Samtgemeinde setzt Projekt gegen häusliche Gewalt um – als erste Kommune im Landkreis

Bruchhausen-Vilsen vor der Bürgermut-Premiere

Wollen Mut machen, Zivilcourage gegen häusliche Gewalt zu zeigen: (von links) Familien- und Sozialberaterin Christine Schröder mit Doris Wieferich und Christina Runge, Projektleiterinnen von „Bürgermut tut allen gut“. ·
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Wollen Mut machen, Zivilcourage gegen häusliche Gewalt zu zeigen: (von links) Familien- und Sozialberaterin Christine Schröder mit Doris Wieferich und Christina Runge, Projektleiterinnen von „Bürgermut tut allen gut“. ·

Br.-Vilsen - Von Friederike Schockenhoff. Häusliche Gewalt ist kein Frauen-Thema, sondern betrifft die gesamte Gesellschaft. Kinder sind dabei fast immer involviert, ob als Opfer oder als Zeugen.

Die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen nähert sich dem gesellschaftlichen Tabuthema von der „Kinderseite“ her: mit Schulungen für die Mitarbeiter der kommunalen Kindergärten im Rahmen des Projekts „Bürgermut tut allen gut“, initiiert vom Landkreis Diep holz. Bruchhausen-Vilsen ist die erste Kommune, die das in Barnstorf zwei Jahre lang erprobte Konzept übernimmt. Der Kreis fördert es finanziell.

Auf freiwilliger Basis nehmen etwa 80 Prozent der knapp 70 Beschäftigten aus den Kindertagesstätten ab September an den Schulungen teil, die sie sensibilisieren sollen für Anzeichen von Gewalt in Familien. Gleichzeitig erfahren sie, was sie in einem solchen Fall tun können.

Am veränderten Verhalten von Kindern lasse sich oft ablesen, dass in einer Familie etwas nicht stimme, erklärt Antje Lüllmann, Fachberaterin für die acht Kindertagesstätten der Samtgemeinde. Das sei ein Warnsignal, schon bevor es zu schweren körperlichen Verletzungen komme. „Aber sogar gut ausgebildete Profis wissen in solchen Situationen nicht immer, was sie tun sollen.“

An diesem Punkt setzen die Schulungen an. Zuerst werde bei den mehrstündigen Terminen definiert, was häusliche Gewalt sei, sagt Familien- und Sozialberaterin Christine Schröder. Außerdem besprechen die Teilnehmer Warnsignale wie etwa Verhaltensauffälligkeiten bei betroffenen Kindern.

Im zweiten Teil geht es darum, wie die pädagogischen Kräfte Zivilcourage zeigen und eingreifen können. In fast allen Situationen sei es ratsam, Ruhe zu bewahren und einen vertrauensvollen Kontakt zu den Eltern aufzubauen, haben die Projektleiterinnen Doris Wieferich und Christina Runge festgestellt. „Der Kurs soll am Ende in Handlungsschritte münden, die die Erzieher mitnehmen“, sagt Christine Schröder. „Das Wichtigste ist, nur das zu tun, was ich mir zutraue, was ich selbst verantworten und absichern kann.“

Teil des Barnstorfer Projekts waren auch Schulungen für die Zivilbevölkerung. In Bruchhausen-Vilsen startet das Team zunächst nur mit Kursen für die Kita-Mitarbeiter. Sollten sich aber genug Einwohner der Samtgemeinde für die Zertifizierung zum „Mutbürger“ interessieren, so lasse sich auch ein solcher Kurs veranstalten, versichert Christine Schröder. Für Anfragen ist sie unter Telefon 042 52/39 11 16 erreichbar.

Auch die übrigen Kommunen im Landkreis können sich an „Bürgermut tut allen gut“ beteiligen. Bis zu 5 000 Euro gibt der Kreis dazu. Christine Schröder hofft, dass die Premiere in der Samtgemeinde anderen Kommunen Mut macht. So könnte vielleicht bald das Netzwerk entstehen, das gegen häusliche Gewalt so dringend notwendig sei.

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