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Beschwerlicher Weg bis zur Pharmazie

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„Die Apotheke in Kirchweyhe“ – das war der Name für das Haus, in dem es seit 1911 Medizin und Salben gab. Das modernisierte Gebäude wurde 1988 abgerissen und ein Neubau errichtet. Repro: Schritt
„Die Apotheke in Kirchweyhe“ – das war der Name für das Haus, in dem es seit 1911 Medizin und Salben gab. Das modernisierte Gebäude wurde 1988 abgerissen und ein Neubau errichtet. Repro: Schritt

Weyhe - KIRCHWEYHE (sie) · Ernst Maßberg muss schmunzeln, wenn er an das Jahr 1969 zurückdenkt. „Ich habe die Niedersachsen-Apotheke von Dr. Edgar Cordes übernommen und zu diesem Zeitpunkt sogar schon an den 100. Geburtstag gedacht. Das ist kein Witz.“ Dass er dann 70 Jahre alt sein würde, habe ihn damals erstaunt. „Ich wollte dieses Jubiläum aber unbedingt erleben“, hatte er sich fest vorgenommen. In der Tat: Am Montag wird die Niedersachsen-Apotheke exakt 100 Jahre alt.

Die Geschicke der Apotheke hat Ernst Maßberg als siebter Betreiber 2007 längst in die Hände seiner Tochter Kim Katrin Westerhold gegeben, doch regelmäßig hilft er in noch mit. Der 69-Jährige freut sich auf den bevorstehenden runden Geburtstag, für den er sogar eigens eine mehrseitige Festschrift entworfen hat. Darin erinnert Maßberg daran, dass die Apotheke, die damals noch „Die Apotheke in Kirchweyhe“ hieß, zusammen mit dem Ärztehaus gegenüber eines der wenigen medizinischen Zentren der Region gebildet hat. Die Gemeinde Kirchweyhe hatte sich 40 Jahre zuvor vergeblich um die Eröffnung einer Apotheke bemüht. Maßberg: „Die Akten zeigen, dass der Weg bis 1911 lang und beschwerlich war.“ So habe der Gemeindeausschuss schließlich 1906 beschlossen: „Für die Einrichtung einer Apotheke stellt die Gemeinde Kirchweyhe 600 bis 800 Mark zur Verfügung. Desgleichen wird ein jährlicher Zuschuss von 300 bis 400 Mark bewilligt.“ Der sollte für die Dauer von sechs Jahren nur gewährt werden, wenn sich die Gemeinde Sudweyhe nach dem Verhältnis der Einwohnerzahl mit gleichem Zuschuss beteiligt. Ein Jahr später stellte die Gemeindeverwaltung in Aussicht, auf dem Gemeindegrundstück an der Bahnhofstraße ein neues Gebäude zu bauen.

1908 wollte die Gemeinde dann ein Apothekerhaus bauen und das Armenhaus dafür abbrechen. Die Gesamtkosten: 18 000 Mark. Das Gebäude wurde bereits mit den Errungenschaften der „Neuzeit“ ausgestattet: mit einer Wasserleitung und einer Zentralheizung. Von Anfang an war ein Kreditinstitut mit im Gebäude untergebracht – die Commerz- und Diskontobank. Nach einem Raubüberfall auf die Commerzbank, der tragisch endete, wurde das Gebäude 1988 abgerissen und durch ein neues Geschäftshaus ersetzt.

Ernst Maßberg glaubt, dass die Weyher Apotheke noch lange überleben wird, obwohl seit Januar ein neues Gesetz die Margen der Apotheker sehr begrenze. Kleinere Apotheken würden große Probleme bekommen, sagt Maßberg.

Wurde früher die Medizin und Salben selbst hergestellt, hätten seit Mitte der 70-er die Vertreter der Pharmafirmen Ärzte und Apotheker überrannt. Es sei unter Apotheker nicht mehr üblich, die meiste Medizin selbst herzustellen. „Für Patienten eines Hautarztes rühren wir allerdings Salben nach strenger Kontrolle der Zutaten an“, sagt Ernst Maßberg.

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