Nach Drohung: Verfahren eingestellt

20-Jähriger kommt mit Tadel davon

Br.-Vilsen - Von Dieter Niederheide. Die Worte wogen schwer: Ein junger Afghane (20) drohte im Februar, das Haus im Flecken Bruchhausen-Vilsen anzuzünden, in dem er zu dem Zeitpunkt zusammen mit anderen Flüchtlingen lebte. Nun musste er sich wegen Nötigung vor dem Jugendrichter des Amtsgerichts Syke verantworten. Am Ende waren sich Jugendrichter und Staatsanwältin einig, das Strafverfahren gegen den Heranwachsenden einzustellen.

Vor Gericht übersetzte ein Dolmetscher die Aussagen des Afghanen: „Ich bin nicht nach Deutschland gekommen, um Häuser anzuzünden“, sagte der Angeklagte. Er schloss aber nicht aus, dass er einer Betreuerin gegenüber gedroht habe, das Gebäude anzünden zu wollen, wenn er keine andere Unterkunft bekomme. Er habe das aber nicht ernst gemeint.

Als Zeugin sagte die Betreuerin aus. Sie schilderte den Heranwachsenden als einen jungen Mann, der seine in Afghanistan lebenden Eltern sehr vermisse. Er habe umziehen wollen, sie habe ihm jedoch nicht helfen können, weil der zuständige Sachbearbeiter beim Jugendamt des Landkreises Diepholz nicht erreichbar gewesen sei. Der 20-Jährige habe sinngemäß gedroht, das Haus zu verbrennen, wenn man ihm nicht helfe.

Vor dem Jugendrichter präsentierte sich der Flüchtling als intelligenter Heranwachsender, der in Afghanistan eine gute schulische Ausbildung mit Abitur absolvierte und studieren wollte. Wegen der Gefahren in seiner Heimatregion habe er das Land verlassen müssen. Im Jahr 2015 sei er nach Bruchhausen-Vilsen gekommen, seitdem gehe er in Syke zur Schule und lerne Deutsch. Er sagte, dass er die Voraussetzungen für eine Ausbildung in Deutschland schaffen wolle.

Inzwischen wohnt der 20-Jährige nicht mehr in Bruchhausen-Vilsen. Er bekam an einem anderen Ort im Landkreis eine Unterkunft.

Jugendrichter: „So läuft das hier nicht“

Der Jugendrichter machte dem jungen Mann mit aller Deutlichkeit klar: „So läuft das hier nicht, man kann sich über alles beschweren – aber Drohungen, ein Haus anzustecken, werden nicht akzeptiert. Sehen Sie das Verfahren als Warnung.“

Außerdem wies der Jugendrichter den Angeklagten darauf hin, dass Straftaten wie Drohungen Einfluss auf die Entscheidung über seinen Status haben können. Der Heranwachsende entschuldigte sich bei der Betreuerin. 

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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