus Syke, dem im politischen AfD-Paket „die Flüchtlingspolitik als Alleinstellungsmerkmal“ fehlt. König stellt klar: „Die Ursache der Flüchtlingskrise sind nicht die Flüchtlinge. Das sind die Politiker. Die müssen wir angreifen!“

Die Stimmung wird frostig, als der Pädagoge Tim Schöning kritische Fragen stellt. Ein Wortwechsel endet mit dem gegenseitigen Vorwurf der Unredlichkeit. „Ich gehe davon aus, dass alle Abgeordneten der AfD ihre Diäten spenden?“, fragt der Kreistagsabgeordnete Michael Albers (SPD) süffisant. Das verneint König. Die AfD müsse wie alle anderen Parteien das Geld nehmen: „Wegen der Waffengleichheit.“

Ein Kommentar zu diesem Thema 

Taschenkontrolle: Einmaliger Vorgang in der Politik - Von Anke Seidel

Anke Seidel

Hass-Tiraden, Misstrauen und markiger Beifall: An Emotionen mangelte es weder den Anti-AfD-Demonstranten noch den Funktionären und Sympathisanten der gescholtenen Partei. Gegensätze prallten in Bruchhausen-Vilsen aufeinander. So starke, dass die AfD aus Angst vor Übergriffen ihre Besucher sogar einer Gesichts- und Taschenkontrolle unterzog. Ein einmaliger Vorgang bei einer öffentlichen Partei-Veranstaltung im Landkreis. Bleibt es bei dieser Form der Auseinandersetzung, wird die Polizei wahrscheinlich nicht zum letzten Mal bei solch einer politischen Veranstaltung zu Gast gewesen sein. 

Grundsätzlich gilt: Flagge zeigen ist wichtig. Aber dabei allein darf es nicht bleiben. Entscheidend ist die nachhaltige Auseinandersetzung mit politischen Inhalten – nicht nur von einigen Aktivisten, sondern von allen Wählern. Apropos Inhalte: Das, was der stellvertretende AfD-Landeschef Jens König zu bieten hatte, war eine Mischung aus Provokation, Plattitüden und politischer Verortung. Mit welchen Strategien und welchen Schritten die AfD welche Ziele erreichen will und welche konkreten Fakten sie dafür geltend macht – das blieb in dem Vortrag des stellvertretenden Landesvorsitzenden weitgehend offen. Dass im Plenum trotzdem immer wieder markiger Beifall aufbrandete, beweist einmal mehr: Nichts schweißt so sehr zusammen wie ein gemeinsames Feindbild. Das gilt auch für die Demonstranten.

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