„Achtung Auto!“: Gymnasiasten lernen, welche Gefahren der Straßenverkehr birgt

Stopp braucht Zeit

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Losrennen, dann abrupt bremsen: Die Fünftklässler probierten aus, wie lange sie zum Anhalten brauchen.

Br.-Vilsen - Elf Kinder hätten nicht überlebt. Das Auto von Michael Kreie vom ADAC rauschte an den Leitkegeln vorbei, die die Fünftklässler an einer vermeintlich sicheren Stelle platziert hatten. „Stellt die Hütchen dort auf, wo ihr glaubt, dass mein Wagen zum Stehen gekommen ist und euch nichts passieren würde“, hatte Kreie die Schüler aufgefordert, bevor er in den Opel stieg, mit 30 Stundenkilometern bis zu einer Linie fuhr und dort eine Vollbremsung hinlegte.

„Achtung Auto!“ heißt das Verkehrssicherheitsprogramm des ADAC, das kürzlich für die drei fünften Klassen des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen auf dem Stundenplan stand. Mit verschiedenen Übungen vermittelte Verkehrserzieher Kreie den Mädchen und Jungen den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit, Reaktionsweg, Bremsweg und Anhalteweg.

„Die Kinder sollen erkennen, dass der Mensch einen Anhalteweg zum Stehenbleiben braucht. Und dass auch ein Fahrzeug nicht sofort stehen bleiben kann“, erklärte Verkehrssicherheitsexperte Heiko Recker vom ADAC. „Bei den Kindern kann auf diese Weise das Bewusstsein für Gefahren im Straßenverkehr geweckt und vorausschauendes sowie rücksichtsvolles Verhalten gefördert werden.“

In der Praxis bedeutete das, dass die Kids auf dem Schwalbenweg zunächst ausprobierten, wie schnell sie auf Kommando stoppen können. Dann galt es, den Anhalteweg eines Autos bei 30 Stundenkilometern zu schätzen – wobei elf der 27 Schüler der Klasse 5G2 zu optimistisch waren. Immerhin nur noch zehn Gymnasiasten stellten ihr Hütchen auch beim nächsten Versuch – eine Vollbremsung bei 50 Stundenkilometern – zu nah an der Linie auf. Sie hätten nicht gedacht, dass das Fahrzeug bei 20 Stundenkilometern mehr erst eine ganze Fahrzeuglänge später zum Stehen kommen würde.

„Beim Bremsen geht das Auto vorne runter. Es würde euch am Knie treffen“, erklärte Kreie den Schülern. „Ihr würdet auf die Motorhaube fallen und euer Kopf gegen die harte Windschutzscheibe knallen. Das Auto würde euch zurück schubsen, durch den Schock würde eure Muskulatur erschlaffen und euer Kopf auf den Boden prallen. Das könnte schon bei 30 Stundenkilometern tödlich sein.“ Er riet den Kids, immer vorsichtig zu sein und auf Nummer sicher zu gehen.

Gleichzeitig wies Kreie darauf hin, dass viele Autofahrer abgelenkt seien und zum Beispiel auf ihr Handy gucken oder etwas essen würden – was den Anhalteweg verlängern könne. Auch streitende Kinder könnten die Konzentration stören: „Deshalb solltet ihr euch cool verhalten, wenn ihr hinten im Auto sitzt.“

Anschließend durften die Kinder nach und nach selbst im Opel Platz nehmen und eine Vollbremsung bei 30 Stundenkilometern miterleben. „Da merkt ihr, wie wichtig es ist, sich anzuschnallen. Das Auto macht einen großen Ruck“, sagte Kreie. Die Gymnasiasten hatten Spaß: „Das war cool, hat ganz schön gekribbelt“, fand Conrad, und Till ergänzte: „Da fliegt man ganz schön weit nach vorne.“ Dass eine Vollbremsung ohne Vorwarnung nicht so cool ist, wusste Joshua: „Ich hatte mal einen Unfall, das Auto ist in einen Graben gefahren. Das war ein scheiß Gefühl.“

mah

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