„Adrenalin pumpt durch die Adern“

Stockcar-Fan Mathias Banehr bereitet seinen Oldtimer auf den Saisonstart vor

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Mathias Banehr hat seinen Ford Granada in den neuen Bundesländern gekauft, ihn komplett entkernt und einen Rohrkäfig eingebaut. 

Martfeld - Von Nala Harries. Autos überschlagen sich, Reifen quietschen, Dreck wirbelt hoch, und Motoren heulen auf – genau das Richtige für Stockcar-Fan Mathias Banehr aus Martfeld. „Welcher Fahrer dabei nicht vor Adrenalin zittert, der macht irgendetwas falsch“, sagt der 44-Jährige. Für das erste Stockcar-Rennen der Saison am 13. und 14. April in Martfeld, welches von dem Stockcar-Team „Outsider‘s“ ausgerichtet wird, schraubt und tüftelt Banehr bereits seit einigen Wochen in seiner Werkstatt an seinem Ford Granada herum, um ihn für das Event fit zu machen.

„Ich musste das ganze Auto entkernen, das heißt, Sitze und das komplette Innenleben rausnehmen, bis nur noch die nackte Rohkarosse übrig blieb, damit Platz für den Rohrrahmen und den Käfig ist“, erklärt der Vorsitzende des Outsider's-Teams. Manche Oldtimer-Liebhaber würden dabei wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber das alte Ford-Modell bewähre sich laut Banehr und sei besonders stabil. Damit auch immer genug Ersatzteile vorhanden sind, besitzt er gleich mehrere Ford Granadas, die sowohl bei ihm zu Hause als auch in einer Halle gelagert sind. „In den heutigen Autos ist viel Plastik verbaut und sie sind nicht mehr so robust wie die alten. Wenn man damit einen anderen Wagen rammt, muss man direkt mit einem großen Schaden rechnen“, erklärt er.

Und darum geht es schließlich beim Stockcar-Rennen: Den Gegner aufs Dach drehen, dafür gibt es 30 Punkte, oder ihn so rammen, dass sich dessen Auto um 90 Grad dreht, dafür landen zehn Punkte auf dem Konto. Aber auch für eine überstandene Runde der knapp 700 Meter langen Strecke bekommt der Fahrer fünf Punkte, welche von den Punktrichtern zusammengezählt werden. „Es ist also wichtig, dass das Fahrzeug fahrtüchtig bleibt, und da bin ich mit meinem alten Ford hoffentlich ganz gut aufgestellt“, sagt der Stockcar-Fan. Neben Stabilität setzt Banehr auf Schnelligkeit, wofür der eingebaute 200-PS-Motor sorgen soll. „Es kommt aber eigentlich gar nicht auf die Ausstattung des Autos an, sondern auf das fahrerische Können“, fügt er hinzu.

Seit dem vergangenen Jahr gebe es zudem ein neues Reglement, das vorschreibt, dass alle Autos nach dem Rohrramenprinzip gebaut werden müssen. Dieser stabilisiert das Auto bei einem Zusammenstoß und schützt somit auch den Fahrer. „Vorher haben wir noch nach dem Prinzip ,Stabilität kommt durch Material‘ gebaut und haben dafür etliche Roste aneinander geschweißt“, sagt der 44-jährige. Auch sein altes Stockcar, mit dem er 2018 in der großen offenen Klasse bis auf Platz eins fuhr, sei noch auf diese Weise gebaut worden. Aufgrund des neuen Reglements mussten sich die meisten Fahrer ein neues „Rennauto“ zulegen. Ob alle der 30 angemeldeten Teams bis zum Saisonstart in Martfeld fertig mit dem Umbau sind, sei noch nicht sicher. „Diese Bauweise ist aber erheblich leichter und nicht so kosten- und zeitintensiv“, meint der gelernte Konstruktionsmechaniker.

Banehr gehören mittlerweile 7 Autos

Angefangen mit dem Motorsport hat Banehr bereits vor zehn Jahren. Damals sei er bei einem Rennen in Martfeld noch als Helfer am Start gewesen. „Ein Freund von mir nahm daran teil und hat mir im Anschluss sein Stockcar für wenig Geld überlassen – ab dem Zeitpunkt hatte ich Blut geleckt“, erzählt er.

Mittlerweile gehören dem 44-Jährige sieben Autos und eine ganze Halle voll Motoren, Blechen und Federn. „Ich bin das ganze Jahr über Jäger und Sammler, suche nach Ersatzteilen und Autos, meist im Internet“, sagt er.

Auf das Rennen in Martfeld freut Banehr sich schon sehr. „In der Stockcar-Szene sind wir eine große Familie“, meint er, „jeder hilft jedem, wenn mal etwas kaputt geht, und auch Neulinge finden schnell Anschluss“.

Im vergangenen Jahr seien rund 1 000 Zuschauer gekommen, diese Resonanz wünscht sich Banehr auch für die kommende Veranstaltung. Außerdem ist dieses Mal wieder das Stockcar-Taxi dabei, in dem die Besucher einige Runden auf der Rennstrecke mitfahren dürfen. „Das kam 2018 schon unglaublich gut an“, sagt der 44-Jährige. Wer sich das nicht zutraut, könne sich aber auch einfach in ein Stockcar im Zuschauerbereich setzen und dieses genauer inspizieren. Ebenso geplant ist – wenn sich genug Teilnehmerinnen anmelden – ein „Girls-Race“, in dem sich ausschließlich Frauen miteinander messen.

„Wir wollen die Besucher nicht nur an die Stockcar-Szene heranführen, wir wollen, dass sie mitten drin sind“, erklärt Banehr.

Saisonstart in Martfeld:

Jeder, der auf Action und Autos steht, ist eingeladen am Samstag und Sonntag, 13. und 14. April, nach Martfeld auf den Acker am Tuschendorfer Weg zum Stockcar-Rennen zu kommen. Beginn ist am Samstag um 14 Uhr und am Sonntag um 10 Uhr. Der Eintrittspreis für Erwachsene kostet acht Euro, Jugendliche zahlen vier Euro, und Kinder bis 10 Jahren haben kostenlosen Zutritt.

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