Seit 13 Tagen auf Tour

Abenteuer mit 67 Jahren: Zu Fuß nach Kopenhagen

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Und wieder weiter: Edmund Behrmann ist auf dem Weg von Bruchhausen-Vilsen nach Kopenhagen – zu Fuß. 

Br.-Vilsen - Von Anke Seidel. Quaal, eine kleine Ortschaft in Schleswig-Holstein, hat Edmund Behrmann am zwölften Tag seines Abenteuers erreicht. „Das passt zu meinen Füßen“, kommentiert der 67-Jährige den Ortsnamen. Aus gutem Grund: Zu Fuß ist der Rentner aus Bruchhausen-Vilsen nach Kopenhagen zu seinem Sohn unterwegs. Rund 230 Kilometer liegen noch vor ihm. Sein einziger Begleiter ist ein zweirädriger Wagen, dessen beide Deichseln er in den Händen hält.

„Zum Erfolg gibt es keinen Lift“, schreibt der 67-Jährige in seinem Internet-Tagebuch. „Man muss die Treppe erklimmen. Stufe für Stufe.“ Darunter ist ein Foto von einer steilen Überführung zu sehen, der es an einem ganz sicher nicht mangelt: Stufen. Es ist ein junger Mann, der ihm am Ende hilft, die Überführung mit seinem Handwagen zu überwinden.

Edmund Behrmann weiß, auf was er sich eingelassen hat. Schon zweimal ist er mit dem Fahrrad nach Kopenhagen gefahren (wir berichteten), nachdem das Schicksal ihn und seine Ehefrau in ein völlig neues Leben katapultiert hatte: Darmkrebs, lebensbedrohlicher Zuckerschock, Lungenentzündung, Nierenversagen – die Schreckensdiagnosen wollten kein Ende nehmen. Aber Behrmann meisterte alle. Genauso wie eine komplizierte Rückenoperation. Heute beschreibt er sich als „Eddy, der glückliche Rentner“. Und fügt manchmal hinzu: „Zum Glück war ich krank.“

Tischler baut Handwagen selbst

Mit Bedacht hat der gelernte Tischler seinen ganz speziellen Handwagen kreiert, bevor er sich auf den abenteuerlichen Fußmarsch nach Kopenhagen gemacht hat. Zelt und Schlafsack hat er an Bord – und braucht beides am Ende des ersten Wandertages, der ihn entlang blühender Rapsfelder führt, noch nicht. Bei einem Ehepaar in Achim – „Dachgeber“ für organisierte Durchreisende – kann er übernachten.

Doch nach dem zweiten Wandertag und rund 20 Kilometern Fußmarsch feiern Zelt und Schlafsack Premiere, bevor Behrmann am dritten Tag auf besagte Fußgängerbrücke bei Hassendorf trifft. Es ist ein Dauerregentag, der dem 67-Jährigen einiges abverlangt. „Mein innerer Schweinehund sprach zu mir: Eddy, der nächste Bahnhof ist nur zwei Kilometer entfernt, von da kannst Du bequem nach Hause fahren.“ Und wie ist der mutige Rentner mit diesem Schweinehund umgegangen? „Ich trat ihn erstmal kräftig in den Hintern.“ Später stellt Behrmann fest: „Ob das Zelt einen mehrtägigen Regen übersteht, bezweifle ich...“

Mal schlägt der 67-Jährige es auf einem Campingplatz auf. Ist keiner in der Nähe, bleibt ihm nur die Natur. In einem Fall war es die Gemeindewiese – mit offizieller Genehmigung der Polizei. Denn sein Plan, sein Zelt am späten Abend auf dem Gelände einer ihm bekannten Tischlerei aufzuschlagen, vereiteln aufmerksame Nachbarn: Sie schöpfen Verdacht und rufen die Polizei.

„Ich bin nicht mittellos“

Aber es gibt auch viele nette Begegnungen unterwegs. Wie die mit einigen älteren Menschen, die ihn unbedingt zum Imbiss einladen wollen. Behrmann lehnt das mit den Worten „Ich bin nicht mittellos“ freundlich, aber bestimmt ab. Aber auf einem Kaffee bestehen die Senioren, die mehr wissen wollen über den Mann mit dem Handwagen: Ob er eine Mission erfüllen will oder sich etwas auferlegt hat? „Nein. Ich laufe zum Vergnügen, um mir zu beweisen, dass es nach meiner Krankheit geht – und um anderen in vermeintlich aussichtslosen Situationen etwas Mut zu machen“, beschreibt der 67-Jährige seine Motivation. Er trifft junge Menschen, die ihn nicht nur zu einem Bier einladen, sondern ihm für den Abend auch noch eine Flasche mitgeben. Und einen Elfjährigen, der unbedingt ein Selfie mit dem Wanderer machen will.

Unterwegs gibt es schließlich ein Wiedersehen plus Übernachtungsmöglichkeit bei einem Sohn und einer Cousine. Schließlich ist da noch ein Autofahrer, der mitten auf der Straße anhält, um dem Wanderer seine Hilfe anzubieten – und schwer beeindruckt ist von seiner Tour.

Von Quaal aus ist es noch eine lange Strecke, die Behrmann bis nach Kopenhagen und zu seinem ältesten Sohn bewältigen muss. „Wird wohl 14 Tage dauern“, stellt der 67-Jährige trocken fest.

Rückblende zu seinen Radtouren: „Ich habe nie an das Endziel gedacht“, hat er damals über gerade, hügelige Straßen gesagt, „sondern immer nur an die nächste Spitze, die ich erreichen wollte“.

Der Rentner aus Bruchhausen-Vilsen hat damals sinniert: „So ist es ja auch im Leben. Nach jedem Berg kommt ein Tal. Und dann geht es wieder aufwärts.“

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