Bassumer hakt beim Bundesministerium nach

Zwölf Höhenmeter Treppe: Bramstedter Bahnhof nicht barrierefrei

Barrierefreier Einstieg? Dafür wurde beim Umbau das Gleis höher gelegt. Aber um zu Gleis 2 zu gelangen, muss zunächst diese Treppe überwunden werden.
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Barrierefreier Einstieg? Dafür wurde beim Umbau das Gleis höher gelegt. Aber um zu Gleis 2 zu gelangen, muss zunächst diese Treppe überwunden werden.

Bramstedt – Eine elektronische Anzeige, ein Unterstand, immerhin ein Fahrkartenautomat: Viel Komfort bietet der Bahnhof nicht, da ist Bassum-Bramstedt ein typischer kleiner Bahnhof, der (nur) von Regionalzügen angefahren wird. Man sieht der Bahnstation aber noch an, dass sie vor rund fünf Jahren saniert wurde.

Gut drei Millionen Euro hatte die Bahn-Tochter DB Netz 2015/16 investiert: In die Treppenanlage, in Sitzbänke, Müllbehälter und Vitrinen. Zudem wurde der Bahnsteig um 76 Zentimeter erhöht. Begründung: So werde Menschen, die weniger mobil sind, oder die mit kleinen Kindern unterwegs sind, der barrierefreie Einstieg in den Zug ermöglicht.

Allerdings war und ist Gleis 2, wo die Züge nach Bremen halten, nur über eine Treppenanlage zu erreichen. Und die ist mit dem Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen ohne Hilfe kaum zu überwinden. Das Fehlen einer Rampe hatte seinerzeit etwa der inzwischen verstorbene Ortsvorsteher und CDU-Ratsherr Helmut Zurmühlen moniert. Auf der anderen Seite, zum Gleis 1 Richtung Twistringen, sind die Gleise auf Rollen zu erreichen – auch wenn die Rampen neben den Stufen ordentliche Steigungen aufweisen.

Bassumer schreibt an das Bundesverkehrsministerium

Im vergangenen Jahr hatte das Bundesverkehrsministerium – damals noch unter Andreas Scheuer (CSU) – ein Konzept vorgestellt, das unter anderem vorsieht, 330 Millionen Euro in den barrierefreien Umbau kleinerer Bahnhöfe zu stecken. Als Johann Herholz aus Högenhausen davon in dieser Zeitung las, hat er an den Bramstedter Bahnhof gedacht – und an Scheuers Ministerium geschrieben.

In seinem Brief beschreibt Herholz die Situation: Dass der Bahnhof circa „12 Meter über normal“ liegt und Radfahrer, Mütter, Senioren oder Gehbehinderte keine Möglichkeit haben, den Bahnsteig Richtung Bremen zu erreichen. Vom Bundesverkehrsministerium wollte Herholz wissen: „Kann der barrierefreie Zugang zum Bahnsteig in Bramstedt durch einen Fahrstuhl verbessert werden, sodass alle Bürger die gleichen Rechte erhalten, um am öffentlichen Nahverkehr teilzunehmen?“

Steil aber befahrbar: Der Aufgang zu Gleis 1.

Eine Antwort hat Herholz bekommen, von Enak Ferlemann (CDU), als parlamentarischer Staatssekretär einer der Stellvertreter des inzwischen ehemaligen Verkehrsministers. In seinem abschlägigen Brief verweist Ferlemann auf die „sehr geringe“ Anzahl von Ein-, Aus- und Umsteigern in Bramstedt und darauf, dass die nur wenige Kilometer entfernt liegenden Stationen Bassum und Syke barrierefrei sind.

Abschlägige Antwort aus Berlin: Zu wenig Ein- und Aussteiger

„Mit Herrn Ferlemanns Antwort bin ich nicht zufrieden“, befindet Johann Herholz. Er hat den Eindruck, das Problem werde „verniedlicht“. Mit seinen 75 Jahren kommt Herholz mit dem Fahrrad noch gut zu den umliegenden Bahnhöfen. Er denkt zwar auch daran, wie es werden könnte, wenn das in einigen Jahren vielleicht nicht mehr so ist. Aber es geht ihm nicht um sich, sondern ums Prinzip. „Was ist mit den Menschen, die das nicht können?“, fragt er.

Bramstedt sei mit seinen Baugebieten eine wachsende Ortschaft, genau wie Nordwohlde. Und für die Zukunft müsse man daran denken, dass mehr Menschen das Auto stehen lassen wollen. „Kleine Nahverkehrsverbindungen sind im ländlichen Bereich lebenswichtig“, betont Herholz.

In der ministerialen Antwort fehlen ihm Perspektive und Überzeugung – nicht nur bezogen auf Klima und Umwelt. Sondern auch, was den Gleichheitsgrundsatz angeht: Der pensionierte Lehrer verweist auf eine Studie, in der es um Auswirkungen des Gesetzes zur Gleichstellung behinderter Menschen geht – ein Gesetz, das der Bundestag bereits im Mai 2002 beschlossen hatte. Ein fahrgastfreundlicher und barrierefreier öffentlicher Nahverkehr, garantiert die Mobilität aller, heißt es sinngemäß in dem wissenschaftlichen Papier. Da könne man nicht mit zu geringen Fahrgastzahlen argumentieren, findet der Högenhauser. Zumal sich die Altersstruktur verändere, die Zahl der Menschen im Rentenalter nimmt zu.

Johann Herholz pocht darauf, dass der Bahnverkehr allen offenstehen sollte.

Auf die geringen Fahrgastzahlen und die Bahnhöfe in Bassum-Stadt und Syke hatte die Bahn schon beim Umbau verwiesen, erinnert sich Bassums Bauamtsleiter Martin Kreienhop. Für die Bahnhöfe sind die Deutsche Bahn beziehungsweise der Bund als hundertprozentiger Eigentümer zuständig. Trotzdem hatte die Stadt geprüft, selbst einen Fahrstuhl zu bauen und zu betreiben. Man sei aber zum Schluss gekommen: „Die Unterhaltskosten wären immens.“ Deshalb sei die Idee 2017 verworfen worden.

Ein weiteres Problem, erzählt Kreienhop, sei die Bau-Statik des Bahndamms. Die habe bei der Sanierung durch die Bahn Probleme bereitet und würde auch bei einem Anbau für Schwierigkeiten sorgen. Eigentlich, so lautet die Schlussfolgerung des Bauamtsleiters, hätte man den Bahnhof schon vor Jahrzehnten verlegen müssen, nach Norden, auf ebeneres Gelände. Aber nachdem die Bahn erst vor wenigen Jahren einen Millionenbetrag in den Bahnhof gesteckt hat, dürfte diese Lösung nicht wahrscheinlicher geworden sein.

Wenn auch nicht in Sachen Barrierefreiheit, plant die Stadt eine Verbesserung für radelnde Pendler am Bramstedter Bahnhof: Von Martin Kreienhop ist zu hören, dass das Bauamt gerade an einem neuen Unterstand für Fahrräder arbeitet.

Und Johann Herholz? Ist überzeugt, dass das Thema Verkehr – neben Corona und Klima – ein „Riesenbaustelle“ bleiben wird. Man kann davon ausgehen, dass er auch die Arbeit des frisch vereidigten Verkehrsmisters Volker Wissing (FDP) genau beobachten wird.

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