Zehn Tote und 71 Schwerverletzte in 22 Monaten

Baumunfälle: „Oft trifft es den 08/15-Fahrer“

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Straßenbäume sind ein idyllischer Anblick, bergen allerdings auch große Gefahren. Knapp 35 Prozent aller tödlichen Unfälle 2011 in Niedersachsen waren Baumunfälle.

Syke / Diepholz - Von Daniel Wiechert. Sie stehen unbeugsam am Straßenrand, vermitteln gerade im Herbst mit ihren bunten Blättern oder zugeschneit im Winter ein Gefühl von gemütlicher Idylle. Doch was kaum einer weiß: Bäume gehören zu den größten Gefahren im Straßenverkehr.

Die Bilanz der Verkehrsunfallstatistik 2011 in Niedersachsen spricht Bände. Von 540 Verunglückten im Straßenverkehr starben 372 (35 Prozent) infolge eines Baumunfalls. Während die Autobahnen oft als Gefahrenquelle Nummer eins gesehen werden (elf Prozent der Getöteten), fristen die Bäume am Straßenrand oft ein Schattendasein als Gefahrenquelle.

Eine kleine Unaufmerksamkeit reiche aus, damit es heikel werde: „Wenn die Kinder nörgeln, der Fahrer sich kurz darauf konzentriert und auf den Grünstreifen gerät, kann es schon zu spät sein“, sagt Wolfgang Rehling, Sachbearbeiter für Verkehr bei der Polizeiinspektion Diepholz. Er berichtet von einem flächendeckenden Problem im Landkreis Diepholz. Im Zeitraum Januar 2011 bis Oktober 2012 gab es dort 309 Baumunfälle mit zehn Toten, 71 Schwer- und 126 Leichtverletzten.

„Diese Zahlen machen deutlich, dass im Landkreis Diepholz die Richtlinien zum Schutz vor Baumunfällen noch nicht genügend beachtet werden“, meint Rehling. So bestehe Nachholbedarf an Vorkehrungen, die tatsächlich einen Anprall an Bäume verhinderten. „Das sind nun einmal Schutzplanken oder die Beseitigung von Bäumen“, so Rehling. Das Abholzen werde von den Bürgern allerdings ungern gesehen und Schutzplanken seien teuer.

Aber warum wurden überhaupt so viele Bäume gepflanzt? Die Anfänge für am Wegesrand spalierstehende Bäume in germanischen Gebieten gehen zurück auf römische Feldherren. Diese ließen ab dem zweiten Jahrhundert Bäume pflanzen, um ein Wegenetz zu etablieren. Außerdem dienten sie den römischen Truppen als willkommene Schattenspender.

Heutzutage gibt es andere Gründe. Zum einen der optische Aspekt: „Schöne Alleen haben für viele schon was Besonderes“, so Rehling. Zum anderen als Ausgleichsmaßnahmen. Das heißt: Wird irgendwo ein Straßenbauprojekt in die Wege geleitet, müssen dabei entstehende Eingriffe in Natur an anderer Stelle kompensiert werden. So werden entweder Wälder aufgeforstet oder es werden Setzlinge an die Straßen gepflanzt. Auch in der Politik gebe es laut Rehling seit einiger Zeit ein Umdenken dahin, dass die Bäume zumeist stehenbleiben sollten. Stattdessen würde versucht, durch Geschwindigkeitsbegrenzungen der Gefahr Herr zu werden.

Raser seien bei Baumunfällen aber gar nicht das Hauptproblem, meint der Experte. „Oft trifft es die 08/15-Fahrer, die wirklich nur einen Moment unaufmerksam waren.“ Ein Hauptproblem: Der Fahrer hat keine Chance, die gefahrene Geschwindigkeit ausreichend zu mindern, bevor es zum Zusammenstoß kommt. Rehling fordert unter anderem einen Mindestabstand von vier Metern zwischen Baum und Straße.

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