Diepholzer Arzt sieht sich Plagiatsvorwürfen aus dem Internet ausgesetzt

Besondere Art Doktorarbeit

Diepholz - Schweren Vorwürfen aus dem Internet sieht sich ein Diepholzer Arzt ausgesetzt: Dr. med. Dariusz Malan, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, soll große Teile seiner Doktorarbeit kopiert haben, ohne eine ausreichende Quellenangabe zu liefern. Das jedenfalls behauptet das Online-Enthüllungsportal „VroniPlag“.

Demnach tauchen in mindestens 33 von 70 geprüften Seiten der Dissertation Malans Textübernahmen auf, die nicht belegt seien. Das wären 47 Prozent der Seiten. Auf 21 Seiten seien mehr als 75 Prozent Plagiatstext gefunden worden, schreibt „VroniPlag“, das derzeit auch mit den Enthüllungen rund um die Doktorarbeit von Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan in den Schlagzeilen ist.

Der 47-jährige Mediziner reagiert kämpferisch, will die Vorwürfe nicht stehen lassen: „Ich bin mit mir im Reinen. Es war keine Täuschung“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung und erklärt Hintergründe.

Dr. Dariusz Malan hatte seine Dissertation im Juli 2005 an der Universität Ulm verfasst. Das Thema: „Aufbau eines interdisziplinären Kontinenzzentrums im Krankenhaus Sankt Elisabeth der Oberschwabenklinik als Modell der Versorgung für die betroffenen Frauen in Ravensburg“.

Unter „Befunde“ listen die Macher von „VroniPlag“ herausragende Stellen auf. So sei die erste Seite der Einleitung „ganzseitig aus einer themenverwandten Dissertation übernommen, ohne dass dies gekennzeichnet ist.“ An anderer Stelle monieren die Plagiatsjäger: „Weitgehend wörtliche, ungekennzeichnete Übernahmen aus einem Sonographie-Leitfaden der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe füllen acht Seiten der Dissertation zu einem großen Teil.“ Die gefundenen Textübereinstimmungen werden Seite für Seite durch Gegenüberstellungen dokumentiert.

Malan streitet die Textparallelen nicht ab, stellt aber klar: Es war eine besondere Art von Arbeit, „eine Vergleichsstudie, eine Kritik an der damaligen Wissenschaft.“ Das könne viele der Textparallelen erklären.

Nachdem die Arbeit in einem ersten Anlauf nicht zugelassen worden war, habe sich sein Doktorvater, Prof. Dr. med. Frank Stoz, sehr für das Thema und die Form starkgemacht. Letztlich erfolgreich.

Tragischerweise ist Stoz vor zwei Jahren gestorben. Er könnte wahrscheinlich zur Klärung beitragen, sagt Malan, der jetzt hofft, dass es bei der Uni noch Schriftstücke gibt, die die Argumentation von Stoz bei der Zulassung der Doktorarbeit nachzeichnen.

Malan praktiziert seit Januar 2006 in Diepholz, wo seine Arbeit allgemein geschätzt und anerkannt wird. Umso schockierter ist er über die Vorwürfe aus dem Netz. Der Arzt sieht das, was er sich in der Kreisstadt aufgebaut hat, durch die „VroniPlag“-Vorwürfe gefährdet. „Ich möchte weiter für die Patienten in Diep holz da sein, wir sind hier gut reingewachsen und verwurzelt.“ Malan: „Letztlich erklären die letzten drei Seiten alles, am Ende der Arbeit steht, warum sie so geschrieben worden ist.“ Doch das könne eben kein Computervergleichsprogramm von „VroniPlag“ erfassen.

Auch die Universität Ulm geht den Vorwürfen nach. Sie prüfe derzeit die Vergleiche, die bei „VroniPlag“ zu lesen sind, berichtet die Ombudsfrau der Uni, Prof. Dr. Lisa Wiesmüller. „Ich bin verpflichtet dazu.“ Dabei gehe es zunächst um Plausibilität und Korrektheit der Vorwürfe. Sollte die Ombudsfrau Hinweise auf ein wissenschaftliches Fehlverhalten finden, würde sie einen entsprechenden Bericht an die Uni-Kommission „Verantwortung in der Wissenschaft“ geben, die letztlich über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheidet. An dessen Ende könnte der Entzug des Doktortitels stehen.

Wiesmüller stellte klar, dass es sich derzeit um ein Vorverfahren handele: „Damit ist keine Vorverurteilung verbunden.“ · sr

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