Ponyhengst adoptiert verwaistes Fohlen – ein Herz und eine Seele

Absolut tierische Freundschaft

Wahre Freunschaft gibt es nur unter Männern – offenbar auch im Pferdereich. Das beweisen zumindest „Dancer“ und „Frederik“. - Foto: Niederheide

Ochtmannien - Von Dieter Niederheide. Zwei dicke Freunde sind auf dem Hof Brüning in Ochtmannien das braune Hengstfohlen „Dancer“ und „Frederik“, der weiße Shetland-Ponyhengst. Keiner weicht von der Seite des anderen, sie teilen sich eine Box und das Futter.

Beim Grasen auf der Wiese sieht man sie vertraut nebeneinander stehen oder gehen. Die Geschichte dieser Tierfreundschaft hat allerdings einen tragischen Hintergrund. Die Mutter des Hengstfohlens, „Leona Lewis“, musste aufgrund eines nicht heilbaren Herzfehlers in der Pferdeklinik Lüsche bei Oldenburg eingeschläfert werden – aller tierärztlichen Bemühungen zum Trotz. Aufgefallen war ihr Leiden, als sie zunehmend abmagerte. Brünings brachten sie deshalb in die Pferdeklinik – und mit ihm das Hengstfohlen. 

Vergebens wieherte das wenige Wochen alte Tier nach seiner Mutter. Deshalb brachten die Besitzer eine Stute als „Ersatz-Mama“ von Ochtmannien in die Klinik. Aber: Sie nahm sich des Fohlens nicht an. Auch eine weitere Stute, die zur Pferdeklinik gefahren wurde, wollte von dem Kleinen rein gar nichts wissen.

Der verwaiste und tierisch verschmähte „Dancer“, so sein Rufname in Anlehnung an seinen Erzeuger „Dancier“ (Top-Deckhengst des Landgestüts Celle), wurde nach Ochtmannien geholt und von Züchter Hannes Brüning und Azubi Robin Plein alle vier Stunden versorgt. Rund um die Uhr bekam der Kleine warme, mit Wasser verdünnte Stutenmilch aus der Tüte. 

Dass „Dancer“ sich ohne seine Mutter einsam fühlte, war nicht zu übersehen. Und dann kam „Frederik“ ins Spiel: Die Brünings wagten es, „Dancer“ zu „Frederik“ in eine große Box zu stellen. Ein gelungener Versuch: „Frederik“, zehn Jahre alt und lammfrommes Reitpony der Enkelkinder von Adeleid und Hans-Heinrich Brüning, nahm das Hengstfohlen tatsächlich in seine Obhut. 

Das Fohlen erkennt ihn als den erfahrenen Kumpel an. Allerdings wird der Tag der Trennung kommen – nämlich dann, wenn „Dancer“ in die Gruppe der gleichaltrigen Fohlen eingeordnet wird. Bei der Züchterfamilie Brüning ist man überzeugt, dass sich der mittlerweile schon recht selbstbewusste „Dancer“ dort behaupten wird. Aber, bis dahin hat die „Zweckgemeinschaft“, die ein Herz und eine Seele zu sein scheint, noch zwei Monate Zeit.

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