Grundsanierung im 78er-Trakt

Sechs Gymnasialklassen ziehen in Container

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Noch kann man sich kaum vorstellen, dass hier neue Klassenräume entstehen.

Br.-Vilsen - Von Karin Neukirchen-Stratmann und Mareike Hahn. Schon von Weitem hört man den Lärm im Schulzentrum Bruchhausen-Vilsen. Es ist nicht das übliche Stimmengewirr der großen Pause. Vielmehr sind es Baumaschinen, die weit über das Gelände hinaus zu vernehmen sind.

Der Grund: In einem Mehrjahresprogramm von 2016 bis voraussichtlich 2019 wird der nach seiner Bauzeit benannte 78er-Trakt grundsaniert. Kosten: nach aktuellem Stand gut sechs Millionen Euro.

Klassenzimmer werden kleiner

„Im Prinzip werden die Bereiche innen entkernt und neue Wände gestellt, zum Teil mit geänderter Raumaufteilung und -nutzung“, erklärt Architekt Robert Szalay vom Architekturbüro KMS in Walsrode, was derzeit in dem maroden Gebäudetrakt passiert. „Die alten Kunsträume im Erdgeschoss werden in drei allgemeine Unterrichtsräume geändert. Der Musikraum bleibt dagegen erhalten. Im Obergeschoss werden aus fünf Unterrichtsräumen sechs.“ Die Zimmer werden also kleiner, „was aber nicht weiter schlimm ist, denn die Klassengrößen sind nicht mehr so wie früher“, meint Szalay. Mit der neuen Raumaufteilung werde man den Bedarf an Klassenräumen decken können.

Da das Schulzentrum während der Umbauphase Ausweichmöglichkeiten braucht, hat die Samtgemeinde als Schulträgerin sechs Mobilbauklassen auf dem Gelände aufgestellt. Darin werden drei siebte und drei neunte Klassen des Gymnasiums unterrichtet, das den 78er-Trakt zusammen mit der benachbarten Oberschule nutzt. Die modern eingerichteten Container stehen hinter der Mensa. „Zurzeit haben wir keine Raumnot, mit den Mobilbauklassen lässt es sich eine Weile aushalten“, sagt Reinhard Heinrichs, Leiter des Gymnasiums.

Auf den Innenbereich folgt energetische Sanierung der Fassade

Das muss auch so sein, denn die Arbeiten im 78er-Trakt werden noch lange andauern. Die Samtgemeinde stattet im Rahmen der Maßnahme auch einige Fachunterrichtsräume neu aus. Die Beleuchtung („natürlich alles LED-Leuchten“), die Fußbodenbeläge („aus PVC“) und weitere Bauteile wie Akustikdecken werden erneuert.

Die Innenarbeiten haben in diesem Sommer begonnen, nach der Fertigstellung des neuen Dachs. Bereits in den großen Ferien war eine Firma damit beschäftigt, Räume aufzuteilen und neue Türen in Wände zu ziehen.

Wenn der Innenbereich des Gebäudes fertig ist, folgt laut Szalay noch die energetische Sanierung der Außenfassade: „Alle Fenster werden erneuert, wahrscheinlich aus Aluminium und nach dem neuesten Energiestand.“ Zusätzlich werde die alte Betonfassade eine Dämmung bekommen und mit Verbundsteinen neu verkleidet werden. „Die Betonteile, die jetzt überragen – das war früher ein gestalterisches Mittel – werden abgeschnitten“, sagt der Architekt. Ferner sei geplant, einen Aufzug in den Trakt einzubauen.

Kein zusätzlicher Kredit für Mehrkosten

Nicht vorhersehbar war zu Beginn der Bauarbeiten, dass sich Asbest im Gebäude finden würde. Im Juni ist der krebserzeugende Stoff bei den Bauarbeiten aufgetaucht. Zurzeit ist eine Goslaer Fachfirma dabei, die Asbestplatten zu entsorgen. „Das wird kontinuierlich der Fall sein, bis wir alles im Innenbereich saniert haben“, verspricht der Architekt.

Nach Angaben von Szalay war die größte Herausforderung bei der Planung, den Raumbedarf innerhalb der bestehenden Außenmauern zu realisieren. „Die Samtgemeinde freut sich, dass wir einen Anbau verhindern konnten“, sagt er. Der Umbau sei aber so geplant, dass der 78er-Trakt bei Bedarf später noch ohne größere Schwierigkeiten erweitert werden könne.

Dass ein Anbau die Samtgemeinde noch teurer zu stehen käme als die Maßnahme in der aktuellen Form, hat Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann bereits im September vergangenen Jahres erklärt. Höher als ursprünglich kalkuliert werden die Kosten allerdings so oder so ausfallen: Als die Planungen im März 2015 Fahrt aufnahmen, lag die grobe Schätzung bei rund 3,5 Millionen Euro. Nach einer detaillierteren Planung und Kostenberechnung ging die Samtgemeinde Ende 2015 dann von 5,5 Millionen Euro aus. Mittlerweile spricht Bormann von 6,1 Millionen.

Zeitverzögerung durch Asbestfund: etwa 2 Monate

Gerüchte, dass der Asbestfund die Samtgemeinde eine Million Euro und ein Jahr Zeit kosten würde, weist der Samtgemeindebürgermeister allerdings zurück. „Die Zeitverzögerung beträgt vielleicht zwei Monate“, sagt Bauamtsleiter Torsten Beneke. Und Bernd Bormann ergänzt: „Wir rechnen nach wie vor damit, dass wir die gesamte Maßnahme 2019 abschließen können.“

Die Mehrkosten durch die zunächst nicht einkalkulierte Asbestentsorgung liegen nach Bormanns Worten bei rund 400 000 Euro – „auch weil wir dadurch in Räumen aktiv werden müssen, die wir sonst bei der Sanierung gar nicht angefasst hätten. Wir wollen aber alles Asbest ein für alle Mal beseitigen.“ Die Mehrkosten könnten ohne eine zusätzliche Kreditaufnahme durch den Haushalt der Samtgemeinde gedeckt werden. 

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