Rätsel um Entstehungsjahr

Die älteste Glocke in Martfeld ist mindestens 500

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Original oder Fälschung? Diese Frage war für die Besucher der feierlichen Glockenehrung in der Martfelder Kirche leicht zu beantworten. Denn dieses angeblich 500 Jahre alte Tonmantel-Fragment eines Glockengusses soll von einem gewissen Donald Fake ausgegraben worden sein. Immerhin aber regte das Stück (in den Händen von Pastor Heinz-Dieter Freese) die Vorstellungskraft der Betrachter an.

Martfeld - Von Horst Friedrichs. Gleich vier Chöre nahmen an einer außergewöhnlichen Ehrung teil, die am Sonntag in Martfelds Catharinen-Kirche stattfand. Objekt der Ehre war die größte und älteste Glocke im Martfelder Kirchturm. Mindestens 500, wenn nicht 503 Jahre alt ist sie und damit: „Unser ältester Gebrauchsgegenstand in der Gemeinde“, sagte Pastor Heinz-Dieter Freese.

Aus Anlass der Glockenehrung fand am frühen Sonntagnachmittag zunächst ein Gottesdienst statt. Schwerpunkte des anschließenden Festprogramms waren Vorträge zur Glockengeschichte von Kirchenvorstandsmitglied Karl-Heinz Hespenheide und Heinz-Dieter Freese.

Während des Gottesdiensts sangen der Gemischte Chor „Germania“ Martfeld, der Männerchor „Eintracht“ aus Weyhe und der Projektchor Martfeld. Nach einer festlichen Kaffeetafel traten die drei Chöre erneut auf, verstärkt durch den Landfrauenchor aus Syke.

Im Rahmen der Ehrung berichtete zunächst Karl-Heinz Hespenheide über die älteste und größte Glocke im Turm der Martfelder Kirche. Sage und schreibe fünf Jahrhunderte hat die Jubilarin „auf dem Buckel“, und sie versieht zuverlässig weiter ihren Dienst, indem sie unter anderem zehn Minuten vor dem Gottesdienst und 20 Minuten anlässlich jeder Beerdigung schlägt.

Inschrift gibt Hinweise

Ein Teil einer Inschrift auf der Jubiläumsglocke lautet, übersetzt aus dem Lateinischen: „Johann Kremer goss mich im Jahre des Herrn 1515.“ Danach, sagte Karl-Heinz Hespenheide, folgen drei senkrechte Striche: „Wenn man sie als Ziffern mitzählt, ergibt sich die Jahreszahl 1518. Dann wäre unsere Glocke schon 503 Jahre alt.“ 

Die große Frage aber bleibe letztlich, ob die Martfelder damals wirklich den Glockengießer Johann Kremer beauftragten und dieser dann die heutige Jubiläumsglocke wirklich neben der Catharinen-Kirche goss. Wie Hespenheide sagte, besteht nämlich auch die Möglichkeit, dass in Wechold damals zwei neue Glocken gegossen wurden, deren Finanzierung die Finanzkraft der dortigen Kirchengemeinde aber überstieg, weshalb die Martfelder in das Geschäft einstiegen und eine kauften.

Dank an Heimatforscher

Karl-Heinz Hespenheide dankte dem Heimatforscher Hartmut Bösche, dessen Forschungsergebnisse und Erwägungen in die Vorbereitung des Jubiläums eingeflossen seien. Bestaunen konnten die Teilnehmer zwei Bruchstücke einer Glockengussform, die in der Kirche ausgestellt wurden. 

Die Schrifttafel dazu machte deutlich, dass dabei zugleich die Handschrift des Humors im Spiel war: „Unsere Jubiläumsglocke wurde vor 500 Jahren in einem Tonmantel gegossen. Nach dem Erkalten des Metalls wurde der Tonmantel zerschlagen. Welch ein Glück! Bei Grabungsarbeiten neben der Catharinen-Kirche fand Herr Donald Fake kürzlich ein Stück des alten Mantels! Es handelt sich um den oberen Glockenrand mit einigen Buchstaben ,... o divo quoque bartolo ...‘, die auf den Heiligen Bartholomäus hinweisen.“ Spätestens beim Namen „Donald Fake“ wurde den Lesern klar, dass es sich wohl nicht um Originalstücke handelt.

Über die beiden weiteren Glocken im Martfelder Kirchturm berichtete Pastor Heinz-Dieter Freese. Für die zweite, mittlere Glocke, die im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden war, sei 1951 eine neue Glocke, finanziert durch Opfergaben der Gemeinde, geweiht worden. Die dritte Glocke sei als typisches Zeugnis der Nachkriegszeit von dem Industriellen Dietrich von Hollen aus Herford gestiftet worden. Zum Abschluss rezitierte Freese Friedrich Schillers „Die Glocke“, und es sangen noch einmal die vier Chöre.

Zu sehen waren die Glocken nicht, da der Kirchturm gesperrt war.

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