Hoffest in Barver: Kontroverse Auseinandersetzung um die Zukunft der Landwirtschaft

Beifall für Agrarfabriken-Gegner

Beifall gab es in Barver für die Forderung nach der Wertschätzung des ländlichen Raums und einer am bedarf orientierten Lebensmittelproduktion. ·

Diepholz - BARVER · Es war der Auftakt des Landrats-Wahlkampfes – und gleichzeitig eine Demontration für eine mittelständische, bäuerliche Landwirtschaft: Während der Sternfahrt nach Berlin machte ein Tross von etwa 20 Landwirten mit ihren Traktoren eine Nacht lang in Barver Station.

Das „Netzwerk bäuerliche Landwirtschaft“ hatte dazu die Landratskandidaten Cord Bockhop und Inge Human eingeladen, die vor etwa 50 Interessierten ihre Positionen vertraten (wir berichteten bereits kurz).

Beide Juristen, mehr oder weniger mit Landwirtschaft traditionell verwurzelt, standen für die sinnvolle Steuerung und Eingrenzung beantragter Agrarfabriken im Landkreis. Der Weg über die Kommunikation mit der Gemeinde vor Ort, statt eines groß angelegten RaumordnungsverfahrenS (ROV) durch den Landkreis schien für Human sinnvoll, expandierende Betriebe gerecht zu bedienen. Bockhop plädierte für eine mittelständige, bäuerliche Landwirtschaft mit den umfangreichen Erfahrungswerten der Betreiber. Er wollte den Agrarindustriellen aus dem Umland nicht das Feld überlassen. Beide Kandidaten mussten sich der Kritik der Barver Bürger stellen, die sich im Kampf gegen den geplanten Mega-Stall mit 3 200 Kühen von Politik und Landkreis alleingelassen fühlten. Human und Bockhop lobten das schnelle und problemorientierte Handeln der Gemeinde Barver und ihre erreichte Kompromisslösung mit 1 600 Kühen.

Kontrovers diskutierten Agrarexperten, Politiker und Funktionsträger am Abend während des Hoffestes. Zum Auftakt „servierte“ die Künstlerin Majanne Behrens bissige Lieder zum Thema Ernährung, Lebensmittelproduktion und Agrarpolitik. „Wachsen um jeden Preis über die Märkte hinaus, ist Unsinn“, lautete die Botschaft von Karl-Dieter Specht, landwirtschaftlicher Sachverständiger aus Schleswig-Holstein. Nur durch Druck von unten sei ein Umdenken bis in die Spitzenpolitik zu erwirken. Burkhard Fandrich vom Europa Informationszentrum (EIZ) des Landkreises Diep holz moderierte die Podiumsdiskussion mit Johanna Böse-Hartje, Teilnehmerin der Sternfahrt, Marianne König (agrarpolitische Sprecherin der Linken), Christian Meyer (agrarpolitischer Sprecher der Grünen), Hartmut Bloch (Samtgemeindebürgermeister Rehden) sowie Matthias Link (Sprecher der Tierärzte im Landkreis), den Landtagsabgeordneten Otto Deppmeyer (CDU) und Renate Geuter (SPD), außerdem Eckehard Niemann (Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft). Dabei zeigte sich ein Konsens von Grünen, Linken, Tierärzten und AbL: Die forderten die Wachstumsgrenzen, Verantwortung gegenüber den Verbrauchern, der Natur und Umwelt sowie dem Tierschutz. Die SPD war zwar auch für nachhaltig produzierte Lebensmittel, wollte jedoch erst alle Stellschrauben genauer definieren. Otto Deppmeyer (CDU) musste sich vorwerfen lassen, Wachsen ohne Schranken zu unterstützen. Dem ländlichen Raum Wertschätzung zeigen, Lebensmittel am Bedarf zu produzieren ohne Tunnel-Profitblick auf den Weltmarkt und die marktwirtschaftliche Selbstbestimmung der Landwirte wieder herzustellen: Zu dieser Botschaft der Agrarindustrie-Gegner applaudierten die zahlreichen Gäste. · sbb

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