Annie Heger und Matthias Monka begeistern in Twistringen mit Musikkabarett

Zwischen Bumsfallera und Politik

Ostfriesen unter sich: Annie Heger und Matthias Monka entdeckten durch Zufall Anja Ferdinand (l.) unter den Besuchern, die ebenfalls aus Wiesmoor stammt und jetzt in Twistringen wohnt. Foto: Büntemeyer

Twistringen - Von Heiner Büntemeyer. Annie Heger wollte als Jugendliche die „Liza Minelli Ostfrieslands“ werden. „Un nu dat: Twüstern!“ Eigentlich kann sich eine Künstlerin mit dieser Aussage in „Twüstern“ keine Freunde machen. Aber Annie Heger kann das. Ihre Zuhörer im Twistringer Rathaussaal spürten, wie geerdet und echt sie ist, weil sie zwar „die Nase im Wind, aber die Füße im Moorboden“ hat. Sie liebt ihre Heimat, in der man aufeinander Acht gibt: „Wi bruukt keen Video-Öberwachung. – Wi hebbt Nabers.“ Was auch immer sie damit ausdrücken möchte.

Den Zuhörern gefielen die in liebevolle Kritik versteckten Anmerkungen über Ostfriesland, die Welt und ihre Familie. Die Geschichten aus ihrer Heimatstadt Wiesmoor waren besonders authentisch, weil Annie Heger mit Anja Ferdinand an diesem Abend eine Wiesmoorerin unter den Besuchern gefunden hatte, die ganz in ihrer Nähe aufgewachsen war und die viele gemeinsame Bekannte hatten. Immer wieder glitt ein augenzwinkernder Blick zu ihrer neuen Bekannten.

Unterbrochen wurden ihre Erzählungen von eigenen plattdeutschen Liedern, die sie wie das „Nie nich heel gahn“ selbst geschrieben oder wie „As een Diek schütz ick di för Water, dat du nich verdrinkst“ bei „Bridge over troubled water“ von Simon & Garfunkel gecovert hat.

Begleitet wurde sie dabei von Matthias Monka am Klavier. Er hatte seinen Spaß an spontanen musikalischen Ideen seiner Partnerin. So forderte sie ihre Besucher zu einem gelungenen Rudelsingen des Liedes „Dat du mien Leevsten bist“ auf.

Nach der Pause erzählte sie die Geschichte, wie zwei „Ossis“ Freundschaft geschlossen haben. Ein Luftballon aus Wiesmoor war in Mecklenburg-Vorpommern gelandet und hatte den Kontakt hergestellt. Nach der Wende lernten sich die zwei „Ossis“, die beide in ihrer Heimatstadt einen Chor leiteten, auch persönlich kennen. Diese Geschichte, die demnächst auch im NDR-Hörfunk gesendet wird, nahm Annie Heger zum Anlass, darüber nachzudenken, wie Grenzen zwischen Menschen überwunden werden können. „Wer weiß, wo die eigenen Wurzeln sind, der kann auch Fremden ein Zuhause geben“. Und dann folgte ihr eindrucksvoller Anti-AfD-Rap „Würde is keen Konjunktiv“. So lange plattdeutsche Musik aktuelle Themen aufgreift, stirbt auch das Plattdeutsche nicht. Davon ist Annie Heger überzeugt.

Sie hatte ihr Programm bewusst zwischen „Bumsfallera und Politik“ angesiedelt. Sie erklärte den Unterschied zwischen „Klootscheters“ und „Klookschieters“ und mit dem eigentlichen Widerspruch: „Ostfreesland liggt in‘n Westen“ erklärte sie die spezielle Wesensart der Ostfriesen. Sie plant, gemeinsam mit ihrer Cousine als Duo „Deichkracher“ auf Tournee zu gehen. Im Repertoire haben sie das Volkslied „Der Mond ist aufgegangen“, dessen Text sie allerdings auch schon „platt gemacht“ haben.

Als Zugabe sang sie den Song „Klunkers sind doch dat, wat blifft“ und wer hinhörte merkte sofort, dass Marilyn Monroe diesen Song auch schon einmal gesungen hat. Bei ihr hieß der allerdings „Diamonds are a girls best friend“. „Harrjassas – so sind se, de Ostfreesen.“

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